Interview mit Gabriele Wohlrab posted by on 18. Dezember 2013

Es ist lange her, dass ich ein Interview führen durfte mit einer Autorin. Dieses Mal stand mir die liebe Autorin Gabriele Wohlrab des Romans „Eldorin: Das verborgene Land“ Rede und Antwort – und das hat sie ganz gut gemacht! Ich war sehr angetan von ihrem Buch, wagt euch doch auch und lest es, hierfür gibt es eine klare Leseempfehlung! =) Die Antworten auf meine Fragen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:gaby_kl

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Wie bist du denn auf die Idee von „Eldorin: Das verborgene Land“ gekommen? Und wie lange hast du gebraucht, diese umzusetzen?

Ich hatte schon immer viele Geschichten in meinem Kopf. Als meine Kinder klein waren, habe ich ihnen spontan erfundene Fortsetzungen ihrer Lieblingsbücher erzählt, so als würde ich sie vorlesen. Der erste Satz von Eldorin war plötzlich da. Völlig aus dem Nichts sah ich die Szene vor mir. Das passiert mir oft, aber diesmal wusste ich, dass mir diese Gedanken nicht entschlüpfen sollten. Also habe ich mich hingesetzt und angefangen, sie aufzuschreiben – ziemlich planlos. Nach ein, zwei Kapiteln hatte ich immer noch kein Konzept – keine empfehlenswerte Methode, ein Buch zu beginnen. Irgendwann fing ich an, die losen Fäden zu verknüpfen. Es machte eine Menge Arbeit, Struktur und Logik hineinzubringen. Ich habe diese Geschichte in der Urfassung bereits 2008 zu Papier gebracht, dann einige Jahre liegengelassen und 2012 mit der Überarbeitung begonnen. Danach brauchte ich etliche Monate, um sie mit Hilfe von Freunden zu lektorieren und zu korrigieren. Ich glaube, ich habe das Manuskript an die 40 mal auf bestimmte Fehler hin durchforstet. Welche Formulierung war unklar? Wo war welches Zeichen falsch gesetzt? Welche Wortwiederholungen gab es? Wie konnte ich den Stil verbessern?

Hast du irgendeine Routine dabei – Musik hören, einen bestimmten Platz…?

Ich arbeite grundsätzlich am Computer, da ich meine eigene Handschrift vermutlich nicht mehr entziffern könnte – besonders, wenn ich schnell schreibe. Mitunter wache ich nachts auf und mache mir Notizen. Am nächsten Morgen sitze ich dann haareraufend vor meinen Hieroglyphen. Bis vor Kurzem hatte ich das Arbeitszimmer meines Mannes annektiert (und erfolgreich verteidigt), weil da unser gemeinsamer Rechner stand. Dort arbeitete ich oft bis weit nach Mitternacht; mitunter so lange, dass ich die Sonne wieder aufgehen sah. Irgendwann fand Norbert den Zustand so untragbar, dass er kurzerhand einen eigenen Computer für mich bestellte, und wir richteten ein Zimmer für mich her. Es ist nun fast fertig renoviert und für mich der absolute Luxus. Wenn mir grad nach Musik ist, dann im Allgemeinen in der Endlosschleife, etwa Imagine Dragons mit Radioactive.

Fühlst du dich beim Schreiben sehr deinen Charakteren verbunden, nehmen sie langsam Form und Gestalt und einen wirklichen Charakter an?

Ja, sehr. In Maya beispielsweise steckt sehr viel von mir. Wenn man so lange und intensiv an einem Buch schreibt, werden die Figuren so real, dass ich nicht einmal zusammenzucken würde, wenn sie auf einmal neben mit stünden. Sie sind recht unterschiedlich angelegt; wenn sie in einer Szene miteinander sprechen, weiß ich genau, wer wie reagieren wird, ich muss gar nicht drüber nachdenken.

Wie war es für dich, als das Buch beendet war, der letzte Satz geschrieben?

Das Schwierige war nicht, den letzten Satz geschrieben zu haben, es wird ja eine Fortsetzung geben. Das eigentliche Problem war, einen Schlussstrich zu ziehen und zu sagen: Ich entschließe mich, mit dem Verbessern aufzuhören.

Du hast selbst einen Verlag gegründet – wie kam es dazu und ist dies ein langer Weg?

Ich bin damals sehr blauäugig an die Sache rangegangen. Ich hatte angenommen, dass mein bei verschiedenen Verlagen eingesandtes Manuskript zumindest gelesen und geprüft wird. Aber dem war nicht so. Man darf ja meist nur 2 Seiten bis 2 Kapitel hinschicken. Ich hatte einen Umschlag mit Rückporto beigelegt und erkannte genau, dass mein Teilmanuskript, das in einer sehr engen Klemmschiene steckte, in den allermeisten Fällen nicht angerührt worden war. Zufällig bekam ich vier Jahre später Kontakt zu zwei christlichen Verlagen. Die Lektoren lasen das Manuskript und waren (Zitat) „sehr gefesselt von Stil und Sprachvermögen“. Leider passte mein Fantasyroman so gar nicht ins Verlagsbild, außerdem war er auch noch umfangsbedingt sehr teuer in der Herstellung, und es wurde deswegen nichts daraus.

Geholfen hat mir der Kontakt dennoch: Ich hatte zwei professionelle, äußerst mutmachende Meinungen und beschloss, das Wagnis einzugehen, mein Buch selbst zu verlegen. Ich wusste, dass dies eine Unmenge Arbeit bedeuten würde. Ehrlich, ein Buch zu schreiben ist ein Bruchteil dessen, was da auf einen zukommt. Das kurioseste war die amerikanische Steuererklärung mit der Formulierung: „If you are an alien …“. Da ich Alien erst mal nicht mit „Ausländer“ assoziierte, lag ich vor Lachen am Boden.

Echt hilfreich war, dass ich als Grafiker das gesamte Buch selbst gestalten konnte.

Die Buchherstellung mit allem, was dazugehört, verschlingt etliche Tausend Euro. Nun, ich überlegte noch, ob ich das mit Crowdfunding finanzieren könnte, da kam jemand auf mich zu, der das Manuskript gelesen hatte und sehr begeistert davon war. Er meinte, es sei so unglaublich gut, dass es unbedingt veröffentlicht werden muss und schenkte mir 5000,- Euro. Ich saß erst mal heulend da und wusste nicht recht, ob ich das Geld nun annehmen sollte oder nicht. Ich habe dann darauf bestanden, es nur anzunehmen, wenn ich es auch zurückzahlen darf. Aber es ist ein gutes Gefühl, den Druck, erfolgreich sein zu müssen, los zu sein. Die größte Schwierigkeit ist, bekannt zu werden, da ein großer Verlag unendlich mehr Geld in Werbung stecken kann als ich. Die Qualität des Buches macht mir keine Sorgen – ich habe noch keine einzige negative Rezension gekriegt. (Das E-Book gibt es bereits seit Oktober.)

Was liest du selbst am liebsten für ein Genre, wer ist dein Lieblingsautor?

Ich lese tatsächlich sehr gerne Fantasy und eben auch Jugendbücher. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mir als Kind vorgenommen hatte, nie erwachsen zu werden? Ich weiß es nicht. Außerdem mag ich Krimis. Einen Lieblingsautor hab ich eigentlich keinen – ok, Harry Potter hab ich fünfmal gelesen. Ich glaube, ich liebe es so, weil ich einen sehr ähnlichen Humor habe. Leider habe ich mir selbst verboten, während ich im Schreibprozess stecke, Fantasy zu lesen. Ich hab echt Angst, dass sich da irgendeine Figur oder Idee in mein Herz schleicht und mich beeinflusst. So kenne ich momentan die aktuellen Bestseller im Jugendbuchbereich nur als Cover. Ich werde da einiges nachzuholen haben …

Bist du eher ein Freund von eBooks oder von Papierbüchern?

Ich bevorzuge eindeutig Papierbücher und wegen der Optik Hardcover. Nur die Krimis dürfen Paperback sein. Einen Reader besitze ich gar nicht. Ich hüte meine Schätze und bekomme Kreischanfälle, wenn jemand ein geliebtes Buch aus dem Regal zerrt und es aufgeschlagen auf den Tisch klatscht. Das geht gar nicht.

Was machst du denn, wenn du nicht schreibst? Wie sieht dein Alltag, deine Freizeit aus?

Ich versuche gerade verzweifelt, mich daran zu erinnern, wie es war, Freizeit gehabt zu haben … 😉 Nun, ich treffe mich gern mit Freunden. Falls ich mal keinen schreibkreativen Schub habe, kann es vorkommen, dass ich mich ebenso intensiv in die Malerei stürze. Dann wird jeder angeknurrt, der auf die Idee kommt, so etwas Überflüssiges wie Kochen von mir zu erwarten. Leider akzeptiert meine Familie Dosenfutter nur bedingt. Ich fotografiere leidenschaftlich gerne, und ich muss wohl – obwohl ich absolut nicht so aussehe – irgendein englisches Gen besitzen, denn ich liebe Gartengestaltung und Pferde.

Wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben?

Ich bin kommunikativ, spontan, hilfsbereit und sehr ehrlich. Mein Gerechtigkeitssinn bringt mich ab und zu in Schwierigkeiten, weil ich einfach nicht wegsehen und den Mund halten kann, auch wenn das mitunter klüger wäre.

Was möchtest du uns Lesern noch gerne sagen?

Hört nicht auf, mit einem guten Buch zu Träumen, aber verliert euch nicht darin. Erlebt eure eigene Geschichte in einem Leben voller besonderer Kapitel, die nur für euch bestimmt sind.

Ach ja, wer selbst auf die Idee kommt, ein Buch schreiben zu wollen (oder sonst noch irgendwelche Fragen an mich hat): Ihr dürft mich gerne über meine Erfahrungen ausquetschen und erreicht mich über meinen Blog: eldorin.blogspot.de

Vielen lieben Dank liebe Gabriele! Das waren echt sehr aufschlussreiche Antworten und mir hat es auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, mehr über dich zu erfahren! Ich hoffe, wir lesen bald wieder mehr von dir und Eldorin geht weiter! =)

Interview mit Emilia Licht posted by on 14. Juli 2013

Vor zwei Monaten habe ich Bekanntschaft gemacht mit dem Roman von Emilia Licht, welcher sich „Liebe auf leisen Sohlen“ nennt. Es war eine wunderbare Liebesgeschichte, wonach ich natürlich unbedingt wissen wollte, wer hinter dem Roman steckt. So durfte ich der Autorin ein paar neugierige Fragen stellen, die Antworten hierauf erhält ihr natürlich nun auch =) Die Autorin wuchs in einer brandenburgischen Kleinstadt auf und wurde im Jahre 1968 geboren. Auf der Schreibmaschine ihres Vaters tippte sie ihre ersten Geschichten – bis ihr erster Roman entstand, mit viel Liebe!

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Erst vor kurzem, vor ein paar Tagen, hat die Autorin ein neues Buch herausgebracht, welches sich erneut um die Liebe dreht – ein sehr schönes Thema, oder? Man darf gespannt sein, was in dieser Liebesgeschichte, „Von Mauern und Flammen“ passiert, welche sicher genauso schön ist wie die vorhergehende!

Jetzt will ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen – hier kommen die Antworten:

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Da kann ich leider keinen Zeitpunkt und keinen genauen Auslöser benennen. Ich weiß nicht, wann die Lust auf geschriebene Geschichten begonnen hat. Ich erinnere mich aber, dass ich schon als kleines Mädchen eifrig weiße Bögen Papier in die Reiseschreibmaschine meines Vaters gespannt und dann einfach mit Genuss die Tasten gedrückt habe. Ich konnte damals noch nicht lesen, aber mir gefielen die Muster, die auf dem Papier entstanden.

Später dann, so mit neun oder zehn Jahren habe ich angefangen, Tagebuch zu schreiben, dann kleine Geschichten, dann längere.

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten? Mit Musik oder ohne, am liebsten im Garten, einfach draußen oder doch lieber am PC im heimeligen Zimmer?

Durch den Umstand eines Brotjobs habe ich mir angewöhnt, unabhängig von äußeren Gegebenheiten zu schreiben. Es geht überall. Zu Hause am PC, unterwegs in Notizhefte, im Café, im Urlaub im Wohnmobil oder auf einem Schiff. Musik mag ich nicht so sehr als Hintergrundrauschen, merkwürdigerweise stören mich aber Gespräche um mich herum gar nicht. Das nehme ich dann nur als Murmeln war. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann schreibe ich meine Rohtexte von Hand in Ringbücher und tippe sie dann später auf meinem Laptop ab.

Liest du selbst mehr auf dem eReader oder normale Bücher? Und welches Genre, wer ist dein Lieblingsautor?

