Jodi Picoult – Bis ans Ende der Geschichte posted by on 24. April 2017

Das Thema Holocaust ist einfach schrecklich, ob man es erlebt hat oder nicht, man mag es sich nicht vorstellen. Die bekannte Autorin greift das Thema auf in ihrer Geschichte rund um Sage Singer und Josef Weber.

Autor: Jodi Picoult
Titel: Bis ans Ende der Geschichte
Genre: Roman, Drama
Verlag: Penhaligon
Taschenbuch: 576 Seiten
Erscheinungsdatum: 22.08.16
Preis: 10,00 €

Sage ist eine junge Bäckerin, sie übt ihren Beruf mit Leidenschaft aufs. Sie lernt den überall beliebten pensionierten Lehrer Josef Weber kennen. Doch trotz ihres großes Altersunterschiedes entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen – bis sie hinter sein Geheimnis kommt. Er bittet sie um einen großen Gefallen, welchen sie ihm eigentlich nicht erfüllen kann. Wenn sie es tut, hat das nicht nur moralische sondern auch gesetzliche Folgen. Sie steht vor einem Dilemma, denn wo sind die Grenzen zwischen Verbrechen, Vergehen, Gerechtigkeit, Vergebung oder Gnade?

Also gleich vorweg – das ist keine Lektüre für Zwischendurch. Sie geht unter die Haut und hinterlässt auch große Beklemmung. Wer hier dem Klappentext folgt, kann sich nicht ganz sicher sein, was einem erwartet. Es fehlt der entscheidende Hinweis, dass es eine Geschichte aus dem Holocaus ist. Eigentlich ist es eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Wir haben hier die junge Sage, eine Jüdin, die mit dem Judentum eigenlich gar nichts groß zu tun haben will. Sie schanzt sich von der Menschheit ab, indem sie nachts bäckt, wo sie niemandem über den Weg läuft. Das tut sie, weil eine Narbe ihr Gesicht verunziert und sie sich absolut hässlich fühlt und das niemandem antun möchte. Dennoch hat sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann, der sie scheinbar hübsch findet und sie auch liebt. Eigentlich ist sie bodenständig, intelligent und fest ins Leben integriert. In einer ihrer Schicht lernt sie Josef kennen, den alten pensionierten Lehrer. Sie trifft sich öfters mit ihm und auch bei ihm daheim zum Kaffee. So bittet er sie um einen Gefallen und erzählt ihr aus seiner Vergangenheit, wie er dem Reich gedient hat. Da erinnert sie sich, dass ihre Großmutter Opfer des Holocaust war, eine Überlebende hiervorn ist. Sie hört sich auch ihre Geschichte an, als diese sie erzählt.

Mich selbst hat etwas gestört, dass der Hinweis auf dem Klappentext fehlt, um was speziell es hier geht, nämlich dem Holocaust. Doch vielmehr geht es um die Schuldfrage, um die Vergebung und Gnade und was verzeihbar ist und was nicht, was ist gerechtfertigt? Die Geschichte ist ohne Frage schwer vedaulich, wenn man sich richtig hineinliest. Sie ist keine leichte Lektüre, zumal es drei verschiedene Geschichten in einem sind. Einmal das Heute, das Damals und dann wäre da noch die Geschichte der Oma, die diese geschrieben hat. Alles gehört natürlich zusammen und muss auch so sein, dennoch hinterlassen allesamt ein beklemmendes Gefühl, mir selbst ist hier und da ein Tränchen gerollt. Denn so traurig es auch ist, es ist noch trauriger, dass dies tatsächlich passiert ist.

Die Autorin schreibt wie immer flüssig, locker und man kann sich total mit der Protagonistin identifizieren. Sie hat hier ein schwieriges, moralisches Thema aufgegriffen. Man findet zwar leicht hinein, aber nur schwer wieder hinaus. Ich wusste jetzt lange nicht, wie oder was ich dazu schreiben soll, es hat mich doch sehr mitgenommen – denn die Geschichte ist auch ein Teil unserer Geschichte. Manchmal kam es mir auch in die Länge gezogen vor, so dass es den Lesefluss etwas gestoppt hat.

Empfehlen kann ich dieses Buch denen, die wissen worauf sie sich einlassen und nicht ganz so schwache Nerven in Hinsicht auf unsere Geschichte haben.

3 von 5 Punkten

Zoe Hagen – Tage mit Leuchtkäfern posted by on 4. August 2016

Ein jeder rennt mit seinen Problemen durchs Leben – einige stecken es besser weg, andere zerbrechen daran und nochmal andere sind fast daran zerbrochen und versuchen das Beste daraus zu machen und wieder empor zu steigen. Depressionen sind heutzutage keine Seltenheit mehr, immer mehr Menschen erkranken daran, so dass es schon gar nichts „Besonderes“ mehr ist. Dennoch ist dies nicht auf die leichte Schulter zu nehmen…

Autor: Zoe Hagen
Titel: Tage mit Leuchtkäfern
Genre: Roman, Jugendliteratur
Verlag: Ullstein
Erscheinungsdatum: 14.03.2016
eBook: 192 Seiten
Preis: 9,99 €

Antonia leidet an Depressionen, Bulimie und kommt nicht wirklich aus dem Teufelskreis raus. Sie läuft Fred über den Weg, einem Mitglied aus dem „Club der verhinderten Selbstmörder“. Von nun an ist auch sie dabei und hat somit neue Freunde gefunden…

Mehr möchte ich gar nicht vom Inhalt verraten, denn das wäre zuviel gesagt. Die Autorin hat hier einen Jugendroman geschaffen, der eigentlich nicht nur für Jugendliche ist. Er wirkt nachdenklich, flüssig zu lesen, mit etwas Humor gespickt und doch todernst.

Dargestellt ist das Buch als Briefe an Gott von Antonia. Sie glaubt zwar eigentlich nicht an Gott, weiß aber auch sonst nicht, an wen sie sich wenden soll. Die Briefe und auch die Dialoge darin sind gut gewählt und lassen einen über das Geschriebene und auch die eigene Umwelt nachdenken.

