[Hörbuch] Shelle Sumners – Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde posted by on 21. April 2013

Ein Jeder träumt vom Glück seines Lebens – ja, seiner Liebe des Lebens. Wieso rennen die meisten davor weg, wenn man doch davon träumt? Es könnte ja nicht schöner sein, als wenn alles klappt. Auch in der Geschichte von Shelle Sumners geht die Protagonistin Grace der Liebe aus dem Weg, sie möchte sie nicht wahr werden lassen. Vor was hat sie Angst?

Autor: Shelle Sumners
Titel: Wie Tyler Wilkie mein Leben auf den Kopf stellt und was ich dagegen tun werde
Genre: Unterhaltung
Verlag: Argon Hörbuch
Erscheinungsdatum: 21.02.2013
Hörbuch: 5 CDs, 6 Stunden, 10 Minuten
Preis: 19,95 €
bereitgestellt durch BdB

Grace hat einen sicheren Plan für ihr Leben. Doch dann lernt sie Tyler kennen – der nette Dogsitter von nebenan. Ab da ändert sich alles für sie – und für ihn! Er bringt alles durcheinander, schreibt umwerfend schöne Songs – über sie und für sie.

Grace ist einem gleich sympathisch, ist sie doch nicht so abartig anders als normale Mädchen. Auch Tyler begegnen wir gleich zu Anfang. Grace scheint ihn hier noch nicht so sehr zu mögen, er stellt sich etwas tolpatschig und schüchtern an. Durch einen Zufall lernen die zwei sich hier kennen, als sie auf dem Sprung ist.

Auch der Humor kommt in dieser Geschichte nicht zu kurz, sowie auch Charaktere, die man nicht mögen kann durch ihre komische Art. In der Geschichte geht es aber hauptsächlich um Grace und ihr Leben, die Begegnung mit Tyler und wie es um sie weitergeht. In dem Hörbuch zieht es den Leser sofort mit hinein, man vergisst alles rund herum und fühlt sich sogar, als wäre man Grace selber. Man kann sich richtig in sie hineindenken und ertappt sich dabei, wie man zeitweise nickt und ihr zustimmt.

Wie es der Zufall will, begegnen sich Grace und Tyler immer wieder. Es scheint ihr Schicksal zu sein, dass sie sich ständig über den Weg laufen – sie müssen einfach zusammengehören. Tyler kommt durch die Stimme der Sprecherin ziemlich jung herüber, jünger als er ist. Dies tut der Geschichte aber keinen Abbruch, man fiebert dem Augenblick entgegen, wann die zwei erkennen, dass sie zueinander gehören. Grace hat zwar schon einen Freund, fühlt sich aber zu Tyler sehr hingezogen. Der Leser kann es kaum abwarten, bis es zum große Crash kommt – denn irgendwann muss es ja einmal krachen, wenn sie schon vergeben ist und sich indessen in einen anderen verschaut.

Die Story um Grace entlockt dem Leser des Öfteren ein Lächeln, die lustigen Situationen zwischen Grace und Tyler, wie sie sich langsam näher kommen. Graces Freund Steven kann einem fast leid tun, wenn man merkt, dass sie sich entfremden und Grace Tyler näherkommt – die Geschichte die sich zwischen den beiden entwickelt ist aber zu schön, um sich dessen lange bewusst zu sein.

Eigentlich hat Grace ja alles mit Steven, dem erfolgreichen Patentanwalt. Wieso fühlt sie sich hier einem so unbedeutenden Musiker und Dogsitter wie Tyler hingezogen? Es ist fast wie die Lovestory schlechthin, man hat ständig einen Film vor Augen, es spielt sich alles sehr real im Kopf ab. Das Kopfkino ist hier echt die ganze Zeit in HD am Werk. Man versinkt richtig darin und merkt gar nicht, wie die Zeit rumgeht. Die Autorin hat mit dieser Geschichte eine wunderbare, liebevolle Protagonistin geschaffen, bei welcher man gar nicht anders kann, als sie zu mögen und sie liebend gern auf ihrem Weg zu begleiten. Es ist so wunderbar alltäglich und doch so anders, einfach wunderschön beschrieben von der Autorin. Die Worte und Handlungen hat sie hier mit sehr viel Bedacht ausgewählt und genau passend für diese Geschichte, sie dürften gar nicht anders sein.

Das Knistern zwischen den beiden ist fast greifbar, der Leser meint bald, es selbst zu fühlen. Die Sprecherin bringt die Spannung zwischen den beiden genau herüber – sie liest gefühlvoll und man merkt auch direkt, wer da gerade spricht. Sie hat eine angenehme Tonlage und eine gute Stimme für das Vorlesen. Mit der genau passenden Stimme geleitet sie den Leser durch die tolle Atmosphäre des Heranfühlens der beiden. Man fiebert nur gespannt darauf hin, wann es endlich zu einem ganz bestimmten Augenblick zwischen Grace und Tyler kommt. Sie sind immer kurz davor – doch Grace macht immer wieder einen Rückzieher, wäre hier doch nur nicht noch Steven.

Die Geschichte rund um die zwei ist zwar vorhersehbar, lädt den Leser aber zum Träumen ein und lässt ihn einige Stunden dahinschmelzen. Auch wenn man die beiden Charaktere einige Male heftig durchschütteln möchte und auch des Öfteren den Kopf über diese beiden schüttelt, hat man sie doch sehr ins Herz geschlossen und lacht und weint mit ihnen.

Eine durchaus gelungene Liebesgeschichte, die zum Träumen verleitet und noch lange einen Nachhall in den Gedanken hinterlässt – empfehlenswert für all diejenigen, die sich einmal in Ruhe dahintreiben lassen möchten, als Hörbuch von der gut betonten vorgelesenen Stimme der Sprecherin bildlich dargestellt! Ein absolutes Muss für liebesdürftige Leser/Hörer!