Inzwischen lese ich fast nur noch auf dem eReader, einfach weil ich ihn immer dabei habe. Die Frage nach dem bevorzugten Genre zu beantworten, fällt mir immer sehr schwer, da ich mich gern an Autoren orientiere, deren Schreibstil mich überzeugt. So habe ich zum Beispiel die historischen Romane von Titus Müller sehr gern gelesen. Aktuell hat er einen Spionage-Abenteuer-Roman am Start, der im 2. Weltkrieg spielt. Ich bin fasziniert.

Aber grundsätzlich darf es bei mir romantisch und abenteuerlich zugleich sein.

Was machst du sonst in deiner Freizeit außer Schreiben?

Das Schreiben von Romanen ist leider noch nicht mein Beruf, aber mein erklärtes Ziel. Deshalb schreibe ich in meiner Freizeit hauptsächlich, treibe aber auch etwas Sport. Und ich verreise gern mit meinem Mann.

In deinem Roman „Liebe auf leisen Sohlen“ geht es ja um Liebe – um alte Liebe, die wieder neu entfacht werden soll. Wie kamst du auf dieses Thema?

Ich bin ein sehr romantischer Mensch und ich mag es, wenn die Leute glücklich sind. Dazu gehört es allerdings, dass man sich seines Glückes bewusst ist. Gedankenlosigkeit und mangelnde Aufmerksamkeit führen oft zu ernsthaften Schwierigkeiten in einer Beziehung. Ich wollte aber nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeiten, sondern dem ganzen mit einem Augenzwinkern begegnen.

Ist die Protagonistin jemandem ähnlich, dem du kennst oder gar dir selbst oder aus der Fantasie entsprungen?

Josi ist praktisch ein Mosaik aus vielen verschiedenen Frauen.

Wie entwickelt sich eine Geschichte bei dir? Machst du dir Notizen oder schreibst du einfach drauf los?

Ich plane eine Geschichte komplett von Anfang bis Ende durch, bevor ich schreibe. Zumindest die wichtigsten Plotpunkte, die Konflikte, die Wendungen, die Auflösungen. Alles andere würde ich nicht zu Papier bringen können. Beim Schreiben der einzelnen Szenen genieße ich dann das Erwachen der Kreativität und ich probiere aus, was noch zur Story beitragen könnte.

Auch in deinem neuen Roman „Von Mauern und Flammen“ geht es um die Liebe. Welche Bedeutung hat das selbst für dich?

Liebe, Vertrauen und Verrat spielen meiner Meinung nach zentrale Rollen in unser aller Leben. Diese drei Dinge bewegen die Menschen, bewegen die Welt. Weil wir lieben, kämpfen wir. Und wer kämpft, kann gewinnen oder verlieren. Ich finde es immer wieder spannend.

Wie entstand dein neuer Roman? Magst du uns etwas über diesen erzählen?

Die Idee zu dem Roman entstand nach dem Brand in der berühmten Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im Jahr 2004. Mich hat diese Katastrophe damals sehr berührt, denn diese Bibliothek ist praktisch das kulturelle Gedächtnis Deutschlands. Da ich aber kein Historiker bin, sondern gern Romane schreibe, habe ich überlegt, wie ich dieses Ereignis in eine Liebesgeschichte einbinden kann.

Ein zweiter Aspekt war die Wende, der Mauerfall 1989 und seine Folgen. Ein einschneidendes Erlebnis, das noch zig Jahre nachwirkt. Somit habe ich nach zwei Menschen Ausschau gehalten, die sich innerhalb dieser Zeitspanne kennen und lieben lernen, aber eben nicht so einfach zufrieden und glücklich in den Sonnenuntergang reiten können. Der Titel „Von Mauern und Flammen“ beschreibt denn auch im übertragenen Sinne die äußeren und inneren Mauern und Flammen, denen die beiden jeweils gegenüberstehen.

An diesem Roman habe ich mit Unterbrechungen sechs Jahre gearbeitet und bin sehr gespannt, wie er meinen Leserinnen und Lesern gefällt. Ich darf noch erwähnen, dass zwei ganz wunderbare und kompetente Frauen das Lektorat übernommen haben. Das ist zum einen Diana Steinbrede, die u.a. für Thienemann, Rowohlt und Lübbe arbeitet. Und zum anderen Heike Brillmann-Ede, die inzwischen Programmleiterin bei Ueberreuter ist, und die zuvor ebenfalls als freie Lektorin für namhafte Verlage gearbeitet hat. Beide Damen haben tolle Arbeit geleistet. Dafür darf ich hier Danke! sagen.

Und zu guter Letzt: Was möchtest du uns Lesern einmal sagen? =)

Das ist eine gute Frage! In erster Linie möchte ich einfach allen Lesern die Daumen drücken, dass sie immer wieder Bücher finden, die sie berühren und lange begleiten. Denn das ist der Grund, warum wir Autoren uns jeden Tag und bei jedem neuen Roman so viel Mühe geben.

Vielen lieben Dank, liebe Emilia, für deine Zeit und die aufschlussreichen Antworten – es hat mir viel Spaß gemacht, diese zu lesen – und den Lesern sicher auch! =)

Interview mit Erik Kellen posted by on 17. Mai 2013

Letzten Monat habe ich das Buch „Gezeitenzauber“ von Erik Kellen lesen dürfen – und es hat mich echt begeistert, da muss ich auf jeden Fall auch den weiteren Teil lesen, der bald erscheinen wird.  Natürlich war ich daraufhin neugierig, wer sich hinter dem Autor versteckt und so musste er einige neugierige Fragen über sich ergehen lassen =)

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Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war schon immer eine Leseratte. Dank meiner Eltern habe ich auch schon früh Bücher gelesen. Mit dem Schreiben angefangen habe ich als Musiker. Ich war Sänger einer Band und habe die Texte geschrieben, aber auch schon vorher in der Schule waren meine Aufsätze berüchtigt. Später waren es Gedichte und Kurzgeschichten. Schließlich habe ich für meinen Neffen ein Kinderbuch verfasst. Danach ist das Schreiben zur Leidenschaft geworden. Erst sollte es ein Thriller werden, der in Hamburg spielt, doch dann entdeckte ich die Fantasy für mich. Da kann man mit nur einem Satz die ganze Welt aus den Angeln heben, das hat mir gefallen.

Wie kam die Idee zu deinem Roman „Gezeitenzauber“?

So abgedroschen es auch klingen mag, ich habe eine Szene aus dem Buch geträumt. Danach gab es kein Halten mehr.

Wie hast du diese umgesetzt? Gleich losgeschrieben oder erst einmal Stichpunkte gemacht, die Charaktere gezeichnet?

Als ich morgens aufwachte, verrauchten die Bilder nicht wie sonst, sondern blieben. Ich setzte mich an meinen Laptop und schrieb in einem Rutsch die ersten zwanzig Seiten. Alle waren sie bereits da: Nilah, Liran, Tok und natürlich Sunabru. Ich musste ihnen nur noch folgen auf ihrem abenteuerlichen Weg. Nach und nach ergaben sich auch die Hintergründe, aber eher intuitiv, als dass ich daran herumgebastelt hätte. Wie gesagt, alles war da, ich musste es nur noch ins rechte Licht rücken.

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Schreiben kann ich überall, solange man mich dabei halbwegs in Ruhe lässt. Aber am liebsten schreibe ich abends bis in die Nacht hinein. Dabei hilft mir eine beleuchtete Tastatur, so dass ich nur noch eine Kerze brennen lasse. Dann komme ich mir vor wie diese alten Geschichtenerzähler, die beim Licht einer alten Funzel die Feder ins Tintenfässchen tauchten und ihre Geschichten auf verblichenes Pergament bannten.

Außerdem suche ich für die wichtigen Szenen ein ganz bestimmtes Musikstück aus. Kopfhörer auf und das kann dann, solange die Szene eben dauert, locker vierzig Mal hintereinander das gleiche Lied sein.

Erzähle uns doch einmal etwas über dich, aus deinem Alltag, Leben! Was machst du in deiner Freizeit? Was in der Berufswelt?

Ich lese viel, das ist wohl der größte Teil meiner Freizeit, wenn ich nicht schreibe. Mit dabei ist aber immer ein Notizblock, denn dabei notiere ich mir jede Idee, die mir in den Kopf kommt.

Da ich zur Zeit ausschließlich schreibe, besteht der Tag aus Sekretärsarbeit wie Mails beantworten, Bloggern schreiben, Werbung versenden und und und. Damit ich wieder einen freien Kopf für meine Geschichten bekomme, laufe ich so etwa eine Stunde durch den Hamburger Stadtpark, meist um den See herum. Doch bräuchte ich eigentlich jemanden der mit Fahrrad, Zettel und Stift dabei ist, denn beim Laufen habe ich oft die besten Ideen.

Das nächste Ablenkungsmanöver besteht im Kochen, und man mag es glauben oder nicht, ich wasche den Krempel danach auch noch gern ab. Das ist sehr entspannend. Dann vielleicht noch eine Folge The Big Bang Theorie oder einen Film und Zack ist auch schon wieder Schreibzeit.

Also ein ziemlich langweiliges Dasein 🙂

 Welches Genre bevorzugst du selbst bei Büchern, wer sind deine Lieblingsautoren?

Ich lese fast alles. Historie, Thriller, Gesellschaft, Geschichte, Comics, aber seit einigen Jahren überwiegt doch die Fantasy. Da lese ich seit Jahren begeistert Joe Abercrombie, Patrick Rothfuss oder Michelle Pavers tolle Serie über die dunklen Wälder. Früher, und heute auch noch manchmal, Jules Verne, Edgar Alan Poe, Shakespeare und natürlich Herman Melvilles Moby Dick.

Magst du eher eBooks oder Bücher aus Papier, wie siehst du das Ganze?

Bisher bin ich noch ein echter Papier­fe­ti­schis­t. Aber ich sehe auch die Veränderungen, die längst auf einen Wandel hindeuten. Ich habe auch schon auf dem Kindle gelesen, aber noch gefällt mir so ne dicke Schwarte in der Hand besser.

Welches Gefühl hast du beim Abschluss einer Geschichte/eines Buches?

Das ist sehr unterschiedlich. Zum einen pure Freude, weil es vollendet ist. Ein wenig später ein Gefühl des Verlustes, weil etwas vorüber ist, beendet. Dann vermisse ich meine Figuren, als wäre es echte Freunde, die mal eben nach Neuseeland ausgewandert sind. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich wirklich loslassen kann. Aber sie werden immer ein Teil meiner Seele sein.

Hast du bereits ein neues Buch in Planung, über welches du uns etwas erzählen magst?

Ja, habe ich. Da vieles mit dem zweiten Band von GezeitenZauber nicht so gelaufen ist wie ich es geplant hatte, musste ich die Geschichte oft beiseite legen, denn es gab Verzögerungen, auf die ich keinen Einfluss nehmen konnte. Aber so ist das Leben. Zu meinem Schrecken passierte mir etwas , das jeder Autor fürchtet: Die weiße Seite. Ich saß davor und war wie abgeschnitten von meiner eigenen Geschichte, meiner Welt, die ich so gut kenne. Es war zum Haare raufen und echte Verzweiflung machte sich breit.

Also nahm ich eine Auszeit und nahm ein Projekt aus der Schublade, dass eigentlich erst später beginnen sollte. In dieser „neuen“ Umgebung ruckte der Schreibmotor wieder an, hustete ein paar Mal und ich schrieb in wenigen Monaten die neue Story nieder. Es ist der Beginn einer tollen, und wie ich finde, sehr außergewöhnlichen Reihe. Fantasy, Dystopie (alternative Zeitlinie) und sogar einigen Steampunk-Elementen. Der erste Band wird: DAS LIED VON ANEVAY & ROBERT heißen. Man kann Cover und Klappentext auf meiner Homepage finden.

Aber natürlich kommt SeelenZauber bald! Die Schwierigkeiten haben sich endlich aufgelöst und so wird es wohl im Sommer / Herbst endlich so weit sein. Dann werden Nilah und Liran in ein spannendes Finale schlittern, das so, glaube ich, noch nie geschrieben wurde. Es wir ein leidvoller Weg.

Was möchtest du am liebsten einmal an deine Leser loswerden oder an welche, die es noch werden? =)

Hm? Ich finde es einfach wunderbar, dass es trotz vierundzwanzigstündiger Dauerberieselung durch das Fernsehen noch so viele Menschen gibt, die gerne Geschichten lesen. Ohne sie wäre ich gar nichts.