Das Thema Depression und der Umgang damit, wie man selbst und die Umwelt damit umgeht, ist hochaktuell – denn es gag noch nie mehr Leute, die daran erkrankt waren. Früher war das ja ein Tabuthema, heutzutage kommt man kaum drum rum, da es immer mehr betrifft. An was liegt das? Es mag wohl sein, dass jedem ein anderes Thema „falsch“ einfährt und daran zerbricht. Aber es ist doch auffällig, wie viele davon betroffen sind.

Auch die Protagonistin des Romans hat damit zu kämpfen, man kann nur vermuten und zwischen den Zeilen herauslesen, warum, denn verraten tut sie es nicht wirklich. Gut geschrieben, in eine gute Story verpackt, klärt die Autorin über innere Gefühle und den Umgang damit auf.

Wer sich hier also auf eine leichte Lektüre gefasst machen will, sollte sich das schnell aus dem Kopf schlagen, denn vielmehr ist sie tiefgründig und auch traurig, aber auch mit sehr schönen Momenten darin, die zeigen, dass das Leben eigentlich doch sehr lebenswürdig ist!

Was es mit den Leuchtkäfern zu tun hat, lest selbst – ich finde es gut gewählt und eine schöne Erklärung!

Für mich war das eine gelungene Abwechslung in meinem Bücherschrank und ich möchte das Gelesene auch nicht missen – ich kann es also bedingungslos weiterempfehlen – nicht nur für jugendliche Leser!

5 von 5 Punkten

 

Cynthia Hand – Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks posted by on 7. Oktober 2015

Es ist immer hart mitzuerleben, wie jemand aus dem näheren Kreis der Familie stirbt – und erst recht, wenn dieser von eigener Hand starb. Was für Gründe muss jemand haben, um zu so einem Schritt zu kommen? Dieser endgültigen Frage geht auch die Protagonistin Alexis in Cynthia Hands neuem Roman nach.

Autor: Cynthia Hand
Titel: Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Harper Collins
Erscheinungsdatum: 10.09.2015
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Preis: 16,90 €
bereitgestellt durch BdB

Am 20. Dezember bringt sich Alexis´Bruder Tyler selbst um. Ab diesem Zeitraum geht für Lexie alles bergab – sie hat ihren Bruder verloren, weiß nicht was ihn geplagt hat und gibt sich die Schuld daran. Denn Tyler hat ihr vor seinem Tod eine SMS geschickt und sie hat sie nicht beachtet. Hätte sie daran noch etwas ändern können? Vor diesem Schicksalsschlag hat Lexie ein wundervolles Leben geführt – einen tollen Freund, ihren Traum Mathematik  zu studieren – und mit Tylers Tod ändert sich die Gleichung, unwiderruflich. Lexie wird von dem Gedanken verfolgt, dass sie noch etwas hätte ändern können, hätte sie nur auf die SMS geachtet – daher versucht sie mehr, über Tylers Beweggründe herauszufinden.

Dem Buch haftet die ganze Zeit eine melancholische Schwere über – es frisst einen innerlich auf, wie sehr die Charaktere durch den Tod leiden, allen voran Lexie, da sie sich die Schuld daran gibt. Sie hatte eigenlich alles, einen super Freund, ihr Traum kann verwirklicht werden, Mathe zu studieren – und dann das. Es reisst sie aus dem Leben, den Boden unter den Füßen weg. Auch ihre Mutter ist nur noch eine Marionette ihrer selbst. Lexie geht zu einem Therapeuten, der ihr nahegelegt hat, Medikamente zu nehmen, was sie aber vehement abgelehnt hat. Daraufhin schlägt er ihr vor, ein Tagebuch zu schreiben, was sie auch tut. Hier erfährt sie mehr und mehr über die Hintergründe und scheint doch einiges mehr zu wissen, als sie ahnt. Auch als Leser kann man hier tiefer Einblick nehmen, oft zieht es einem echt das Herz zusammen.

Als Leser ist man natürlich genauso wie Lexie erpicht darauf, aus welchem Grund das Unglück geschah und man forscht mit ihr zusammen danach. Das bringt einen immer näher mit ihr und man kann sie sehr gut verstehen, ihre Handlungen, ihre Gedanken und einfach alles. Manchmal ist es so, als wäre man direkt bei ihr dabei.

Das Thema beschäftigt einen auch noch hintenach, eine leichte Lektüre für Zwischendurch ist dies keinesfalls – es regt zum Nachdenken an, wie man solche Signale erkennen kann und was einen Menschen so bewegt, dass er zu so einem fatalen Schritt fähig ist. Bestimmt hat jeder schon einmal gedacht, am liebsten würde er dem ein Ende setzen, es aber dann auch ernsthaft so zu meinen und auch tun? Das ist schon ein großer, großer Schritt und hinterlässt viele trauernde Menschen und Erinnerungen.

Ein gut gelungener Roman allemals, den man ohne schlechten Gewissen weiterempfehlen kann an die jüngeren und auch etwas älteren Leser unter uns, die nicht nur eine seichte Unterhaltung mit Lovestory bevorzugen, sondern gern auch einmal etwas Tiefgründiges lesen!

5 von 5 Punkten

 

Kelly Fiore – Der tiefe Fall der Cecelia Price posted by on 21. August 2015

Drogen, egal welche, machen einen kaputt – die einen schneller, die anderen schleichend. Vor allem aber machen sie ein Leben kaputt und das nicht nur des Süchtigen, auch die, die um ihn herum sind. So ergeht es Cecelia in Kelly Fiores Jugendroman. Sie muss mitansehen, wie ihr Bruder sich durch Drogen kaputt macht und macht mit einer einzigen Handlung ihr eigenes Leben kaputt und vergeht an Schuldgefühlen…

Autor: Kelly Fiore
Titel: Der tiefe Fall der Cecelia Price
Genre: Jugendroman
Verlag: Coppenrath
Erscheinungsdatum: Juni 2015
Gebunden: 320 Seiten
Preis: 14,95 €

Cecelia ruft die Notrufzentrale an, um den Tod ihres Bruders zu melden. Dabei gibt sie an, dass sie daran schuld sei. Nachdem sie diesen Notruf getätigt hat, schweigt CeCe. Sie wird in U-Haft gesteckt, in eine therapeutische Verhaltenstherapie. Dort redet sie mit niemand, zieht sich zurück und leidet an ihren Schuldgefühlen. Dort wartet sie auf den Tag, an dem der Prozess stattfindet, an welchem sie für ihre Schuld drankommt. Keiner möchte über das reden, was passiert ist. Keiner möchte hören, dass ihr Bruder ein Junkie war oder wie er ihr Leben versaut hat. Denn nur CeCe weiß, was an jenem Tag passiert ist…