5 von 5 Punkten

[Hörbuch] Jodi Picoult – 19 Minuten posted by on 28. August 2012

Jeder ist immer entsetzt über einen Amoklauf, der Täter wird auch sogleich an den Pranger gestellt. Doch was geht im Kopf dieses Täters vor, was lässt so einen derartig ausrasten? Und was, wenn die einzige Zeugin die Erinnerung verliert – ist das am Ende gar gut? Mit diesem Thema setzt sich die Autorin Jodi Picoult in ihrem Roman „19 Minuten“ auseinander und versucht, den Lesern die Gefühle der Mitwirkenden näher zu bringen… 

19 Minuten nur dauert der Amoklauf Peter Houghtons an seiner Highschool. Er rächt sich für alle Hänseleien, Verspottungen in seinem verhassten Leben, einige werden von ihm umgebracht. Doch Josie überlebt – kann sich aber an nichts mehr erinnern. Jeder aus dem Leben drum herum erzählt in dieser traurigen Geschichte seine Blickwinkel, sei es Josie, Peter selbst, seine Mutter und Josies Mutter…

Bei dem Hörbuch hat jede Sicht der verschiedenen Personen auch verschiedene Leser, was sich sehr positiv auf das Hören auswirkt. Vorgelesen wird auch wirklich gut betont, durch die gut gewählten Stimmen kann man sich sehr schön in die jeweiligen Charaktere hineinversetzen.

Die Autorin geht sehr auf die Gefühlswelt der Protagonisten ein, die sich automatisch auch in den Leser einbrennen, man fühlt sich, als wäre man reell dabei. Zwischenzeitlich wird von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit gewechselt, hier erkennt man wie alles zueinander zusammenpasst. Josie und Peter kannten sich schon ewig, er hat ihr Leben verschont, wieso? Aus der ganzen Geschichte wird dies immer deutlicher, wie das alles zusammenhängt. Eigentlich sollte man Hass auf einen Amokläufer empfinden, die Autorin schafft es aber, dass man eher mit diesem mitfühlt. Man fragt sich, wie man selbst reagiert hätte, wäre man an seiner Stelle. Es führt einen wieder vor Augen, dass man immer nur das wahrnimmt, was andere über etwas sagen – jedoch nicht den wahren Hintergrund. Die Autorin hat gut recherchiert über das Thema und es kommt einem vor, als hätte sie evtl. selbst schon so etwas ähnliches durchgemacht. Sie übermittelt das Psychogramm des Täters sehr haargenau und die Gefühle der Charaktere kommen auch sehr real hinüber, was einen nachdenklich stimmt.
Die Autorin stellt die Persönlichkeiten Peters und Josis gegenüber, wie verschieden sie sind und doch irgendwie gleich im Denken. Josie versucht krampfhaft beliebt zu sein, um nicht ausgestoßen zu werden und achtet darauf, ja keinen falschen Schritt zu tun, um nicht als Aussenseiter zu gelten. Peter ist dies schon, aber im Gegensatz zu Josie verstellt er sich nicht, dass andere ihn gern haben so wie er nicht ist. Josie dagegen rennt mit dieser ständigen Angst herum und merkt „wie zerbrechlich Beliebtheit“ ist und ächtet Peter deswegen sogar, womit dieser zu kämpfen hat. Sie geht ihm aus dem Weg und redet nicht mehr mit ihm, weil er ein Aussenseiter ist. So ticken die Menschen, nur um dazuzugehören und nicht als derjenige zu gelten, der ausgelacht wird. Wir merken gar nicht, wie das auf andere wirkt und was es mit denjenigen wie Peter anstellt, wenn ihnen solches Verhalten gegenüber angebracht wird.
Josie sowie Peter sind sich beide sehr ähnlich, beide im Prinzip gebrochene Personen – jeder auf seine Art. Nur gehen beide jeweils anders damit um, was die Autorin deutlich durch ihre Geschichte zeigt. Aber seien wir mal ehrlich – haben wir nicht alle schon einmal im Kopf einen persönlichen Amoklauf ausgefochten? Zum träumen und dies tatsächlich ausführen liegen allerdings Welten dazwischen. Wie verzweifelt muss man sein, dass man tatsächlich so etwas macht? Es ist zwar unverständlich, aber andererseits auch wieder sehr verständlich, wie die Verzweiflung eine Person dazu bekommen kann. Der Leser (Hörer) erlebt das Buch durch selber viele verschiedene Emotionen wie Hass, Mitleid und eine bodenlose Traurigkeit, wie es zu so etwas kommen kann, wie böse manche Menschen gegenüber anderen sein können.
Nach und nach lichtet sich das Geheimnis, was der Auslöser war – zuerst wird der Leser aber durch die Gefühle und Erlebnisse, wahrgenommen durch alle Charaktere, gelotst. Das Buch ist ein wahres Wechselbad der Gefühle, man versteht beide Seiten, wenn eine auch mit Sicherheit den falschen Weg gewählt hat. Einzig allein die Gerichtssaalszenen sind nicht so bildlich dargestellt, nicht schön detailgenau – trotzdem lässt es durchblicken, wie schwer es für die Beteiligten ist, dort zu sitzen und zu erzählen.

Ein Buch mit viel Gefühl, das man nicht einfach mal so lesen/hören kann, eines das viel tiefgreifender geht und das man sich zu Herzen nimmt. Es wühlt einen auf, lässt die verschiedensten Gefühle durch einen fluten und lässt den Leser etwas nachdenklich zurück – vieles überdenkt man nun erst einmal in anderen Perspektiven. Absolute Kaufempfehlung von mir!

5 von 5 Punkten