Ich würde mir manchmal wünschen, dass Leser verstehen, wie viel Kraft, Energie und Herzblut in solch ein Projekt fließen. Als Autor möchte ich eine Geschichte abliefern, die ungewöhnlich ist, die verzaubert, die alle Leser auf eine Reise mitnimmt. Dass braucht vor allem Zeit. Ich möchte niemals zu jenen Schriftstellern gehören, die ein paar Ideen aus den Bestsellerlisten rupfen und nur ein paar Namen und Orte austauschen, oder die ein bekanntes Thema zum 300sten Mal, nun aber mit Strähnchen, verwenden. Nein! Ich will, dass meine Leser auf etwas treffen, dass sie so noch nie gelesen haben.

Lieber Erik – vielen Dank für deine Zeit, die Fragen zu beantworten und uns so einen Einblick hinter die Kulisse des Autors zu Gezeitenzauber werfen zu lassen!

Interview mit Heike Abidi posted by on 28. Februar 2013

Vor kurzem durfte ich wieder einer Leserunde bei lovelybooks beiwohnen – und zwar bei „Wahrheit wird völlig überbewertet“ von Heike Abidi. Dieser Roman hat mir dermaßen Lachtränen beschert und ein Dauergrinsen, dass ich doch unbedingt mehr über die Autorin erfahren musste. Kurzerhand hab ich sie also zu einem Interview für meinen Blog eingeladen – und hier ist es! =) Zusammen mit ihrem Co-Autor Luke hat sie mir bereitwillig die neugierigen Fragen beantwortet:

Foto Luke (Heike Abidis Hund)

Foto Heike Abidi

Wie kamst du zum Schreiben?

Das muss passiert sein, kurz nachdem ich lesen gelernt habe. Erste Schreibversuche startete ich schon mit acht Jahren. Damals wollte ich die jüngste Autorin der Welt werden. Na ja, das hat nicht ganz geklappt, aber besser spät als nie.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei dir aus? Erzähle uns etwas von dir!

Wie du schon sagst: ziemlich normal. Ich arbeite in meinem Homeoffice. Meistens beginne ich kurz vor 8 Uhr morgens – Feierabend ist frühestens um 17 Uhr, meist später. Im Hauptberuf bin ich freiberufliche Werbetexterin. An den Büchern arbeite ich zwischendurch, wenn die Auftragslage es erlaubt, oder abends. Zum Glück zwingt mich Luke, unser Hund, zwischendurch zu einer kleinen Pause, sonst säße ich den ganzen Tag nur am Schreibtisch! Die Spaziergänge durchlüften mein Gehirn und bringen oft die besten Ideen …

Wusstest du schon immer, dass du einmal ein Buch schreiben wirst?

Seit ich die Welt der Bücher für mich entdeckt habe: ja. Dass ich eins schreiben würde, auf jeden Fall. Aber nicht, dass ich es auch veröffentlichen würde. Das konnte ich nur hoffen.

Welches Genre liest du selbst am liebsten, wer sind deine Lieblingsschriftsteller?

Sehr unterschiedlich! Zunächst einmal liebe ich Krimis, vor allem humorvolle, wie die von Andreas Föhr, oder skandinavische. Ich bin großer Fan der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson und bedauere es sehr, dass sie nach deinem tragischen und viel zu frühen Tod nicht fortgesetzt wird. Daneben mag ich auch ins Absurde gehende Bücher mit richtig schrägem Humor. Dazu gehören die „Anhalter“-Romane von Douglas Adams ebenso wie die Romane des Finnen Arto Paasilinna (zum Beispiel „Der wunderbare Massenselbstmord“ oder „Der Sommer der lachenden Kühe). Und natürlich lese ich auch gerne gut erzählte Geschichten über Menschen und ihre Schicksale wie die Romane von Anne Tyler oder John Updike.

Hörst du Musik beim Schreiben oder welche Atmosphäre ist dir am liebsten?

Wenn ich plotte, ein Exposé schreibe oder den Ablauf einer Geschichte durchplane, brauche ich Ruhe. Beim eigentlichen Schreiben vertrage ich leichte Ablenkung nicht nur, ich finde sie sogar hilfreich. Am liebsten sitze ich dabei mit meinen Männern (Mann, Sohn, Hund) zusammen im Wohnzimmer vor dem Fernseher – idealerweise läuft Fußball. Dann fließen die Gedanken!

Bist du eher Fan von eBooks oder Papierbüchern?

Bisher kenne ich fast ausschließlich Papierbücher. Letztes Jahr habe ich mir einen E-Book-Reader zum Geburtstag gewünscht und ihn auch bekommen. Getestet habe ich ihn mit „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Ein herrliches Buch, und ich kann mir kaum vorstellen, dass mir das Lesen der Papierversion noch mehr Spaß gemacht hätte. Ich sehe E-Books als nette Variante an, die das Papierbuch – für mich – sicher nie ganz ersetzen wird, aber in manchen Situationen eine praktische Alternative darstellt.

Bei deinem Roman „Wahrheit wird völlig überbewertet“ wird viel geschwindelt – ging dir das Schreiben hier leicht von der Hand bzw. kamen die Einfälle hierzu zugeflossen oder wie kam dir die Idee zu diesem Roman?

Die Idee dazu entstand mitten auf dem Feld bei einem Hundespaziergang. Sie kam einfach angeflogen, genauer gesagt: Sie entstand aus einer Was-wäre-wenn-Frage – und die sind mir sowieso die liebsten. Wenn die Grundidee bzw. der Grundkonflikt einmal steht, dann ergeben sich daraus automatisch jede Menge mögliche Verwicklungen und komische Situationen.

Was meinst du – eine kleine Notlüge zwischendurch darf sein oder soll man lieber bei der Wahrheit bleiben? =)

Notlügen sind sehr verbreitet, manchmal sind sie notwendig, um jemanden nicht zu verletzen, um einfach höflich zu sein. Das finde ich nicht verwerflich, auch wenn ich selbst sehr zum Ehrlichsein neige. Das ist für meine Mitmenschen nicht immer so leicht. Ich wette, sie wünschen sich, ich würde öfter mal die ein oder andere Notlüge verwenden.

Sind deine Charaktere in Büchern realen Personen entsprungen oder der reinen Fantasie?

Reine Fantasie! Alle! Damit niemand etwas anderes vermutet, dichte ich meinen Heldinnen meist Schwestern an, denn ich selbst habe nur Brüder. Okay, vielleicht wird es irgendwann auch mal Geschichten von mir geben, in denen Brüder vorkommen, aber das sind dann definitiv nicht meine.

Machst du dir Notizen zwischendurch oder fließen dir die Wörter nur so zu?

Ich strukturiere jeden Roman durch und notiere mir, was in jedem Kapitel vorkommen soll. Aber alles ganz kurz und knapp, ungefähr auf einer halben Seite pro Kapitel. Und dann schreibe ich. Notizen mache ich mir selten, und wenn, dann tippe ich das gleich in die Datei an die richtige Stelle. Meine Handschrift ist für echte Notizen zu unleserlich 

Was für ein Gefühl hast du dabei wenn du den letzten Satz, das letzte Wort, deines Buches niederschreibst?

Einerseits erleichtert und froh, andererseits ist es ein seltsam leeres Gefühl. So ähnlich, wie wenn man ein Buch ausgelesen hat, das einem besonders nahe gegangen ist.

Wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben?

In drei Worten vielleicht so: Ideenreich. Planvoll. Lebensfroh.

In drei Sätzen? Okay:

In mir sind jede Menge Geschichten, die herauswollen.

Mir ist wichtig, dass man sich auf mich verlassen kann.

Lachen macht glücklich, frei, entspannt, locker, kreativ …

Was wolltest du schon immer einmal an uns Leser loswerden?

Ich freue mich immer riesig über Rezensionen, natürlich vor allem über gute. Dabei ist es gar nicht wichtig, wie lang die Rezension ist und wie genau sie den Inhalt zusammenfasst. Was mich – und vielleicht auch potenzielle Leser – viel mehr interessiert, ist, wie das Buch gewirkt hat. Welche Gefühle hat es geweckt, wie gut hat es unterhalten, worüber musste man grinsen, warum würde man es empfehlen. Oder auch nicht empfehlen. Aber das wollen wir doch mal nicht hoffen …

Vielen lieben Dank Heike für deine Geduld mit den neugierigen Fragen und die darauf sehr interessanten Antworten und für den kurzen Einblick in das Leben einer Autorin! =)

 

Interview mit Martina Bauer posted by on 5. Februar 2013

In der letzten Woche durfte ich bei lovelybooks bei einer Leserunde mitmachen, bei welcher die Autorin des Buches „Nulllinie“ beiwohnte. Das Buch hat mich so beeindruckt, da musste ich doch mehr über Martina Bauer erfahren. Da fragte ich sie also kurzerhand, ob sie bereit wäre, ein kurzes Interview zu geben für meinen Blog. Und das war sie =) Nun will ich euch also nicht weiter auf die Folter spannen, hier sind die Antworten auf meine neugierigen Fragen:

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Erzähle uns doch etwas über dich! Was machst du außer Schreiben? Wie sieht ein ganz normaler Tag in deinem Leben aus?

Nicht viel anders als bei Leuten, die nicht schreiben. Ich arbeite in Teilzeit in der häuslichen Intensivpflege, bin verheiratet und habe einen kleinen Sohn, der mich ganz schön auf Trab hält. Wir wohnen in einer ländlichen Gegend und ich bin gerne in der Natur; früher bin ich fast täglich mehrere Kilometer weit gejoggt, aber das schaffe ich zeitlich leider nicht mehr. Ich mag ein schönes, gemütliches Essen, zuhause oder im Restaurant, lese gerne – das tun wohl alle Autoren – und ich mag Filme, vor allem Kino.

In meinen Geschichten geht es stellenweise recht blutig zu. Ich bin aber ein friedlicher Mensch, habe gerne meine Ruhe.

Wie kamst du auf das Thema in deinem Thriller „Nulllinie“? Welche Idee steckte dahinter?

Hmm, schwer zu sagen. Zunächst hatte ich die Idee mit der jungen Frau, die in einem abgeschiedenen Dorf in einer dubiosen Firma anheuert, in Gefahr gerät und gezwungen ist, über sich selbst hinauszuwachsen. Auf die Idee mit den Neurosendern bin ich erst im Laufe der Planung für den Roman gekommen.

Musstest du hierfür viel recherchieren oder hattest du schon sehr viel Hintergrundwissen dazu?

Ich habe jahrelang in einer neurochirurgischen Klinik gearbeitet, daher hatte ich auf jeden Fall gewisse Vorstellungen, und die notwendige Recherche hielt sich in Grenzen. Allerdings habe ich mein Wissen in Sachen Nahtoderfahrung und Jenseitsforschung vertieft.

Interessierst du dich auch privat für eher paranormale Dinge, Nahtoderfahrungen und wissenschaftliche Fortschritte?

Für paranormale Phänomene in Form von Geistern und Dämonen habe ich mich schon als Kind interessiert. Als Teenager habe ich mich heimlich ins Kino geschlichen und Horrorfilme angesehen. In den frühen Achtzigern war das einfacher als heute, die Kontrollen an der Kinokasse waren weniger streng. Für Horrorfilme habe ich auch heute noch ein ausgesprochenes Faible, und Kino ist eine hervorragende Inspirationsquelle für meine Ideen.

Wenn du mich direkt fragst, ob ich an Gespenster glaube, würde ich wohl eher mit „Nein“ antworten. Aber wer weiß das schon sicher?

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Ich brauche unbedingt Ruhe beim Schreiben. Am liebsten ist mir die Zeit ganz früh morgens, wenn mein Mann zum Arbeiten das Haus verlässt, und mein Sohn noch schläft; da läuft es am besten bei mir. Ablenkung bringt mich ganz schnell aus dem Konzept. Ich habe von Autoren gehört, die beim Schreiben Musik hören. Das würde bei mir überhaupt nicht funktionieren.

Welche Genre liest du selbst am liebsten? Wer ist dein Lieblingsautor?

Ich lese gerne Thriller. Vor allem wissenschaftlich angehauchte haben es mir angetan; z.B. Frank Schätzings Limit finde ich wirklich großartig. Autoren, die mich in den letzten Jahren am meisten angesprochen haben, sind Simon Beckett, Mo Hayder oder die nordischen Autoren Johan Theorin und Yrsa Sigmundardottir. Auch Abenteuer- und Bergsteigerberichte mag ich: ich habe fast alle Bücher von Reinhold Messner gelesen; „In eisige Höhen“ von Jon Krakauer über die Kommerzialisierung des Mount Everest ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe.

Aber mein ganz klarer Favorit und mein schriftstellerisches Vorbild ist Stephen King. Ich lese seine Bücher seit vielen Jahren; vor allem die älteren Werke wie ES oder Friedhof der Kuscheltiere haben es mir angetan.