Zuallererst bekommt man mit, wie CeCe den Notruf absetzt. Was genau passiert ist? Das bekommt auch der Leser eine ganz lange Zeit überhaupt gar nicht mit. Man weiß nur, dass CeCe sich grundtief schuldig für den Tod ihres Bruders fühlt. Es muss also etwas geschehen sein, wo sie mitgeholfen hat, ob direkt oder indirekt, erfährt man erst später. CeCe hat kein leichtes Leben – ihre Mutter starb an Brustkrebs, ihr Bruder wurde zum Junkie und ihr Vater verschließt vor allem die Augen und finanziert auch noch die Drogensucht des Bruders.
Es ist förmlich mitanzusehen, wie CeCe immer mehr daran zerbricht, an dem was mit ihrem Bruder geschah. Neben ihren Problemen daheim mit Vater, Bruder & Co. erlebt sie die alltäglichen Teenieprobleme noch dazu, verlirebt sich und ist blind vor Liebe. Die Liebe von Lucas zu ihr kam allerdings erst, als er mitbekommen hat, dass sie Cys Drogen vertickt – das auch erst, nachdem Lucas Cousin sie darauf angesprochen hat, ob sie Cy nach welchen fragen könnte. Das hat sie, in ihren eigenen Worten zufolge getan, damit sie ihre Laborgebühren finanzieren kann, welche der Vater durch die Finanzierung der Drogensucht nicht aufbringen konnte. Und somit begann ihr Abstieg, der Fall in einen Abgrund, aus dem sie nur schwer wieder rauskommt. Ab diesem Punkt geht es eigentlich nur noch abwärts in CeCes Leben und die Tragödie um ihren Bruder lässt auch nicht lange auf sich warten.
Der Roman wird im Wechsel von Jetzt und einige Monate zuvor aus CeCes Sicht erzählt. Na klar möchte man sofort wissen, an was sie eigentlich schuld ist – hier wird man aber ewig auf die Folter gespannt. Man durchlebt ein chaotisches, trauriges und von Schuldgefühlen geplagtes Leben eines Teenagers, der sich eigentlich nur nach oben kämpfen möchte. Des Öfteren möchte der Leser CeCe durchschütteln für ihre grenzenlose Naivität, sei es in der Liebe oder den Umgang mit Drogen. Manche Passagen aus ihren Gedankengängen sind für den Leser etwas verwirrend, in einer Sekunde ist sie stark, in der anderen schwach und dumm/naiv. Man weiß eigentlich nie so genau, woran man mit ihr ist.
Das Ende ist meiner Meinung nach genau so, wie es hätte sein sollen, eine andere Lösung wäre meines Erachtens fehl am Platze. Mehr kann ich dazu nicht sagen, um nicht zu viel zu verraten.
Der Schreibstil ist sehr gut verständlich und auch für Jugendliche gedacht. Die Frage nach der Schuld im Roman wird die ganze Zeit zurückgehalten, so dass man sich erst durch das gepeinigte Leben CeCes durchkämpfen muss. Das Thema der Drogensucht ist noch immer und wird immer hochaktuell sein, da hier so viele Jugendliche davon betroffen sind und meist nicht mehr aus der Spirale rauskommen. Es ermöglicht den Jugendlichen auf jeden Fall in Romanform einen Blick hinter die Kulissen, auf was sie sich lieber nicht einlassen sollten.
Das Buch ist in jeder Hinsicht an die jungen Leser ab 16 Jahren empfehlenswert, das Thema regt zum Nachdenken und Diskutieren an und sollte wachrütteln. Spannend und aufwühlend erlebt man hier einen tiefen Fall mit!
4 von 5 Punkten
Carmen Rodrigues – Du bist das Gegenteil von allem posted by on 10. April 2015

Jugendliche bzw. Teenager haben immer ihre Probleme und sei es nur der erste Kuss, das erste Date etc. Doch es gibt auch Probleme, die greifen tiefer und lassen einen zu anderen Menschen werden. Die äußere Fassade ist nicht immer gleich das Innenleben jedes Menschen. Carmen Rodrigues behandelt ein sehr sensibles Thema, wenn sie über den Tod durch Tablettenüberdosis einer Jugendlichen schreibt. Sehr aufwühlend und gefühlsbedingt..

Autor: Carmen Rodrigues
Titel: Du bist das Gegenteil von allem
Genre: Unterhaltung, Roman
Verlag: cbt
eBook: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.03.2015
Preis: 13,99 €

Ellie ist sehr beliebt unter ihren Mitschülern und gleichaltrigen, doch hat sie etwas dunkles an sich, etwas umsorgt sie ständig, was sie äußerlich sehr bedeckt. Da stirbt sie an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren Schwester Jess. Die 16-jährige Ellie hatte unter ihrem Bett einen Schuhkarton mit vielen Zetteln, alles Hinweise auf ihre Geheimnisse. Jake, Sarah und Jess werden von Schmerz aufgefressen und auf der Suche nach dem Warum müssen sie sich nicht nur auf ihre Emotionen konzentrieren, sondern auch auf das, was Ellie so stark vor allen verborgen hat…

Man merkt gleich, dass dies keine Lektüre für leichte Stunden ist. Es geht hier um einen Tod einer Jugendlichen, wo gleich klar wird, dass dies nicht nur aus Versehen eine Überdosis war. Die Hinterbliebenen quälen sich mit Fragen, die sich uns wohl genauso stellen würden. Ein jeder geht damit für sich um – Sarah zieht sich völlig zurück und landet immer wieder in der Klinik, will sich keinem öffnen. Jake verzieht sich in einen anderen Staat, wo er eigentlich ursprünglich studieren wollte, es jedoch aufgibt und nur noch vor sich hinlebt. Jess zieht sich ebenfalls zurück, magert ab und ist traurig, versucht alles zu verstehen. Was sie genau mit Ellie zu tun hatte, wir jedoch erst später klarer. Für den Leser ist Ellie anfangs etwas unsympathisch, da sie bei jedem extra aneckt und nicht gerade sehr nett ist. Doch blickt man hinter die Fassade, sieht man ein gebrochenes Mädchen, dem etwas sehr Schlimmes zugestoßen sein muss und das alles nur ein Schutzpanzer vor allem ist.

Die Autorin spricht hier ein sehr heikles Thema an – ein Tod aus ungeahnter Ursache, vor den öffentlichen Augen verborgen. Kommt man doch darauf, wird es unter den Teppich gekehrt. Ich will hier nicht zuviel verraten, es ist aber dennoch sehr traurig, was Ellie widerfahren ist. Die kurzen Notizen von Ellie, was darauf schließen lässt, dass es sich um die Zettel aus ihrem Karton handelt, sind sehr aufwühlend und emotionsreich. Sie sagen nicht viel und doch alles.

Die Sprache und der Schreibstil ist für Jugendliche angepasst und doch eher etwas für ältere Leser. Man kann es nicht mit einem Thriller für starke Nerven vergleichen, aber man braucht trotz allem starke Nerven für diese Lektüre. Ich musste manchmal eine kurze Pause machen, um zu verschnaufen. Die Autorin geht hier nicht im Speziellen auf Ellies Tod ein, sondern eher um das Umgehen damit der Hinterbliebenen. Und doch steht im Vordergrund der Grund für Ellies Tod, wenn auch erst unterschwellig zwischen den Zeilen.

Es ist auf jeden Fall ein Roman, welcher einem länger im Gedächtnis bleibt und sehr zum Nachdenken anregt. Trotz des heiklen Themas ist es „schön“ zu lesen, aufwühlend und tiefgründig. Es sei den Lesern ans Herz gelegt, die auch einmal hinter die Welt des Friedens, Freude und Eierkuchens blicken möchten.

5 von 5 Punkten

Aude Le Corff – Bäume reisen nachts posted by on 30. Mai 2014

Wie gehen Kinder damit um, wenn die Mutter in ihren jungen Jahren einfach abhaut? So etwas ist schwer verdaubar, vielleicht für immer ein Schmerz, der nie aufhört. Die kleine 8jährige Manon geht damit ganz eigen um. Wie, das erfährt der Leser im Buch „Bäume reisen nachts“ von Aude Le Corff.

Autor: Aude Le Corff
Titel: Bäume reisen nachts
Genre: Drama, Roman
Verlag: Suhrkamp Insel
Erscheinungsdatum: 10.03.2014
Taschenbuch: 201 Seiten
Preis: 12,99 €

Die kleine Manon verbringt seit Monaten ihre Tage allein im Garten unter ihrer Birke, sie redet hier mit den Ameisen und den Katzen, die sie zu lieben scheinen. Denn ihre Mutter ist eines Tages einfachso aus ihrem Leben verschwunden, ab und davon. Sie freundet sich mit dem alten Nachbarn Anatole an und verbringt fortan ihre Nachmittage bei ihm, wo er ihr aus dem Buch „Der kleine Prinz“ vorliest. Ihr Vater Pierre und auch die Schwester der Mutter Sophie vermögen nicht, an das Mädchen heranzukommen, nur Anatole schafft das. Eines Tages erhalten die Familienmitglieder überraschend Post von der Mutter. Gemeinsam machen sich alle auf die Reise quer durch Europa, ein Abenteuer, das es in sich hat.

Ganz am Anfang erfährt man gar nicht viel über Manon bzw. von ihr selbst, eher von den Mitmenschen um sie herum. Jeder hat eine andere Ansicht und sieht sie mit anderen Augen. Bis sie selbst gedanklich einmal zu Wort kommt, weiß man eigentlich schon sehr gut Bescheid, was mit ihr los ist. Man hat das Mädchen sofort ins Herz geschlossen, es ist ein schlaues, kleines Köpfchen. Sie versteht viel und nimmt auch alles recht schnell auf. Man runzelt besorgt die Stirn, da Manon bereits Zwangsstörungen entwickelt hat, wie z.B. die Katze zwei mal über den Kopf und fünf mal über den Rücken zu streicheln und andere diverse Dinge. Diese treten ja oft auf, wenn sich ein entscheidendes Ereignis im Leben auftut und eine Veränderung stattfand.

Als Manon auf Anatole trifft, welcher sie interessiert angesprochen hatte, entwickelt sich hier eine ganz besondere Freundschaft zwischen sehr jung und alt – auch er hat seine Zwangsstörungen, er hat einen Kontrollzwang und alles muss routiniert verlaufen und am Platz sein. Fortan sind die beiden nachmittags immer zusammen. Er liest ihr nicht nur aus dem Buch vor, sie unterhalten sich auch über den Sinn mancher Dinge und dem Leben. Es dauert zwar, bis Manon sich immer mehr anvertraut, aber man spürt die Tiefe der außergewöhnlichen Freundschaft. Es ist so ein großer Altersunterschied und doch sind die beiden sich gleich irgendwo. Außenstehend könnte das wohl als Opa und Enkelin gesehen werden, Anatole ist der Opa, den Manon nie hatte und gehört ab sofort zur Familie. Vielleicht sieht er ja auch in Manon das Kind, welches er nie hatte?

Im Grunde helfen die beiden sich mit ihren Gesprächen gegenseitig – er erkennt sich in ihr wieder, hat das meiste vom Leben schon hinter sich und möchte sie vor Schmerz bewahren, durch sie lernt er den Mann auch besser kennen, der er einmal war.

Manons Vater kommt einem eigentlich total unsympathisch vor, dabei ist er nur ein armer, von der Frau verlassener Mann, der nicht mit seinem Schmerz umzugehen weiß. Trotzdem ist es unverantwortlich wie er lebt und sich nicht vor seiner jungen Tochter zusammennimmt. Auch seine Handlungen sind etwas sehr überzogen und überstürzt.

In diesem Buch erfährt man einiges über das Leben, wie es laufen kann und was passiert. Es sind die Gedanken zwischen den Zeilen, die einen grübeln lassen. In diesem Buch ist so viel Tiefgründigkeit versteckt, dass es einem eigentlich Tränen in die Augen hauen müsste – dabei ist es so wundervoll geschrieben, dass man auch gleich in der Geschichte drin war, als wäre man selbst dabei. Die Autorin hat den Leser gleich zu Anfang in ihren Fängen und durch die verschiedenen Sichtweisen erfährt man mehr und möchte auch gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Ein wunderbar geschriebener Roman, in welchem jede Person durchleuchtet wird, in welchem alle Situationen, bildlich geschildert werden. Er entführt den Leser auf eine dramatische und doch schöne Reise, zeigt ihm eine außergewöhnliche Freundschaft und nimmt einen auf eine Reise mit, die man so vor Augen hat, als wäre man selbst unterwegs. Von mir eine klare Leseempfehlung!