Wusstest du schon immer, dass du einmal ein Buch veröffentlichen bzw. schreiben wirst?

Ja, das wusste ich schon immer, schon als kleines Mädchen. Aber es war eher eine vage Idee, ähnlich wie „Eines Tages möchte ich eine Weltreise machen“. Richtig ernst wurde die Sache nach der Geburt meines Sohnes. In mir erwachte der Wunsch, etwas zu tun, worauf er eines Tages stolz sein kann. Er sollte sagen können: „Meine Mama ist Autorin und schreibt Bücher“. Ich wollte zunächst nur eine Kindergeschichte für ihn schreiben, aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt und nicht mehr losgelassen 

Bevorzugst du privat Bücher aus Papier oder eBooks?

Ich habe mich lange gegen eBooks gesträubt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein elektronisches Buch denselben Zauber verströmt wie ein Buch mit richtigen Seiten zum Umblättern, das ja auch einen ganz typischen, angenehmen Geruch verbreitet. Meinen E-Reader habe ich mir mehr oder weniger gezwungenermaßen angeschafft, als sich herausstellte, dass mein Debütroman zunächst nur als e-Book veröffentlicht wird. Ich habe mich aber sehr schnell an den Kindle gewöhnt, der gegenüber einem herkömmlichen Buch ganz klare Vorteile aufweist: er ist kleiner und leichter, vor allem auf Flugreisen, ich kann mir jederzeit ein neues Buch herunterladen, es gibt wieder Platz in den Regalen. Ich muss nicht ständig mühsam die Stelle suchen, an der ich zuletzt mit dem Lesen aufgehört habe, weil mein Lesezeichen herausgefallen ist, und so weiter.

Reiseführer, Kochbücher und Bilderbücher gehören für mich aber ganz klar nicht auf den Kindle, die bevorzuge ich in der herkömmlichen Form.

Dennoch möchte ich in nicht allzu ferner Zukunft mein eigenes „richtiges“ Buch in den Händen halten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es eines Tages eine Printversion von Nulllinie geben wird. Wenn nicht, dann eben meinen nächsten Roman.

Wie nehmen die Charaktere für dein Buch Form an? Hast du einen genauen Plan oder entwickeln diese sich im Laufe der Geschichte?

Ich habe eine gewisse Vorstellung über die Grundzüge einer Figur, über ihr Aussehen, ihren Beruf, ihre Hobbys und grundsätzlichen Charakterzüge. Den Rest lasse ich einfach laufen. Mit echten Menschen ist es ja auch so, die tun manchmal auch Dinge, die man nicht von ihnen erwartet hätte. Genauso benehmen sich meine Protagonisten: ein kleines bisschen unberechenbar sind sie schon.

Haben die Charaktere auch mit Personen aus dem realen Leben etwas gemein, welche du kennst?

Ja, häufig ähneln sie jemandem, den ich kenne, aber ich habe nie eine Person 1:1 übernommen. Ich stibitze das Äußere von jemandem oder grobe Charakterzüge; mehr nicht. Das muss auch gar nicht sein, schließlich habe ich genügend Fantasie und die Menschen sind so unterschiedlich, dass man hier als Autor sehr viel Freiraum hat. Es ist mir aber schon passiert, dass Freunde gesagt haben: hör mal, die Person XY aus dieser Kurzgeschichte, bin ich das? Das konnte ich bisher immer mit einem klaren Nein beantworten 

Was ist es für ein Gefühl, ein Buch zu beenden?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Eigentlich ist ein Buch nie wirklich fertig. Sobald man es zu Ende geschrieben hat, gibt es schon wieder Ideen wie: hmm, soll ich diese und jene Szene vielleicht umschreiben? Diesen oder jenen Dialog ändern?

Wird das Buch von einem Verlag angenommen, erhält es ein Lektorat. Das heißt, es wird professionell nicht nur auf grammatikalische und Rechtschreibfehler, sondern auch auf Logiklöcher geprüft, auf Stellen, an denen der Spannungsbogen abflaut, und vieles mehr. Dann geht die Arbeit am Buch nochmal von vorne los und das Buch wird gemeinsam mit dem Lektor bzw. der Lektorin überarbeitet. Das kann durchaus mehrere Monate dauern. Erst wenn die letzte Korrekturfahne für beide Parteien zufriedenstellend überarbeitet wurde, ist man „fertig“, zumindest mit dem Schreiben. Und das ist ein sehr erleichterndes und schönes Gefühl, ähnlich wie eine bestandene Prüfung oder ein Schulabschluss, den ich mit meinem Mann bei einem schönen Essen und einer guten Flasche Wein feiere.

And the last question: Was würdest du denn noch gern an uns Leser loswerden? =)

Ich möchte sie einladen, mich auf Facebook zu besuchen: Die Höllische Schreibstube freut sich über eure Daumen http://www.facebook.com/hoellischeschreibstube

Und ich möchte bei dieser Gelegenheit auf meine Indie-Veröffentlichung „Route 666 – Höllische Geschichten“ hinweisen.

Vielen Dank für das Interview 

Vielen Dank auch an dieser Stelle an dich Martina, dass du mir geduldig meine neugierigen Fragen beantwortet hast und wir so mehr über dich erfahren durften =)

Interview mit Jens Niemeyer posted by on 22. Dezember 2012

Vor kurzem hatte ich das Glück, das Buch „Seelenloser Schwur“ vom Autor Jens Niemeyer lesen zu dürfen – es war wirklich ein gelungener Happen, der Lust auf mehr macht. Da der Autor die Reihe weiter plant, dürfen wir hoffentlich nicht allzu lange darauf warten und den 2. Band bald in Händen halten! Der junge Autor hat sich bereit erklärt, mit mir ein kleines Interview zu führen, wofür ich ihm danke! Es ist immer toll, mehr über einen Autor zu erfahren, von welchem man ein Buch liest –  vor allem wenn man das Buch mag und die Person dahinter sich die Mühe gemacht hat, es dem Leser spannend zu machen und auf ihn einzugehen. Aber seht selbst:

Wie kamst du auf die Idee ein Buch zu schreiben?

Das ist schon eine ganze Weile her. Eigentlich schreibe ich schon, seit ich einen Füller in der Hand halten kann. In der Grundschule schrieb ich viele Kurzgeschichten, die jedoch allesamt sehr albern und kindisch waren. Meistens ging es um Mr. Bean und Kasper, die verschiedene Abenteuer erlebten. Daraufhin habe ich immer wieder kleine amüsante Geschichten geschrieben. Die ernsthafte Idee ein Buch zu schreiben kam mir erst mit etwa 17 Jahren. Innerhalb meiner Ausbildung hatte ich in der Schule oft Pausen und begann erst in dieser Zeit größere Bücher zu lesen und habe nie wieder damit aufgehört. Meine ersten Thriller waren „Chemie des Todes“ und „Blutlinie“. Von Blutlinie war ich so begeistert, dass ich endlich meinen Traum wahr machen wollte. Da ich ein großer Filmfan bin und sehr viele Serien schaue, besitze ich eine Menge Fantasie, die ich endlich auf die Welt loslassen wollte. Ich kaufte mir anschließend einen Laptop und begann mit meinen ersten Wörtern. Problem war zu diesem Zeitpunkt allerdings, dass ich gar keine Ahnung hatte, wie man überhaupt ein Buch schreibt. Trotzdem habe ich mich nicht unterkriegen lassen und begann mit meinem Traum. Ich finde es toll, eine eigene Welt zu schaffen, in der man sich jederzeit zurückziehen kann.

Wie hat die Geschichte zuerst Form angefangen – die Handlung oder die Figuren?

Zunächst habe ich mich sehr viel mit dem Aufbau eines Buches beschäftigt und musste meinen eigenen Weg finden. Schon immer war ich begeistert von Serien mit einer bestimmten Person, die immer wieder neue Ermittlungen aufnimmt. So eine Serie wollte ich schaffen und brauchte dafür einen einprägsamen und „coolen“ Namen für meinen Hauptprotagonisten. Nach langer Zeit kam ich dann endlich auf Michael Cold und war davon begeistert. Ich glaube, ich kam durch den Film Blade 1 auf diesen Namen, denn der Bösewicht hieß dort Deacon Frost.

Lustigerweise wusste ich von Anfang an, wie das Ende meiner Geschichte aussehen würde. Den Rest hatte ich kaum vor Augen. Nach und nach schuf ich mir die Personen, die im Buch auftauchen sollten und begann die ersten beiden Kapitel zu schreiben. Wichtig für mich war das erste Kapitel, denn dies sind die ersten Seiten, die man lesen würde. Hiermit steht und fällt aus meiner Sicht alles. Die Handlung hatte für mich zunächst eine untergeordnete Rolle, was ich mittlerweile als Fehler empfinde, denn bis zum neunten Kapitel hatte ich eine völlig unrealistische Story. Nach langer Pause habe ich mein Buch vollkommen umgeschrieben und meine Taktik geändert. Seit diesem Zeitpunkt suche ich mir grobe Anhaltspunkte für die Kapitel und schreibe einfach willkürlich los. Noch heute frage ich mich, wie ich auf manche Ideen gekommen bin und wie sich mein Buch so gut zusammenfügte. Dies ist mein Stil zu schreiben 😉

Fühlst du dich mit den ermittelnden Beamten verbunden, identifizierst du diese mit jemanden?

Ja, sehr sogar. Michael Cold hat sehr viele Gedanken, die ich selber beim Schreiben empfunden habe und fügte sie in die Story ein. Jedem Kapitel kann ich im Nachhinein absehen, wie ich mich beim Schreiben gefühlt haben muss oder was ich zu dieser Zeit geschaut habe. Daher kann ich sagen, dass ich meiner Figur sehr nahe stehe und die Gedanken mit ihm teile. Dies ist auch der Grund, weshalb ich die Ich-Form für mein Buch gewählt habe. Alle anderen Personen sind frei erfunden. Es war mir wichtig eine eigene Welt zu schaffen, in der ich von der Realität abschalten kann. Das ganze Buch ist ein auf und ab meiner eigenen Gedanken. Daher fühle ich mich nicht nur mit Michael verbunden, sondern mit der gesamten von mir geschaffenen Welt.

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Das ist eine wirklich schwere Frage. In den vergangenen drei Jahren habe ich meine Kapitel an vielen verschiedenen Orten geschrieben. Alles begann in meinem Elternhaus in Ostfriesland. Dort habe ich meist vor dem Fernseher gearbeitet. Manchmal habe ich meine Wörter auch in der Mittagspause bei der Arbeit niedergeschrieben. Dies war mir jedoch teilweise zu ruhig, sodass meine Gedanken zu leicht zu anderen Orten drifteten. Weitere Kapitel schrieb ich bei der Bundeswehr. Dort hatte ich teilweise sehr viel Zeit. Hier habe ich nebenbei immer Musik gehört. Das ging sehr gut. Meine letzten Kapitel habe ich dann wieder vor dem Fernseher in einer Einzimmerwohnung in Hannover geschrieben. Am Ende würde ich sagen, dass ich am liebsten vor dem Fernseher schreibe. Auch die Korrekturen habe ich vor dem Fernseher durchgeführt. Mein Buch hat also schon viele Orte gesehen. Wichtig für mich ist nur, dass ich keine absolute Stille um mich herum habe, denn dann werde ich selbst unruhig 😉

Welches Genre liest du selbst am liebsten, liest du viel?

Am liebsten lese ich natürlich Thriller. Meine Lieblingsautoren sind ganz klar Cody McFadyen und Simon Beckett. Je nach Stimmung lese ich auch gerne mal ein Jugendbuch, wie z.B. Die Tribute von Panem oder Percy Jackson. Aufgrund der Arbeit mit meinem Buch habe ich in letzter Zeit leider nicht so viel lesen können, aber das werde ich spätestens Weihnachten mit „Der Hobbit“ wieder ändern. Ansonsten muss ich sehr viele Rechtsbücher für mein Studium lesen. Leider nicht ganz so spannend wie ein guter Thriller 😉

Bevorzugst du eBook oder ein normales Buch aus Papier?

Das E-Book habe ich erst vor kurzem neu für mich entdeckt. Da ich selbst bisher keinen Reader besitze, möchte ich ungern eine Meinung dazu abgeben, halte aber sehr viel davon. Ich denke, dass ein E-Book sehr viele Vorteile hat. Allerdings bevorzuge ich zurzeit noch das normale Buch. Das hat für mich einen einfachen Grund. Für mich ist es das Schönste, wenn man in eine Buchhandlung geht und sich das Buch ganz klassisch kauft. Ich gehe immer mit einem tollen Gefühl aus der Buchhandlung, wenn ich das Buch direkt durchblättern und diesen neuen Geruch riechen kann. Dieses Gefühl kann mir ein E-Book leider nicht geben.