5 von 5 Punkten

Jenni Fagan – Das Mädchen mit dem Haifischherz posted by on 7. April 2014

Ein Leben im Heim oder von Heim zu heim – die guterzogenen Kids machen sich kaum Gedanken darüber bzw. sie können es sich nicht vorstellen. Doch, wie ist es für jemanden, der von einem Heim zum nächsten tingelt? Jenni Fagan hat in ihrem Roman eine Atmosphäre geschaffen, in der sie die Protagonistin beschreibt, welche fast ausschließlich in Heimen und Pflegefamilien gelebt hat.

Autor: Jenni Fagan
Titel: Das Mädchen mit dem Haifischherz
Genre: Jugendbuch, Drama
Verlag: Verlag Antje Kunstmann
Erscheinungsdatum: 12.03.2014
Gebunden: 332 Seiten
Preis: 19,99 €

Anais Hendricks ist 15 und sitzt auf einem Rücksitz in einem Polizeiauto. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, eine Polizistin liegt im Koma. Hat sie etwas damit zu tun? Alle gehen davon aus, es liegen aber keine Beweise vor und Anais kann sich nicht erinnern. Anais kommt in eine Besserungsanstalt für schwererzwiehbare Jugendliche, ins Panoptikum. Anfangs steht sie dem noch mit Skepsis gegenüber, die anderen Jugendlichen werden aber fast zu etwas wie ihre Familie. Das Panoptikum sieht sie als eine Art Gefängnis, eine Art Unterkunft für so kaputte Menschen wie sie, erschaffen vom Experiment. Sie kämpft mit der Gegenwart, der Vergangenheit und ihrem Mut – sowie ihren Gedanken und Stimmen. Die anderen Jugendlichen sind eine Art Familie, deren Bande stärker sind als alles, auch stärker als das System. Ein Mädchen mit dem Haifischherz, das dagegen anzukämpfen versucht…

Der Anfang beginnt so, wie der Klappentext es beschreibt. Anais sitzt blutverschmiert auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens. Die Polizisten bugsieren sie in das besagte Panoptikum. Dort angetroffen macht sie sich erst einmal mit allem vertraut, wenn man es denn so nennen kann.

Der Leser merkt gleich, dass er mit Anais keine normale Protagonistin hat, sondern eine, welche viel erlebt hat und viel einstecken musste. Sie misstraut allem und jedem und hat es immer wieder vom Experiment. Man ist sich anfangs nicht klar, ob das nur in ihrem Kopf existiert oder ob es wirklich existent ist. Durch den Drogenkonsum und ihre schwere Kindheit ist sie auch etwas zurückgezogen und um es schlicht zu sagen, durcheinander. Sie schweift oft ab von ihren Gedanken und sieht Dinge, die es nicht gibt. Sie stellt sich allerlei vor, z.B. wie und wo sie geboren ist und wie sie entstand. Oder wie das Experiment sie erschaffen hat. Ihre Aussprache ist gossenslangartig und man braucht einige Zeilen, um sich an das zu gewöhnen.

Der Schreibstil der Autorin leitet dazu, Zeile um Zeile zu lesen, auch wenn die Schrift recht klein ist in diesem Buch. Man fragt sich, was alles auf Anais zukommt und was am Experiment wahr ist oder nicht. Irgendetwas mystisches und geheimes umgibt die ganze Aura des Buches – auf dem Panoptikum geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Oder strahlt es von Anais aus? Man ist auf jeden Fall gespannt, wie die Geschichte weiter läuft.

Anais ist dem Leser (so ging es mir auf jeden Fall) eher fern, man bekommt keinen rechten Anschluss zu ihr. Manchmal neigt sie dazu, nett zu sein und sich aufzuraffen. Andererseits bleibt sie auf ihrer „assozialen“ Linie stecken und hat diese Gleichgültigkeit. Man könnte fast sagen, in diesem Mädchen stecken zwei Personen. Es ist aber kaum verwunderlich, dass sie so verwirrt und durchgeknallt ist, nach ihrer Vergangenheit zu urteilen. Ihr Betreuer Angus, welcher anfangs recht sympathisch wirkt, ist ihr dabei auch keine große Hilfe, auch wenn er ihr helfen will. Selber hat er auch ein Päckchen zu tragen, welches ihn nicht unbedingt zum besten Betreuer macht.

Es gibt viele Szenen, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zum Beispiel auch, wie das Gericht mit Anais umgeht. Anstatt einer verlorenen Jugendlichen zu helfen, triezen sie sie noch mehr. Ich denke, die Autorin will uns mit ihrem Werk die Augen öffnen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Man wiegt sich in Sicherheit durch die Autorität der Öffentlichkeit, des Staates und dergleichen. Doch hinter unserem Rücken passiert hier so einiges, was nicht rechtens ist. Auch, dass wir es so gut haben im Gegensatz zu anderen – man siehe Anais, ist wohl auch ein großer Stützpunkt in diesem Roman. Man merkt, dass die Autorin sich damit und mit anderen komplexen Themen auseinander gesetzt hat und hier einen Roman mit Tiefgründigkeit geschaffen hat.

Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch aber nicht großartig überzeugen, da hier die schlechte Redensart der Protagonistin vieles kaputt macht – vielleicht bin ich auch zu alt, aber der „Gossenslang“ macht hier viele Situationen kaputt. Auch dass hier viele Situationen, welche wichtig gewesen wären für den Verlauf, so kompliziert beschrieben werden, macht einem das Lesen nicht leicht. Meines Erachtens wurden hier auch viele Fragen ungeklärt gelassen, gerade am Ende. Das kam dann so unerwartet und unglaubwürdig hervor, das ist echt schade!

Es ist eine erschütternde Geschichte, die einem im Gedächtnis haften sollte, über die man ernsthaft nachdenken sollte. Jedoch sind die abschweifenden Gedanken sowie unrealistische und schnell wechselnde Szenen nicht gerade fördernd, die ganze Geschichte wirkt sogar etwas überzogen.

Ein Pluspunkt ist aber das Cover – es ist so schön ausgearbeitet, bunt und doch uni – es erinnert etwas an Ed Hardy. Einzig die Pillen vorne drauf stören etwas, da dies etwas verharmlost wird – sollte man wohl nicht so eng sehen, da es im Gesamten ja auch um Drogen geht.

Diejenigen, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen durch den wirklich derbe Sprache der Charaktere, werden sich an dieser Lektüre nicht satt lesen können und werden in einen tiefgründigen (aber verwirrenden) Sog gezogen. Für mich war es leider etwas too much und zuviel des Guten von allem!

2 von 5 Punkten

Gavin Extence – Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat posted by on 28. März 2014

Ungewöhnliche Freundschaften – es gibt sie! Komische Zufälle und eigenartige Vorkommnisse – es gibt auch diese! In seinem Roman „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ beschreibt der Autor das Leben des jungen Alex, in dem es zuerst nicht sehr gut zugeht. Wie das Schicksal spielt und was wir daraus machen – darüber handelt die Geschichte.

Autor: Gavin Extence
Titel: Das unerhörte Leben des Alex Wood oder warum das Universum keinen Plan hat
Genre: Belletristik, Drama, Unterhaltung
Verlag: Limes
Erscheinungsdatum: 03.03.2014
Gebunden: 480 Seiten
Preis: 19,99 €

Alex ist ein Junge von 10 Jahren, der weiß, dass er nicht gerade den tollsten Start ins Leben hatte. Er hat auch eine etwas durchgeknallte Mutter, die hellseherisch begabt ist und ihm öfters das Leben schwer macht – daher auch die Unbeliebtheit bei seinen Mitschülern. Er weiß auch, dass viel unwahrscheinliches passieren kann, denn er trägt Narben davon. Als er von einem Meteoriten getroffen wird, ändert sich sein Leben schlagartig und das nicht zum Guten, wie es sich erstmals zeigt. Doch alles kommt anders, als er den eigenartigen Mr. Peterson kennenlernt. Er findet in ihm einen ungleichen Freund – vom Alter und auch von seinen Ansichten. Mr. Peterson macht ihm klar, dass man nur ein Leben hat und man die bestmöglichsten Entscheidungen treffen soll daher. Alex ist sich auch noch sicher daher 7 Jahre später, dass er das Richtige getan hat – auch als er mit 113 Gramm Mariuhana und einer Urne Asche an der Grenze zu Dover angehalten wird…

Das erste was man liest, ist wie Alex vom Zoll festgehalten wird. Er verhält sich eigenartig und schleppt eine Menge Drogen mit sich mit. Aus irgendeinem Grund ist Alex überall bekannt, weltweit und jeder weiß, wer er ist. Was es damit auf sich hat, erklärt der Autor in den kommenden Kapiteln – denn Alex ist eine Menge widerfahren, was für uns undenkbar ist.

So wie der Autor erzählt, fühlt sich der Leser sofort in der Geschichte eingestampft – man ist sofort gefangen von dem ganzen Geschehen. Dem Roman haftet durchweg etwas melancholisches an, jedoch ist auch eine gewisse Portion Humor versteckt. Auf die Seite Alex´schlägt man sich sofort, denn er ist ein sehr wissbegieriger und lernfähriger Junge, der nur gute Absichten hat. Man schließt ihn umgehend ins Herz und begleitet ihn gerne auf seinen Wegen. Man könnte meinen, er ist durch seine Denkweise einiges älter als in der Geschichte dargestellt. Anfangs ist er 17 Jahre alt, als man ihn kennenlernt, doch im Verlauf der Geschichte ist er ja um einiges jünger, als die Geschichte erzählt wird. Auch hier hat man einen reiferen Jungen vor Augen, als er es zu sein hat in seinem Alter. Der Junge hat einfach vieles durchgemacht und wurde hiervon geprägt.

Auch seine Mutter ist ein Unikat, durch sie hat er es noch schwerer. Sie erdrückt ihn etwas mit ihrer Sorge, macht ihn sogar durch ihren Beruf und ihren Ansichten unbeliebt in seiner Umgebung. Natürlich meint sie es nur gut, nur packt sie es nicht bestens an. Alex dagegen nimmt sie nicht immer ernst, verliert sich in seiner Sache und geht mit jeder Sache ins Detail. Es wird dadurch aber keineswegs langatmig oder langweilig, man lauscht gerne seinen ungewöhnlichen Erklärungen und höchst interessanten Gedankengängen, die doch sehr ungewöhnlich sind für einen Jungen in seinem Alter.

Der Junge hat wirklich viel erlebt für so ein junges Alter, er hat ein großes Gewicht auf seinen Schultern. Umso verwunderlicher und auch schön zu lesen ist es, wie er das Leben nimmt – so aufgeschlossen und für alles offen. Seine Krankheit, die Epilepsie, macht ihm das nicht leichter, aber es ist echt großartig, wie er alles nimmt wie es kommt und was er daraus macht. Man kommt in dieser Geschichte gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, was den jungen Freund ausmacht, so einem möchte man gerne einmal begegnen.

Der Roman ist nicht nur so sensationell wie die anderen Rezensionen sagen, er ist noch viel viel besser und rührt einen direkt da am Herzen, wo man nicht hinkommt. Man kann sich hier in der Tat von den vielen guten Meinungen mitziehen lassen und sich selbst ein Bild von diesem einzigartigen Roman machen. Ich würde hier gerne viele Stellen zitieren, aber ich fürchte, ich müsste dann das ganze Buch zitieren und das darf man nicht =)

Dies ist eine wunderbare Geschichte über eine außergewöhnliche aber schöne Freundschaft zwischen Jung und Alt, es ist ein Abtauchen in eine andere Atmosphäre. Ein tiefgründiges Erlebnis, das einen zum Nachdenken anregt – ein Ende, das zwar das eine oder andere Tränchen hervorruft, dennoch den Leser auch mit einem Lächeln zurücklässt. Von mir eine klare Leseempfehlung, für mich wurde das Buch eines meiner höchsten Tops!