Wie lang bist du in etwa an einem Buch dran und wie ist das Gefühl, wenn du es beendet hast?

Aufgrund meiner unzähligen Korrekturen und großen Fehlern, hat mein erstes Buch bis zu diesem Zeitpunkt etwa drei Jahre gedauert. Da ich gerne eine Fortsetzung schreiben möchte und jeden Schritt nun anders machen würde, rechne ich mit einem guten Jahr. Das Gefühl, was man hat, wenn man ein Buch beendet hat, ist unbeschreiblich. Es ist eine Entlastung und gleichzeitig fühlt man sich wie in einem Rausch. Man hat etwas beendet, womit man viel Zeit verbracht hat. Für mich war es, als wenn ein Traum in Erfüllung geht. Dann begann aber das Überarbeiten und das Vermarkten. Das Schreiben macht wirklich Spaß, aber das Vermarkten und Warten auf Meinungen war und ist für mich ein Auf und Ab der Gefühle.

Jetzt würde ich sagen, dass ich mein Buch niemals beendet habe, denn es begleitet mich jeden Tag und wird für mich niemals beendet sein, denn meine eigene geschaffene Welt wird auch in Zukunft immer in meinen Gedanken sein.

Machst du dir Notizen zum jeweiligen Charakter oder fließt dir alles so in den Kopf und du schreibst es nieder?

Vielleicht sollte ich mir wirklich ein paar Notizen machen, da ich wichtige Details in meinem Buch selbst immer wieder nachlesen muss. Die handelnden Personen sind alle in meinem Kopf und lediglich die ganz grobe Story. Meine Ideen kommen mir erst während ich schreibe und ein Kapitel beende. Ich schreibe grundsätzlich meine eigenen Gedanken nieder und tauche voll und ganz in meine Welt ein. Es ist für mich meist selbst überraschend, was eigentlich als nächstes passiert 😉

Was machst du denn, wenn du nicht schreibst? Erzähle etwas über dich!

Seit kurzer Zeit fange ich an, mir eine Filmsammlung aufzubauen. Wie ich schon erwähnt habe, liebe ich Filme und Serien, sodass ich natürlich auch viel schaue. Ansonsten studiere ich Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück und drücke mich ein wenig vor dem Lernen.

Ansonsten mache ich mir über alles mögliche Gedanken, sammle gerne unnützes Wissen, nerve meine Freundin oder andersherum und surfe nach neuen Informationen im Internet. Dabei rühre ich das Telefon sehr ungerne an. Ich denke, dass ich sehr humorvoll bin und eigentlich über jeden Quatsch lachen kann. Was fällt mir noch über mich ein? Ach ja, ich liebe Comics. Ich glaube die Liste meiner Lieblingshelden würde hier zu lang werden. Ganz vorne ist allerdings Batman, wobei ich meistens die Bösewichte noch besser finde, wie z.B. Loki und Joker. Vielleicht merkt man, dass ich ein wenig verrückt bin 😉

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

In zehn Jahren werde ich hoffentlich mit meinem Studium fertig sein und vielleicht als Richter in Deutschland tätig sein. Ich wünsche mir, dass meine Leser mit meiner Arbeit zufrieden waren und ich weitere Bücher schreiben kann, denn das würde ich gerne sehr lange Zeit machen. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass ich weiterhin mit meiner jetzigen Freundin glücklich bin 😉 Natürlich wäre es ein Traum, wenn ich in zehn Jahren im Auftrag eines bekannten Verlags Thriller schreiben dürfte. Ansonsten ist es schwer für mich, soweit in die Zukunft zu schauen, da ich eher ein Mensch bin, der noch in der Vergangenheit lebt.

Und die bekannte Frage: Möchtest du etwas an uns Leser loswerden, was dir auf dem Herzen liegt? =)

Sehr gerne möchte ich meinen Lesern etwas mitteilen. Zunächst möchte ich mich bei meinen beiden ersten Leserinnen bedanken. Sie haben mir den Anstoß gegeben, dass ich meinen Thriller doch veröffentlichen solle. Ohne sie wäre ich heute wahrscheinlich nicht soweit. Vielen Dank.

Dann möchte ich mich allgemein bei meinen ersten Lesern bedanken, die mich weiter in meiner Arbeit bestätigt haben und mir bis heute treu geblieben sind. Für die Hilfe der Korrekturen kann ich mich nicht oft genug bedanken.

Dann möchte ich mich bei allen Bloggern bedanken, die mich bei meiner Arbeit unterstützen. Es ist für mich ein großes Glück, dass sie mir in dieser harten Branche eine Chance geben und allen offen gegenüber stehen. Bisher hatte ich nur sehr nette Kontakte und hoffe auch in Zukunft, sie weiter pflegen zu können. Ihr alle leistet große Arbeit und dafür bedanke ich mich ganz besonders.

Zum Schluss möchte ich mich auch im Voraus bei allen zukünftigen Lesern bedanken. Ich hoffe sehr, dass ich euch ein spannendes Buch liefern kann. Ich freue mich über jeden Leser und über ehrliche Meinungen. Denn was wäre ein Autor ohne Leserinnen und Leser. Nichts.

Daher meinen großen Dank an alle, die mich als Autor unterstützen, denn jeder Leser ist für mich ein Geschenk. Es würde mich freuen, wenn jeder Leser ein Stück meiner Welt mitnimmt.

Meinen letzten Dank erhält natürlich Simone, die mit ihrer Arbeit auf dieser Seite tolle Arbeit leistet und wunderbare Rezensionen schreibt.

Vielen lieben Dank Jens, dass du dir die Zeit dafür genommen hast – ich hoffe, du versorgst und bald wieder mit neuem, spannenden Lesestoff =)

Interview mit Daphne Unruh posted by on 12. November 2012

Die Autorin Daphne Unruh, auch unter den Pseudonymen Merelie Weit und Helena Moor bekannt, hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten – dabei kamen sehr interessante Antworten heraus! Vor kurzem durfte ich ihre Romane „Der Traummann aus der Zukunft“ und „Himmelstiefe“ lesen, welche mich restlos überzeugt haben und mich total in den Bann gezogen haben. Daraufhin wollte ich mehr über diese Autorin und ihr Leben wissen. Daphne wurde in Berlin geboren, wo sie auch Kunst, Kreatives Schreiben und Drehbuch studierte. Seitdem illustriert sie Bücher und denkt sich wunderbare fantastische Geschichten aus, wie man sehr wohl bei „Himmelstiefe“ erkennen kann. Sie wohnt in der Schweiz mit ihrer Familie und ihrer Katze.

So, nun möchte ich euch aber nicht weiter auf die Folter spannen =) Hier kommen die Antworten:

Wie kamst du zum Schreiben? War die Idee schon immer da?

Selbst Geschichten erfinden hat mich schon immer fasziniert. In der Schule habe ich Storys über die Jungs und Mädchen aus meiner Klasse verfasst und dabei die Charaktere umgedreht. Die Schüchternen waren darin auf einmal die Frechen und die Vorlauten waren zurückhaltend. Diese Geschichten waren so beliebt, dass meine Klassenkameraden die Hausaufgaben für mich übernommen haben, damit ich in der Zeit immer neue Episoden dieser Art schreiben konnte.

Als mein Klassenlehrer dann in mein Abschlusszeugnis schrieb: Daphne tut sich besonders durch das Schreiben von Geschichten vor, habe ich mich allerdings ziemlich amüsiert. Es war doch nur ein Spaß für mich!Dass Schreiben zu einer richtigen Passion wurde, kam erst einige Jahre später. Bis dahin habe ich hauptsächlich gemalt, Kurse bei Künstlern besucht und sogar ein künstlerisches Studium begonnen – mich aber nicht wirklich am richtigen Platz in den Ateliers gefühlt.Es waren einige bestimmte Autoren, die mich zwischen 20-25 so gepackt und fasziniert haben, dass ich mich eine Weile ganz vom Zeichnen abgewandt und dem Schreiben zugewandt habe.Die Wichtigsten:

Victor Hugo mit seinem umfassenden Werk „Die Elenden“ beeindruckte mich mit seiner Komplexität und seinem Aufbau – wie am Anfang scheinbar unabhängige Geschichten zusammenfinden und am Ende ein fein ausgetüfteltes Gesamtkunstwerk ergeben. An „Hunger“ von Knut Hamsun fesselte mich dieses stark ins Persönliche Gehen und das Erzählen aus der „Ich-Perspektive“. Die Schriftsteller der 20er Jahre in Paris und besonders die ungeheure Passion für das Schreiben bei Henry Miller und Anais Nin haben mich mitgerissen. Bei Miller war es noch die Lebenskunst, diese übermütige Lebenslust und die übersprudelnde Kreativität und bei Anais Nin das Analytische und die sehr genaue Beobachtungsgabe, die Disziplin, der Glaube, das Durchhaltevermögen und der unbedingte Wille, Schriftstellerin sein zu wollen. Hauptsächlich sind sie ja für ihre erotischen Bücher bekannt, was schade ist. Darauf reduziert zu werden, hat ihnen auch selbst nicht gefallen. Ich glaube, von Anais Nin habe ich eine Menge mitgenommen, was die Charakterisierung von Figuren anbelangt. Genauso wie von Otto Rank, der sich als Psychoanalytiker aus dem Kreis um Freud besonders mit der Natur des Künstlers beschäftigt hat.

Nachdem ich Kreatives Schreiben studiert hatte und anfing, Schreibgruppen zu leiten und einen Autorenzirkel zu gründen, kamen die Bilder auf eine neue Weise zu mir zurück. Ich schrieb ein paar Drehbücher für Kinder-CD-Roms und entdeckte dabei das Schreiben in Bildern – Malen und Schreiben vereint – Wow, das war eine tolle Entdeckung. Daraufhin habe ich mich einige Jahre sehr intensiv mit Film beschäftigt und Drehbuch an der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin studiert. Bereichert mit dem Denken in Bildern und der Filmdramaturgie, die so einiges mit der Struktur von Bestsellern gemeinsam hat, bin ich nun zur Prosa zurückgekehrt, zu den Büchern, die ich von allen Medien dann doch am meisten liebe.

Und was gab den Anstoß dazu, es tatsächlich in die Tat umzusetzen?

Der Anstoß waren diese 20er Jahre Schriftsteller und dieses Gefühl, auch eine Berufung als Autorin zu haben und einfach schreiben zu MÜSSEN.

Sind deine Figuren aus der Realität gegriffen oder reine Fiktion?

Meine Figuren sind völlig neu erschaffene Wesen. Aber dabei bediene ich mich natürlich aus „dem Baukasten des Lebens“. Für ihre Tiefenstruktur orientiere ich mich an diversen Modellen, die es über die Grundcharaktere der Menschen gibt. Fritz Riemann spricht von den 4 Grundformen der Angst und kategorisiert damit psychologisch vier Grundcharaktere. Es gibt die neun Persönlichkeitstypen des Eneagramms. Eine komplexe Angelegenheit, die sehr hilft, stimmige Charaktere zu erschaffen.

Gleichzeitig beobachte ich gern Menschen, bediene mich natürlich auch aus eigenen Erfahrungen und aus Erfahrungen von Menschen, die man kennt oder auch nicht kennt. Aber es sind immer nur Versatzstücke. Ich könnte niemanden eins zu eins aus dem Leben übernehmen. Das wäre mir a) irgendwie komisch, mein wirkliches Leben oder jemanden daraus in einem Buch preiszugeben und b) funktioniert das dramaturgisch auch nicht. Eine Geschichte ist immer eine Verdichtung. Und auch wenn darin die Charaktere komplex sein sollten, konzentriert man sich auf einen Konflikt in der Figur und auf ein Thema, während Menschen im richtigen Leben oft noch mehr Konflikte haben und auch mehr Themen mit sich herumtragen, alles sich mehr zeitlich dehnt und verschwimmt, so wie es für eine Story gar nicht brauchbar ist.

Um mal ein Beispiel zu geben: Ich nehme vielleicht den Namen der Tochter einer Freundin, weil er mir so gefällt und die Haarfarbe meiner Nachbarin, weil mir ihr besonderes Haar aufgefallen ist und den Konflikt einer Kollegin meiner Cousine, weil er mich interessiert und den Kleidungsstil, den ich in einer Zeitschrift gesehen habe und die Backstory erfinde ich komplett, oder vielleicht ist auch ein Versatzstück dabei von jemandem, den ich kenne … und so entsteht nach und nach die Figur … Was jedoch von mir selber kommt, ist das Thema. Ich glaube, jeder Autor hat ein bestimmtes Thema, was er immer wieder variiert. Bei mir ist es „Identität“.