5 von 5 Punkten

Elif Shafak – Ehre posted by on 26. Februar 2014

Ehre – ein hohes Wort in den südöstlichen Gebieten. Eine Frau hat diese schneller beschmutzt als ein Mann, sie hat sie zu wahren. Gleichnamiger Roman von Elif Shafak handelt von einer Kurdin, die von Istanbul mit ihrem Mann und ihrem Sohn nach London zieht. Wie sie mit den verschiedenen Kulturen klarkommt, schildert die Autorin in diesem Roman.

Autor: Elif Shafak
Titel: Ehre
Genre: Drama, Unterhaltung
Verlag: Kein & Aber
Erscheinungsdatum: 01.02.2014
Gebunden: 528 Seiten
Preis: 24,90 €
bereitgestellt durch BdB

Pembe heiratet früh, mit 17 gebärt sie ihren ersten Sohn. In London erhofft sie sich mit ihrem Mann Adem und ihrem Sohn Iskender ein erfülltes Leben. Doch auch hier ist es nicht besser – es zerreisst ihre Familie und auch ihre ursprüngliche Kultur. Da lernt sie Elias kennen, durch ihn lebt sie wieder und lernt neue Seiten an sich kennen und sieht die Welt mit anderen Augen. Elia zeigt ihr neue Horizonte, sie teilen viele Gemeinsamkeiten, so auch die Liebe zum Kochen. Pembes Zwillingsschwester Jamila riecht, dass das nicht gut gehen kann und reist kurzerhand ihrer Schwester hinterher nach London.

Man merkt gleich schon, dass die Autorin aus dieser Kultur entstammt. Das ganze Wissen hierüber hat niemand unbedingt, der sich nicht sehr intensiv damit befasst oder selber damit aufgewachsen ist. Anders als gedacht, ist der Einstieg in den Roman sehr leicht und man fühlt sich sofort „daheim“. Man kann sich sehr genau in Pembe hineindenken, als Kind schon und auch später als Frau.

Angefangen wird der Roman nicht etwa mit der Protagonistin, sondern in der Zukunft mit ihrer Tochter. Man erfährt hier bereits, dass Pembe mittlerweile tot ist und ihr Sohn Iskender, Esmes Bruder, in Haft sitzt. Als diese ihn aus der Haft abholt, da er die Strafe abgesessen hat, endet das Kapitel und Pembes Leben beginnt.

Anders als andere Kinder aus diesen Gefilden erlebt Pembe eine schöne Kindheit in ärmeren Verhältnissen. Ihre Mutter ist zwar ein Drache, der sie auch nach dem Tod noch als vermeintlicher Geist verfolgt – ihr Vater aber ist ihr ein und alles und liebt seine Töchter abgöttisch. Er ist hier derjenige, der eher nachgibt als die Mutter.

Doch jeder in dieser Geschichte hat sein Päckchen zu schleppen. Pembe ist diejenige, die ihrem Herzen folgt, ihrer Leidenschaft. Sie packt einfach alles zusammen und reist ab in ein fernes Land mit ihrer Familie. Ihre Zwillingsschwester Jamila ist hier das genaue Gegenteil, leidenschaftslos weilt sie ein einsames Leben als Hebamme auf dem Land und würde das jahrelang weiterführen, wenn auch nicht glücklich. Sie ist gebannt an die Macht der Gewohnheit. Adem, Pembes Ehemann, ist geplat durch die Spielsucht. Man merkt ihm gleich an, dass er immer an sich selbst zweifelt und in Erinnerungen schwelgt, die nicht sehr schön waren. Alle haben sie etwas gemeinsam – jeder auf seine Weise ist irgendwie einsam, wenn sie auch sich gegenseitig haben. Das ist nicht das gleiche und es macht sie auch nicht glücklich. Auf den Leser machen diese Personen den Eindruck, als würden sie zwanghaft nach dem Glück streben und doch nur über Steine stolpern.

Über die Kinder erfährt man nur halb so viel wie über ihre Eltern. Man erfährt aber trotzdem, dass auch diese kein leichtes Leben haben. Sie müssen sich mit ihrem Gewissen, der Liebe zu Eltern und ihrer eigenen Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit auseinandersetzen.

Das Buch nimmt den Leser schon ab der ersten Seite mit, es ist sehr gefühlvoll und mit Stil geschrieben. Die Autorin weiß genau, wie sie den Leser erreicht. Es ist eine Geschichte über Liebe und Verrat, Familie und Zusammenhalt und der Zusammenprall von Kultur auf Kultur.

Hier treffen Kulturen aufeinander und sie können verschiedener nicht sein. Man fühlt mit jeder der Personen mit, ist auf jede wütend und durchlebt ein wahres Bad der Gefühle beim Lesen. Ein zauberhafter Roman, der einen in die Welt der fremdartigen Kulturen entführt, die erschreckend aber auch sehr liebevoll sein können. Erschreckend und entsetzlich in unserer Welt, kommt sie uns zu Ohren – in der Tat aber nicht abwegig, so etwas passiert mehr als man denkt.

Frau Shafak schreibt so gefühlvoll und detailliert, dass man nicht anders kann, als den Worten zu folgen. Hat sie es am Ende selbst erlebt? Denn so erscheint es einem! Wer einmal in eine andere Kultur abtauchen möchte, erfahren möchte, wieviel so anders ist als bei uns – der ist hier genau richtig! Eine herzzerreissende Geschichte in einer anderen Welt bzw. anderer Kultur! Mein letztes Buch von ihr war es mit Sicherheit nicht.

5 von 5 Punkten

Anna Seidl – Es wird keine Helden geben posted by on 19. Januar 2014

Ein Amoklauf ist so ziemlich das Schlimmste, was an einer Schule passieren kann. Doch haben wir uns einmal gefragt, wie es denjenigen danach geht, die das überlebt haben? Keiner redet über diese Personen, nur über die Opfer und den Täter. Was machen die Leute, die das zu verarbeiten haben? Ist das überhaupt möglich, so etwas aus dem Gedächtnis herauszulöschen? Die Autorin Anna Seidl, die das Buch bereits mit 16 Jahren (!) geschrieben hat, beschreibt genau so ein Szenario einer Überlebenden, die ihren Freund dabei verloren hat.