Malst du dir selber manchmal eine fantasiereiche Welt aus, mit viel Magie und stellst dir vor, wie es in so einer wäre?

Oh ja, natürlich. Man sieht es an Himmelstiefe 🙂 Aber auch an Catlantis – die Welt meiner mit Feder und Polychromos gezeichneten Bilder. Beide Welten sind in der Märkischen Schweiz entstanden, in der ich in der Nähe eines lagunenblauen Sees (er hat viel Kalk und ist sehr tief und sieht im Sommer sehr südlich aus) eine kleine Laube im Naturpark habe. Ich habe den magischen See „gesehen“, als an einem Tag nach einem kräftigen Wind alle Akazienblüten hinabgeregnet sind und einen weißen Blütenteppich über den Waldboden und den Fluss gelegt haben. Es war warm und die Sonne schien und es war verschneit und es war der Auftakt für die magische Welt.

In unserem 46 Meter tiefen See erkenne ich den Wasserdurchgang und in den tausend Funken des großen Feuers, dass wir abends im Frühling machen, den Feuerdurchgang. Und dann bin ich in der magischen Welt und fange an, über sie zu schreiben …

Was machst du denn, wenn du nicht schreibst? Wie sieht dein ganz normaler Alltag aus?

Im Schnitt bin ich 4-5 Tage in der Woche in Berlin und mache vom Aufstehen bis zum Schlafengehen nichts anderes als arbeiten – das heißt schreiben, lektorieren, zeichnen und Bürokram. Dazwischen die üblichen Alltagsunterbrechungen: Frühstück und Schulbrote für meinen Sohn, abwaschen, Wäsche anschmeißen, Katze reinholen, in der Mittagspause einkaufen, manchmal abends was kochen … Ich gehe höchstens einmal in der Woche irgendwohin, um eine Schreibkollegin oder einen Agenten oder jemand zu treffen, mit dem ich gerade ein Projekt mache. Am Ende der Woche bin ich dann meist ziemlich erledigt und fahre die folgenden 2-3 Tage raus in die Laube. Öfter muss der Rechner übers Wochenende mit, weil ich zu viel zu tun habe. Manchmal bleibt er aber auch Zuhause. Und dann ist das Gegenprogramm dran: Gummistiefel und im Dschungelgarten buddeln, was sägen, was bauen, wandern, lesen oder in unser kleines Dorfkino gehen bzw. mit unserem Beamer selber Kino zuhause veranstalten oder Besuch von Freunden bekommen. Stift und Notizblock sind allerdings überall dabei, schreiben tut man irgendwie IMMER, und sei es auch nur im Kopf.

 Hörst du gern Musik zum Schreiben, wenn ja, welche?

Ich höre selten Musik beim Schreiben. Vielleicht noch beim Plotten manchmal. Und dann meistens Klassik. Am besten funktioniert Schreiben bei mir in der absoluten Stille und Ruhe. Nur dann kann ich mich wirklich konzentrieren. Musik lenkt mich zu sehr ab. Ich kann auch nicht in Cafés schreiben. Ich bewundere Autoren, die das können. Meine Konzentration macht da immer viel zu leicht schlapp. Statt zu schreiben, fange ich dann an zu beobachten, irgendein Seismograph schaltet sich ein, nimmt alles um sich rum auf und nix ist mit Schreiben.

Wie fühlst du dich selbst, wenn du ein Buch beendet hast – ist dies ein befreiendes Gefühl oder eher traurig?

Ganz verschieden. Wenn ich das Buch aus irgendeinem Grund lesen muss (Lektorat) und es nicht mag, dann ist es natürlich total befreiend. Mit manchen Büchern ist man einfach im Frieden, wenn sie zu Ende sind. Bei „Die Elenden“ von Victor Hugo wollte ich, dass es nie zu Ende geht. Manchmal will man eine bestimmte Welt nicht verlassen und ist traurig, dass man sie nicht einfach noch mal neu erleben kann, ohne schon alles zu kennen. Man kann die Bücher noch einmal lesen, aber man weiß eben schon, was kommt. Darüber bin ich dann traurig. Und da ist es natürlich am besten, es gibt noch ein paar Fortsetzungen.

Welche Autoren sind deine Idole, welches Genre liest du selbst am liebsten?

Ein paar Autoren, die Initialzündungen verursacht haben bei mir, habe ich ja schon genannt. Von den Autoren der Gegenwart bewundere ich und lese ich sehr gern Andreas Eschbach – seine Wissenschaftsthriller wie auch seine Jugendbücher, eigentlich alles von ihm. „Der Schwarm“ und „Limit“ von Frank Schätzing fand ich toll. „Erebos“ von Ursula Poznanski, „Die alltägliches Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl. Alles Bücher mit ziemlich ausgeklügeltem, komplexem und spannendem Plott. Ich mag auch Michael Chrichton und Dan Brown. Was Genre anbelangt also Wissenschaftsthriller, All Ages Romane und Coming of Age. Ich habe auch Twilight Teil I gerne gelesen – origineller Grundkonflikt der Figuren, sehr gängiger Stil, sehr emotional.

Ansonsten finde ich Daniel Kehlmann großartig, sein Freund Thomas Glavinic auch, Daniel Glattauer mit „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“, einfach spitzenmäßig. Und Hermann Hesse natürlich.

Greifst du lieber zu eReader oder zu Büchern aus Papier?

Der Reiz liegt im Wechsel 🙂 Ich liebe an den Readern besonders die kleine Lampe. Man kann ganz im Dunkeln sein, drinnen oder draußen, nur dieses kleine Leselicht und dieses kleine dünne leichte „Buch“, dass außen so viel kleiner ist als innen mit seinen tausenden Seiten und Büchern. Und zwischendrin dann gerne wieder ein echtes nach Buch duftendes Buch, mit schönem Schutzumschlag und Seidenlesebändchen.

Wie würdest du dich selbst jemand anderem beschreiben?

Einzelgängerisch, mit großer Liebe zum Alleinsein. Aber wenn das gedeckt ist, dann fröhlich, humorvoll und unterhaltsam, mit Neugier und Entdeckerlust.

Ich gucke kein Fernsehen, ich gehe nie ans Telefon, ich maile total gerne, ich quassel den ganzen Tag meine Katze voll, ich bin ein Kreativ-Junkie, ich habe eine Deko-Macke, ich liebe Reisen – muss aber nicht weit weg sein, auf die Entfernung kommt es nicht an – ich bin überempfindlich, ich friere schnell, ich esse gerne Suppen … so, dass muss für den Anfang reichen 🙂

 Bist du denn schon an einem neuen Werk dran, neue Ideen?

Klar, an „Schattenmelodie“, dem zweiten Teil von Himmelstiefe. Der soll doch im nächsten Herbst kommen. Dazu auch die Hörbücher bei audible. Himmelstiefe ist bereits für April 2013 geplant. Nebenher überarbeite ich gerade den „Traummann aus der Zukunft“, einen Frauenunterhaltungsroman, der im Juni auch im Aufbau Verlag als Taschenbuch erscheint. Und ich mache ein paar Illustrationen für ein Buch beim Kohlhammer-Verlag zum Thema Autismus. Das ist ein kleines Projekt nebenher, was aber auch Spaß macht.

 Und natürlich die letzte Frage – was möchtest du uns Lesern gerne einmal sagen?

Was wäre ein König ohne sein Volk? Was wäre ein Autor ohne seine Leser? Ich glaube, als Autor muss man das Alleinsein lieben, sonst hält man das Schreiben gar nicht durch. Der Autor erschafft eine Welt. Aber nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere, die er dorthin mitnehmen möchte. Vielleicht ist das seine Art, doch nicht allein zu sein. Denn auch der Autor ist ein soziales Wesen. Was wäre er also ohne seine Leser? Immer noch ein Autor? Der König ohne sein Volk immer noch ein König? Der Knall ohne ein Ohr in der Nähe immer noch ein Knall? 🙂

Ich bin allen Lesern, die gerne mit in die Welten meiner Geschichten reisen, absolut dankbar, dass sie da sind!! Dass ich sie sehen, sie hören, sie treffen, mich mit ihnen austauschen kann und erfahren kann, wie es ihnen auf ihren Ausflügen in meine Bücher geht und was sie dabei erleben. Am schönsten ist es, wenn sie etwas daraus mitnehmen, sie anregt oder vielleicht sogar verändert, oder auch einfach nur, wenn sie durch das Lesen ein paar schöne Stunden verbracht haben. Wenn mein Buch in irgendeiner Form „ein Geschenk“ ist, dann ist das für mich das beste Geschenk!

Vielen lieben Dank für die aufschlussreichen Antworten auf meine neugierigen Fragen liebe Daphne – ich hoffe, bald wieder sehr tolle Sachen von dir zu lesen =)

Interview mit Melanie Hinz posted by on 29. Juli 2012

Vor ein paar Tagen habe ich das eBook „Nie genug“ der Autorin Melanie Hinz beendet. Das war der erste Erotikroman, der mir total gefallen hat und da dachte ich mir, ich löcher die Autorin einmal mit ein paar Fragen. Diese hat sich auch sofort bereit erklärt und mir die Antworten bereits zugesandt. Melanie Hinz wurde 1980 in Mönchengladbach geboren, Ihre Leidenschaft gehört Büchern und Tattoos, welche sich auch in irgendeiner Form wieder in ihren Geschichten wiederfinden. Weitere ihrer Bücher sind: „In der Nacht“ und „Eine zweite Chance für den ersten Eindruck“, auch bei der Weihnachtsanthologie „Der brennende Adventskranz“ hat sie mitgewirkt.

Nun will ich euch aber nicht die tollen Antworten auf meine Fragen enthalten:

Wie kamst du zum Schreiben?

Irgendwann schreibe ich mal ein Buch. Das habe ich immer schon gesagt. Nach der Geburt meiner Tochter hatte ich zwar nicht zwangsläufig mehr Zeit dazu, aber bevor mein Gehirn zwischen Windeln, Milchflaschen und Babyrasseln völlig zu Brei wurde, musste ich etwas dagegen tun. Also habe ich jede freie Minute genutzt und einfach angefangen, um aus dem „irgendwann“ ein „jetzt“ zu machen.

 Was machst du denn sonst außer Schreiben?

Lesen, offensichtlich. Ohne Input kein Output.

War es für dich immer schon klar, dass du in dieses Genre eintauchst oder hast du auch anderes versucht?

Dass es Romanzen werden, war klar. Ich bin wesentlich zu bequem, um monatelange Recherchen für einen Thriller oder Ähnliches zu betreiben. Ich muss über etwas schreiben, das ich zwar nicht zwangsläufig erlebt haben muss, aber wenigstens in irgendeiner Weise nachvollziehen kann. Was die Erotik angeht… wer mich kennt, der weiß, dass meine Gedanken die halbe Zeit in der Gosse sind. So kann ich wenigstens etwas Produktives daraus machen.

Wie reagieren andere in deinem Bekanntenkreis, wenn du ihnen erzählst, was für Romane du schreibst?

Die Reaktionen waren bislang durchweg positiv. Falls jemand ein Problem damit hat, dann hat sich noch keiner getraut, es offen auszusprechen.

Sind die Personen im Roman „Nie genug“ mit realen Personen zu identifizieren?

Natürlich. Auf die ein oder andere Weise. Aber ich denke, das ist nur für mich offensichtlich. Ich kopiere keine realen Personen, bin aber durchaus inspiriert durch meine Mitmenschen und ihre Charakterzüge.

Was liest du denn selbst am liebsten und wer ist dein größtes Vorbild?

Ich hatte eine große Horror- und Thrillerphase, bevor ich überhaupt ein ernsthaftes Auge auf die Erotik gelegt habe. Stephen King, Dean Koontz, Petra Hammesfahr, etc. Aber irgendwann kann einen dann auch nichts mehr schocken.

Natürlich lese ich momentan auch selbst eine Menge Erotik. Gerade habe ich mich durch die gesamte Black-Dagger-Reihe durchgearbeitet, obwohl ich eigentlich nicht so viel Fantasy lese. In der letzten Woche habe ich dann den ersten Teil von Tina Folsoms Scansguards Vampires gelesen und ich befürchte, auch da habe ich „Blut geleckt“.

Im Bereich Erotik sind aber auf jeden Fall Megan Hart und Lauren Dane meine Favoriten.

Nimmst du lieber ein Buch aus Papier zur Hand oder einen eReader?

Lange habe ich mich dagegen gewehrt, doch jetzt würde ich meinen Kindle für nichts mehr hergeben. Es ist so praktisch, wenn man mit einer Hand festhalten und blättern kann, während man mit der anderen Hand noch das Mittagessen umrührt, damit es nicht anbrennt. Ich würde das Teil mit unter die Dusche nehmen, wenn es wasserdicht wäre.