Autor: Anna Seidl
Titel: Es wird keine Helden geben
Verlag: Oetinger
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 20.01.2014
Gebunden: 256 Seiten
Preis: 14,95 €

Miriam hätte beinahe verschlafen – aber nur beinahe, da ihr Freund ihr eine SMS gesendet hatte, dass Montag ist. Kurz nachdem es zur Pause geläutet hat in ihrer Schule, bricht das Chaos los. Sie und ihre beste Freundin hören Schüsse und verschwinden auf die Jungentoilette. Sie haben Glück und überleben die Tragödie – Miriams Freund Tobi aber leider nicht. Miriam fragt sich derweil, ob das Leben ohne Tobi und mit den ganzen Alpträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Wer war Schuld an der Katastrophe?

 Die Autorin beschreibt am Anfang gar keine große Einführung, man ist direkt mitten im Geschehen – und das so, dass man sich kaum losreissen mag. So traurig das Thema auch ist, so fesselnd ist der Schreibstil der Autorin Anna Seidl.

 Man könnte die Protagonistin jetzt als gefühlskalt hinstellen, aber seien wir mal ehrlich – würden wir in erster Linie nicht auch erst an uns selbst denken, wenn unser Leben in Gefahr ist? Alle sagen immer, sie würden den Opfern helfen, keine Frage. Was aber, wenn sie nicht darüber reden sondern wirklich selbst einmal in solch einer Situation sind? Meiner Meinung nach, wird man sich da keine große Gedanken um alles andere machen, sondern die Angst um das eigene Überleben siegt. Gesagt sind Dinge immer leicht.

 Miriam verfällt nach dieser Tragödie in eine apathische Stimmung und ihr ist alles egal, es entsteht eine große Gleichgültigkeit. Man kann es ihr nicht ganz verdenken, denn um so etwas zu verarbeiten, benötigt es wohl große Kraft. Wenn sie Schmerz verspürt, hält sie das „am Leben“. Man merkt sofort, dass sie sich große Schuldgefühle macht – ist das eine normale Wendung nach so einem Erlebnis oder individuell? Vermutlich hat so etwas auch mit dem eigenen Charakter zu tun, spurlos geht so etwas aber mit Sicherheit an keinem vorüber.

Der Roman macht deutlich, wie schrecklich so etwas ist und lässt einen darüber nachdenken. Wenn einem selber so etwas noch nie passiert ist, macht man sich kaum groß Gedanken darüber. Klar, man liest darüber und ist schockiert, irgendwann verschwindet das aber wieder aus dem Gedächtnis. Ganz anders bei den Betroffenen – wie gehen diese damit um? Das Buch regt zum Nachdenken in diese Richtung an und versetzt einem ganz neue Denkanstöße. Man ist sich gleich noch einmals bewusst, wie schnell sich alles schlagartig ändern kann, von einer Minute auf die andere.

Das Buch an sich ist leicht zu lesen, es ist aber keineswegs eine leichte Lektüre. Sie reisst mit, regt einen zum Nachdenken an und von den mitfühlenden Gedanken ganz zu schweigen. Beim Lesen kommt man sich fast vor, als wäre man selbst mittendrin.

Es geht hier nicht um den Amoklauf an sich, dieser ist schnell „abgehandelt“, gleich am Anfang. Vielmehr geht es hierum, wie die zurückgebliebenen Opfer bzw. Überlebenden damit umgehen, wie sie weiterleben. Es geht um die Schuldgefühle gegenüber dem Täter, was er gemacht hat und ob man es verhindern hätte können. Besonders auf die Gedanken der Protagonistin wird hier eingegangen, denn auch sie war nicht nett zum Täter. Man sieht ihn in einem anderem Licht, er tut selbst dem Leser leid. Er hat vieles durchmachen müssen, viele Gemeinheiten – was einmal gesagt wurde, kann man nicht zurücknehmen und brennt sich bei dem Betroffenen ein. Wie man in den Medien erkennen kann, sehen viele hier keinen Ausweg mehr, außer sich das Leben zu nehmen. Wie in mittlerweile vielen Fällen, nehmen sie hier gleich noch andere mit in den Tod, zahlen ihnen die Gemeinheiten heim.

  Das ganze Buch über war mir persönlich die Protagonistin nicht ganz so sympathisch. Klar, sie ist ein normaler Teenager, die von einem Tag in den nächsten Leben und sich nicht so viel Gedanken um das Gesagte und Getane machen. Dennoch hat sie einen Charakterzug, der mir nicht so gut gefällt – trotzdem tut sie einem leid und man bewundert sie doch sehr für ihre Stärke, die hinter der eigentlichen Schwäche liegt. Sie wird durch die ganze Tat reifer und handelt überlegter, macht sich Gedanken, wie sie sich ändern und auch anderes ändern kann.

 Durch sie beobachtet der Leser, durch sie erhält er Einblick in eine graue, kalte Welt – in der nichts mehr so ist, wie es zuvor war. Wie würden wir selber damit leben? Würden wir auch ein Leben lang mit Schuldgefühlen herumrennen und uns fragen, wie man das hätte verhindern können? Kann man so etwas überhaupt? Meiner Meinung nach nicht, die Dinge gehen ihren Lauf. Man kann bewusster mit Dingen umgehen und vorher überlegen, was man sagt und vor allem wie man es sagt – einen kleinen Einfluss hat man hierauf dann doch.

 Die Autorin hat zwischendurch immer wieder Rückblenden in glücklichere Zeiten der Protagonistin eingebaut. Hier merkt man deutlich, wie jung diese doch erst ist. Es zeig ein ganz normales Leben einer Teenagerin, welches durch das Ereignis total aus den Fugen geraten ist. Was mich etwas verwirrt hat, waren die Eltern der Protagonistin bzw. wie sie diese genannt hat. Der Roman spielt weder in Amerika noch sind die Charaktere oder die Autorin Amerikaner, und doch nennt die Protagonistin ihre Eltern Mom und Dad. Stört aber nicht!

 Am Ende lässt das Geschriebene einen nachdenklich, betroffen und mitfühlend zurück. Es ist wirklich sehr imponierend, was die nun heute 18jährige Autorin mit 16 Jahren auf die Beine gestellt hat – ein großes Lob an ihr schriftstellerisches Können an dieser Stelle!

 Wer also gern etwas nachdenkliches, tiefgründiges mit aktuellem Thema liest und sich nicht vom Thema Amoklauf abschrecken lässt, ist hier an der richtigen Stelle. Aber vorsichtig – es könnten einige Tränen kullern!

4 von 5 Punkten