Ab und an leihe ich noch mal Printbuch in der Bücherei, wenn meine Tochter die Kinderabteilung stürmt, aber kaufen würde ich nur noch ausgewählte Bücher.

Wo und in welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Es sind immer verschiedene Situationen. Mal mit brüllend lauter Musik auf den Ohren, weil ich nur so die Außengeräusche (TV, Telefon) ausblenden kann. Manchmal in völliger Stille, die ich allerdings selten finde. Oft zwischen Tür und Angel, wenn ich eigentlich nur ein paar Minuten Zeit habe, und dann doch mehr schaffe, als hätte ich den ganzen Tag Zeit.

Die Nacht ist meine bevorzugte Zeit, da dann alles schläft, keiner anruft und auch kein Fernseher läuft. Allein die Wahrscheinlichkeit von Störungen kann schon ablenkend sein. Leider ist das nur gelegentlich umsetzbar, da ich nicht jede Nacht bis 2.00 Uhr schreiben kann, wenn ich am nächsten Morgen schon wieder um 6.00 Uhr aufstehe.

Bekommst du selber auch Kopfkino, wenn du über so prickelnde Dinge schreibst?

Beim Schreiben weniger, da man so auf die Details fixiert ist (welcher Hand liegt gerade wo, etc.), dass es schon einen technischen Beigeschmack bekommt. Bei den anschließenden Korrekturen, die oft erst Wochen später stattfinden, sitze ich allerdings schon manchmal mit offenem Mund vor dem, was ich da geschrieben habe.

Was war dein Kindheitstraum?

Ich erinnere mich, dass ich mal Journalistin werden wollte. Hat ja auch irgendwie etwas mit Schreiben zu tun. Heute könnte ich mir das nicht mehr vorstellen.

Wie würdest du dich denn selber beschreiben in 3 Sätzen?

Außer der Tatsache, dass ich außerhalb meiner Familie ziemlich introvertiert bin, kann ich kaum etwas über mich selbst sagen. Man sagt Autoren eine gewisse Selbstverliebtheit nach, aber auf mich trifft eher das Gegenteil zu. Ich freue mich, wenn die Leute mit meinen Romanen eine gute Zeit haben, warte aber insgeheim immer noch auf das eine, vernichtende Urteil, dass mich alles infrage stellen lässt.

Zu guter Letzt: Was willst du deinen Lesern noch mit auf den Weg geben?

Die Resonanz auf „Nie genug“ hat mich völlig umgehauen. Jede Rückmeldung, auch wenn sie mit einer Kritik verbunden ist, freut mich immer noch ungemein. Zu sehen, dass sich die Leser(innen) so mit den Charakteren identifizieren, ist das größte Lob für mich.

Ganz herzlichen Dank, liebe Melanie, dass du dir die Zeit zur Beantwortung all der Fragen genommen hast! =)

Interview mit Hagen Wolfstetter posted by on 15. Juli 2012

Ich darf euch heute ein Interview mit dem Autor von „Landzucht“ und „Waldzucht„. Vor kurzem durfte ich letzteren Roman lesen, da Hagen Wolfstetter mir ein Rezensionsexemplar hierzu bereitgestellt hatte – vielen Dank nochmals hierfür!  Ich hatte sehr viel Spaß daran und wollte dann unbedingt mehr über die Person hinter den Zeilen wissen, also habe ich mir gleich einige Fragen überlegt und den Autor mit meiner Neugier überschwemmt =). Über den Autor gibt es zu sagen, dass er wie sein Protagonist im schönen Hessen wohnt und dort auch seine Bücher schreibt. Sein erstes Buch veröffentlichte er mit 10 Jahren (!), das „Igelbuch“. Des Weiteren schrieb er Jahre darauf für eine Fachzeitschrift, 2011 veröffentlichte er das erste eBook „New York Easy„. Im gleichen Jahr erschien auch sein erster Krimi „Landzucht“ und im darauffolgenden Jahr „Waldzucht“.

So und nun will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen, da ihr ja bestimmt gleich neugierig seid wie ich es war – was Hagen auf meine Fragen beantwortet hat:

Wie bist du zum Schreiben gekommen und wann hast du das erste Mal den Stift gezückt?

Ich war so ungefähr 10 Jahre alt, wir hatten im Spätherbst einen winzigen Igel gefunden. Den habe ich dann den ganzen Winter und bis ins Frühjahr beobachtet, gepflegt, Bilder gemacht und später ein Igelbuch geschrieben. Aber zu den Autoren zähle ich selbst mich erst seit den Krimis. Und zu denen kam ich durch einen Schicksalsschlag, ich gab damals nach 11 Jahren alle meine Ehrenämter auf (Elternbeirat und Vereinsvorsitzender), einige Monate später begann ich die Zeit zu nutzen und schrieb: „Landzucht“.

Wie kommen dir die Ideen zu deinen Figuren? Hast du da Notizen über diese oder hast du die im Kopf?

Das ist sehr unterschiedlich, aber Nasar kam durch einen Traum zu mir. Ich wachte ca. zwei Jahre vor Nasar auf und hatte einen Namen im Kopf „Ari Sanari“, über Anagramme kam ich auf „Nasar“. Ich habe die Figuren im Kopf, die ich in Tabellenform zu Papier bringe. Da steht dann z.B. Max Nasar: Geboren 19.2.1968, Chaot auf dem Schreibtisch, schaut ständig nach Frauen. Liebt seine Familie, Frankfurt und seinen Beruf …

Sind deine Figuren manchmal identisch mit echten Personen aus deinem Leben?

Manche sind (fast) identisch, da wird nur am Namen geschraubt und der Beruf ist ein anderer. Aber oft ist es auch ein Mix auf mehreren Leuten. Yvonne z.B. hat den Vornamen einer Arbeitskollegin, das Aussehen von einer guten Bekannten, den Nachnamen von der Person einem großen Teil ihres Charakters. Die Opfer sind jedoch frei erfunden.

Wie lange bist du etwa an einem Buch dran?

Das ist schwer zu beantworten, ich versuche es mal. Also ich sammle, ich schätze mal schon zwei Jahre bevor ich das erste Wort schreibe: Zeitungsausschnitte, Internetartikel, Ideen, Bilder. Vom ersten Buchstaben, bis zum Cover und der Korrektur sind es bisher zwischen 9 und 10 Monate. In denen ich mindestens an zwei langen Abenden in der Woche schreibe, meist öfter.

In welcher Umgebung schreibst du am liebsten?

Überall, nur Hauptsache alleine. Also es darf keiner mit mir sprechen wollen. Menschen die im Kaufhaus umherlaufen stören mich nicht, die können inspirieren. Auf dem Balkon die Vögel bringen gute Umgebungsideen. Aber die meiste Zeit sitze ich Abends in meinem kleinen Büro, da liegt mein Hund unter dem Schreibtisch und ich fühle mich sehr wohl dabei.

Welche Genre liest du denn selber am liebsten, was sind deine Lieblingsautoren?

Ich mag gerne Krimis, aber auch lustige Phantasy, ich liebe Donna Leaon, Simon Beckett, aber am meisten hat mir Douglas Adams gefallen. Da sind aber noch zahlreiche andere.

Ist dir ein Buch aus Papier lieber oder ein eBook?

Da bin ich nicht festgelegt. Ich mag immer noch sehr das Papier. Aber merke, mein Kindle ist einfach so praktisch und hat immer jede Menge Varianten für mich dabei. Wenn ich mich entscheiden müsste, was zum Glück keiner verlangt, würde ich das eBook wählen.

Wie stehst du zu deinen Lesern – hast du viel Kontakt mit diesen?

Die Kontakte werden immer vielfältiger, was ich sehr mag. Ich nehme Kritik (mittlerweile) einfach gerne auf, manche davon setze ich auch um, manches bleibt so wie es ist. An Lob, welches vielfältig kommt, erfreue ich mich unheimlich – es ist ein tolles Gefühl

Wie würdest du dich selbst beschreiben in 3 Sätzen?

Abenteuerer, der seine Familie liebt und gerne im Odenwald lebt.

Eigentlich bin ich gerne ein Weltenbummler, erfreue mich gerne auch meiner Heimat.

Ich bin selbstsicher, umgänglich und freundlich, und sehr hilfsbereit.

Wann dürfen wir mit weiterem Lesestoff von dir rechnen?

Ich schätze mal so in 9 bis 10 Monaten. Ich arbeite gerade an zwei neuen Projekten. Einer romantischen Kommödie und am nächsten Nasar.

The last question: Was willst du deinen Lesern auf den Weg mitgeben?

Jeden Tag eine gute Tat! Denkt daran und die Erde wird uns erhalten bleiben und wir miteinander immer besser klar kommen.

Vielen Dank für deine Zeit Simone!

Und ich danke dir, lieber Hagen, dass du dir die Zeit genommen hast meine neugierigen Fragen zu beantworten =)

Interview mit Matthias Zipfel posted by on 5. November 2011

So, es ist wieder so weit, ein neues Interview. Dem Autoren, dessen Leseexemplar von „KATZ oder Lügen haben schlanke Beine“ ich lesen durfte,  durfte ich ein paar Fragen stellen und bekam einige sehr interessante Antworten hierauf! Meine Rezension zu diesem überaus sehr lustigen, spannenden Buch findet ihr hier.  Matthias Zipfel, geboren 1959, ist seit 2010 freier Autor und lebt abwechselnd in Norddeutschland und auf Lanzarote. Mehr über ihn könnt ihr auch auf seiner Webseite erfahren. An dieser Stelle schon einmal einen riesengroßen Dank an Matthias, dass er mir meine neugierigen Fragen beantwortet hat! 🙂

Nun kommen wir zu dem spannenden Teil: Die Antworten auf die Fragen, die ich euch nicht vorenthalten will:

 

Wie kamst du auf die Idee mit dem Buch „KATZ oder Lügen haben schlanke Beine?“

 

Auf die Idee zum Roman kam ich beim Blick in die Zeitung und beim abendlichen Fernsehen: Arbeitslosigkeit, Finanzkrise, Bankenpleite, Euro und die gesamte EU am Abgrund, ein Krisengipfel nach dem anderen – miese Nachrichten, wohin man auch blickte. »Was würdest du in diesen Zeiten eigentlich selber gerne mal lesen?«, fragte ich mich. Die Antwort: etwas Lustiges, auf intelligente Art Unterhaltendes, etwas, wobei ich abschalten und den ganzen negativen Mist mal für eine Weile ausblenden kann. Da ich nichts in dieser Richtung finden konnte, was mich wirklich angesprochen hätte oder was ich noch nicht kannte, kam ich zu dem Schluss, dass ich dieses Buch wohl selber schreiben müsse. Und so entstand »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine«.

 

Ist Arno jemandem in Wirklichkeit ähnlich oder rein erfunden?

 

Ich glaube nicht, dass es wirklich »rein erfundene« Personen oder Figuren gibt. In allem, was erfunden wird, steckt immer auch etwas, was vorher er- oder gelebt wurde. Das ist bei Arno Katz nicht anders. In Arno stecken Personen oder Fragmente von Personen, die ich irgendwann mal gesehen, erlebt oder getroffen habe. Und mit Sicherheit auch ein Stück von mir (welches? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe: das beste!). Andererseits macht Arno Katz Dinge und denkt auf eine Art und Weise, die ganz konträr zu mir ist. Dann lebt diese erfundene Figur ihr eigenes Leben und lässt sich von mir erstaunlich wenig Vorschriften machen. Aber genau das ist ja das wirklich spannende am Schreiben und am Erfinden von Figuren!

 

 Wenn du einmal anfängst zu schreiben, wie lange sitzt du dann an einem Stück daran?

 

Das ist ganz unterschiedlich. Leider fehlt mir die Fähigkeit, ein definiertes Tages-Schreibpensum akribisch-diszipliniert abzuarbeiten. Es gibt Schriftsteller, die das können und aus dem Schreiben fast so eine Art Büroalltag machen. Jeden Tag soundso viel Seiten oder Wörter. Irgendwie beneidenswert. Ich bin dazu leider zu chaotisch. Was den Output betrifft: An guten Tagen, wenn es so richtig läuft, schaffe ich ein erstaunliches Pensum. Wenn es nicht läuft, schaffe ich – nix.

 

Mein eigentliches Problem ist meistens, ins Schreiben »hineinzukommen«. Solange ich nicht drin bin, könnte ich jede Maus verklagen, die es wagt, zu laut aufzutreten. Da quäle ich mich dann schon ziemlich herum und versuche es erst mal mit Ablenkungsmanövern. Das heißt, mir fällt dann zum Beispiel plötzlich ein, dass ich vielleicht meine Schuhe putzen sollte, bevor es mit dem Schreiben losgeht. Oder dass der Müll herausgetragen werden müsste. Meine Frau lacht dann immer. Warum? Weil es mir sonst nie von alleine auffällt, dass der Müll herausgetragen werden müsste. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Frauen von Schriftstellern (und die Männer von Schriftstellerinnen, denke ich) die wahren Helden sind, weil ihnen ein beträchtliches Maß an Toleranz, Verständnis und Einfühlungsvermögen abverlangt wird?

 

Wie durchlebst du deine Geschichte in dem Moment, in dem du sie schreibst?

 

Beim Schreiben meiner Geschichte bin ich komplett in meiner erfundenen Parallelwelt. Das Problem dabei: Nicht nur beim Schreiben, sondern auch in den Zeiten dazwischen. Manchmal fällt es mir richtig schwer, wieder in meine reale, die »richtige« Welt einzutauchen. Und ab und zu erwische ich mich dabei, wie ich mich in ganz realen Situationen frage, wie sich jetzt wohl Arno Katz verhalten würde/hätte. Das ist eine Situation, die anhält, bis das Buch komplett fertig ist. Das kann zuweilen auch etwas anstrengend sein. Natürlich auch für die Angehörigen. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Frauen von Schriftstellern …. ?

 

Hast du Lieblingsautoren? Liest du selber viel?

 

Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, die ich sehr schätze, zum Teil sogar bewundere. John Irving zum Beispiel oder Jeffrey Eugenides, aber auch Paul Auster, Philip Roth, Richard Powers, Daniel Kehlmann, Mario Vargas Llosa, Gabriel Garcia Márquez (nur eine unvollständige Aufzählung der Autoren, die mir auf Anhieb einfallen). Und dann gibt es da noch die ganzen Klassiker wie Dostojewski, Kafka, Dickens, Flaubert, Hugo, und die vielleicht weniger bekannten, die sich aber (wieder zu) entdecken lohnen wie Friedrich Glauser oder Hugo Ball.

 

Es gab und gibt so viele tolle Autoren, dass es wirklich eine Freude ist, ihre Werke zu lesen. Was mich auf den zweiten Teil der Frage bringt: Klar lese ich viel! Oder ich versuche es zumindest. Ich denke nämlich, wer gut schreiben will, der sollte unbedingt viel lesen. Durch nichts kann man so viel über gutes Schreiben erfahren wie durchs Lesen!

 

Wie bist du denn auf das Schreiben gekommen und was hast du davor gemacht?

 

Fotografie oder Journalismus – diese beiden Sachen schwirrten nach der Schule in meinem Kopf als Berufswunsch herum. Deshalb habe ich zuerst in Köln Fotografie studiert, danach in einer Presseagentur in Hamburg als Bildjournalist gearbeitet, bin dann nach München gegangen und habe in einem Zeitschriftenverlag ein Volontariat als schreibender Journalist absolviert. Nach einer ganzen Reihe von Jahren in der Chefredaktion einer Publikumszeitschrift musste ich feststellen, dass mir der Beruf zu bürokratisch geworden war. Viel, viel Administration und nur noch zu wenig von dem, was mir an meinem Job eigentlich Spaß gemacht hatte. Deshalb beschloss ich, noch mal etwas ganz Anderes zu machen und mich dem Schreiben und Büchermachen zu widmen. Neben Auftragsarbeiten (Biografien, Firmenbiografien, die verschiedensten Bücher anderer Autoren zu den verschiedensten Anlässen) zuerst einen Krimi (unter Pseudonym) und dann »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine«.

 

An welchem Ort schreibst du am liebsten, hörst du Musik dabei?

 

Der Ort, an dem ich schreibe, ist für mich eigentlich gar nicht so wichtig. Wenn ich im Schreibfluss drin bin, dann könnte man mich mitsamt Computer mitten auf der Startbahn West des Frankfurter Flughafens aussetzen. Würde mich gar nicht stören, wahrscheinlich würde ich es noch nicht mal bemerken. In diesen Momenten ist das Schreiben die schönste Tätigkeit, die man sich vorstellen kann. Aber es gibt natürlich auch die Tage, an denen es einfach nicht laufen will. Da könnte ich dann … ach, reden wir lieber nicht davon! Übrigens: Musik höre ich beim Schreiben nie.

 

Wolltest du schon immer Schriftsteller werden?

 

Um einen dieser beliebten Mythen gleich vorweg zu zerstören: Ich habe nicht schon als kleines Kind auf dem Töpfchen davon geträumt, später einmal Schriftsteller zu werden. Und es gibt auch keine Aufzeichnungen über mich aus dem Kindergarten, die beweisen, dass ich schon damals nichts lieber gemacht habe, als Geschichten zu erfinden. Fehlanzeige. Aber ich konnte es nicht abwarten, bis ich endlich lesen konnte, habe es deshalb auch in Rekordzeit gelernt, sämtliche Art von Büchern, die ich nur kriegen konnte, verschlungen und alle diejenigen bewundert, die diese tollen Bücher geschrieben haben. Wenn ich es mir recht überlege: Vielleicht wollte ich doch schon immer heimlich Schriftsteller werden? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

 

 Liest du selbst auch E-Books oder nimmst du die Bücher doch lieber in die Hand?

 

Es gibt im Moment eine Diskussion über »eBooks – ja oder nein«, die ich, ehrlich gesagt, etwas abstrus finde. Ich bin viel unterwegs, und da sind eBooks für mich ein wahrer Segen. Ich kann ständig die Bücher, die mir etwas bedeuten, bei mir haben, und der kleine Reader wiegt trotzdem immer dasselbe. In Papierform müsste ich dazu ständig eine Schubkarre bei mir haben und für Übergepäck das Mehrfache des Flugpreises berappen. Außerdem ist das Lesen auf den gängigen eReadern wirklich angenehm. Anderseits bin ich mit Papier groß geworden. Ich liebe die Haptik und den Geruch von bedrucktem Papier! Deshalb versuche ich, beide »Welten« für mich zu nutzen: Ich vergrabe mich am Wochenende sehr gerne unter den bedruckten Papierbergen meiner Sonntagszeitung und informiere mich in der Woche durch das Angebot im Internet; ich ziehe mich gerne mit einem gedruckten Buch auf das gemütliche Sofa zurück und möchte trotzdem meinen eReader um nichts in der Welt missen. Ich finde es einfach toll, dass es beides gibt. Und außerdem: Ich habe noch von keinem Gesetz gehört, das das Lesen eines gedruckten Buches verbietet, sobald man sich einen eReader angeschafft hat. Und umgekehrt auch nicht.

 

 Wie kommen dir die Ideen zu deinen Büchern?

 

Da gibt es kein Muster: Beim Zeitunglesen, unter der Dusche, Sonntag nachmittags auf dem Sofa, beim Einkaufen, beim Warten, dass die Ampel endlich grün wird, im Café und – zum Leidwesen aller Beteiligten – manchmal mitten in der Nacht, wenn alle denken, ich würde schon längst schlafen.

 

Wie ist das Gefühl, wenn du das Buch zu Ende geschrieben hast?

 

Das ist eine seltsame Mischung aus Freude, Erleichterung, Stolz und einer gehörigen Prise Melancholie. Ich freue mich dann, das Projekt tatsächlich wie geplant zu Ende gebracht zu haben und bin gleichzeitig traurig darüber, meine Romanfiguren nicht mehr um mich zu haben. Auf der anderen Seite geht zu diesem Zeitpunkt die Arbeit eigentlich erst richtig los, denn als Autor, der keinen bekannten Namen und auch keinen bekannten Verlag im Rücken hat, muss ich jetzt die gesamte Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache erledigen. Und das ist eine Menge Holz. Ich bin überhaupt kein neidischer Mensch und ich beneide auch meine berühmten Kollegen, die von großen Verlagen vertreten werden, weder um ihren Erfolg noch um das Geld, das sie verdienen. Aber um eine Sache beneide ich sie doch, nämlich dass sie sich im Wesentlichen auf das konzentrieren können, was Autoren am liebsten tun: schreiben.

 

 Stehst du viel in Kontakt mit deinen Lesern?

 

So oft und so viel wie nur möglich. Ich freue mich über jede Resonanz und jeden Leserkontakt. Ich meine, die Leserinnen und Leser sind doch das Wichtigste, was ein Autor hat, oder? Von meinen Lesern erfahre ich, was sie mögen und was nicht, was funktioniert und was nicht. Die Leser investieren ihre Zeit und ihre Fantasie, wenn sie meine Texte lesen. Und da sollte ich nicht den Kontakt zu ihnen suchen? Wäre doch ein Wahnsinn! Ich bin fest überzeugt: Ein Schriftsteller, für den nicht seine Leser der absolute Mittelpunkt sind, wird über kurz oder lang seinen Erfolg verlieren. Oder gar nicht erst welchen haben.

 

 Bestimmt erwarten viele schon neuen Lesestoff nach Arno – ist da schon etwas geplant?

 

Arno Katz macht erst mal eine kleine, wohlverdiente Pause. Hat ja schließlich einen anstrengenden Job. Währenddessen arbeite ich an einer Reihe von Erzählungen. Diese Form reizt mich sehr, weil man eben nicht den Umfang eines Romans hat, um seine Geschichte »in Ruhe zu entwickeln und auszubreiten«, sondern doch alles sehr viel mehr auf den Punkt bringen muss. Finde ich sehr spannend! Natürlich wird der Leser – was den Schreibstil, die Figuren und den Humor anbelangt – auch in diesen Erzählungen einiges von dem wiederfinden, was ihm an »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine« gut gefallen hat. Danach werde ich mich mit Arno zusammensetzen. Könnte mir vorstellen, dass er in der Zwischenzeit durchaus einige skurrile Fälle zu lösen hat. Und vielleicht engagiert er mich ja wieder, um diese Geschichten zu erzählen. Wer weiß!

 

 Wie würdest du dich selbst anderen gegenüber beschreiben?

 

Uff, das ist mir immer schon schwergefallen. Mich selber zu beschreiben, meine ich. Aber gut, versuchen wir‘s: Ich bin ein guter Beobachter, dem sofort die entscheidenden, typischen Eigenheiten einer Situation oder einer Person auffallen, ich kann diese Beobachtungen sehr gut in anderen Zusammenhängen wieder zusammensetzen und – was noch viel wichtiger ist – so pointiert und charakteristisch beschreiben, wie ich sie erlebt habe. Schon mal eine ganz gute Sache für einen Schriftsteller. Ich bin ziemlich harmoniebedürftig (was mich manchmal selber stört), dafür überhaupt nicht eitel, und nehme mich selber nicht so furchtbar wichtig. Und das ist für meine Arbeit sehr gut. Warum? Ganz einfach: Ich finde, wenn du ein (gutes) Buch liest, dann ist zwischen dir und dem Buch kein Platz für einen Dritten. Oder willst du da zwischen jeder zweiten Zeile den Autor rufen hören: »Schau mal, wie toll! Habe ich geschrieben! Genial was?« Wohl kaum! Deshalb finde ich es ganz gut, wenn der Autor sich selbst zurücknimmt. Schließlich geht es im Grunde nicht um ihn, sondern um seine Geschichte, oder?

 

 And the Last: Möchtest du noch etwas an uns treue Leser loswerden?

 

Ich finde, dass wir Leser (ich sage »wir«, weil ich ja auch einer bin) eigentlich sehr viel Einfluss haben, diesen aber viel zu defensiv ausüben. Ich finde die ganze Thematik »eBooks« – und damit die neuen Möglichkeiten für Autoren, auch ohne Verlag im Rücken ihre Arbeiten veröffentlichen zu können – ungeheuer faszinierend. Als Autor natürlich, aber eben auch als Leser, denn dabei gibt es viele interessante Texte und Talente zu entdecken! Natürlich auch viel Mist, zugegeben. Aber seien wir doch mal ganz ehrlich: Gibt es den nicht auch in den Bestsellerlisten? Deshalb hätte ich folgende Wünsche an alle anderen Leser: Nicht immer nur lesen, was irgendwelche Institutionen schon für gut befunden haben; nicht immer nur lesen, was geschäftstüchtige Verlage zu vermarkten wünschen; nicht immer nur die Bestsellerlisten herauf- und herunterlesen; nicht von vornherein ablehnen, was nicht in gedruckter Form, sondern als eBook daherkommt (zumal hier sowieso die Zukunft des Buches liegen wird); offen sein für Neues, das noch nicht den Erfolgsstempel trägt. Vielleicht vergeudet man als Leser dabei manchmal auch seine Zeit, kann sein. Aber am Ende wird selbst das mehr Gewinn als Verlust sein.