Interview mit Matthias Zipfel posted by on 5. November 2011

So, es ist wieder so weit, ein neues Interview. Dem Autoren, dessen Leseexemplar von “KATZ oder Lügen haben schlanke Beine” ich lesen durfte,  durfte ich ein paar Fragen stellen und bekam einige sehr interessante Antworten hierauf! Meine Rezension zu diesem überaus sehr lustigen, spannenden Buch findet ihr hier.  Matthias Zipfel, geboren 1959, ist seit 2010 freier Autor und lebt abwechselnd in Norddeutschland und auf Lanzarote. Mehr über ihn könnt ihr auch auf seiner Webseite erfahren. An dieser Stelle schon einmal einen riesengroßen Dank an Matthias, dass er mir meine neugierigen Fragen beantwortet hat! :)

Nun kommen wir zu dem spannenden Teil: Die Antworten auf die Fragen, die ich euch nicht vorenthalten will:

 

Wie kamst du auf die Idee mit dem Buch „KATZ oder Lügen haben schlanke Beine?“

 

Auf die Idee zum Roman kam ich beim Blick in die Zeitung und beim abendlichen Fernsehen: Arbeitslosigkeit, Finanzkrise, Bankenpleite, Euro und die gesamte EU am Abgrund, ein Krisengipfel nach dem anderen – miese Nachrichten, wohin man auch blickte. »Was würdest du in diesen Zeiten eigentlich selber gerne mal lesen?«, fragte ich mich. Die Antwort: etwas Lustiges, auf intelligente Art Unterhaltendes, etwas, wobei ich abschalten und den ganzen negativen Mist mal für eine Weile ausblenden kann. Da ich nichts in dieser Richtung finden konnte, was mich wirklich angesprochen hätte oder was ich noch nicht kannte, kam ich zu dem Schluss, dass ich dieses Buch wohl selber schreiben müsse. Und so entstand »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine«.

 

Ist Arno jemandem in Wirklichkeit ähnlich oder rein erfunden?

 

Ich glaube nicht, dass es wirklich »rein erfundene« Personen oder Figuren gibt. In allem, was erfunden wird, steckt immer auch etwas, was vorher er- oder gelebt wurde. Das ist bei Arno Katz nicht anders. In Arno stecken Personen oder Fragmente von Personen, die ich irgendwann mal gesehen, erlebt oder getroffen habe. Und mit Sicherheit auch ein Stück von mir (welches? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe: das beste!). Andererseits macht Arno Katz Dinge und denkt auf eine Art und Weise, die ganz konträr zu mir ist. Dann lebt diese erfundene Figur ihr eigenes Leben und lässt sich von mir erstaunlich wenig Vorschriften machen. Aber genau das ist ja das wirklich spannende am Schreiben und am Erfinden von Figuren!

 

 Wenn du einmal anfängst zu schreiben, wie lange sitzt du dann an einem Stück daran?

 

Das ist ganz unterschiedlich. Leider fehlt mir die Fähigkeit, ein definiertes Tages-Schreibpensum akribisch-diszipliniert abzuarbeiten. Es gibt Schriftsteller, die das können und aus dem Schreiben fast so eine Art Büroalltag machen. Jeden Tag soundso viel Seiten oder Wörter. Irgendwie beneidenswert. Ich bin dazu leider zu chaotisch. Was den Output betrifft: An guten Tagen, wenn es so richtig läuft, schaffe ich ein erstaunliches Pensum. Wenn es nicht läuft, schaffe ich – nix.

 

Mein eigentliches Problem ist meistens, ins Schreiben »hineinzukommen«. Solange ich nicht drin bin, könnte ich jede Maus verklagen, die es wagt, zu laut aufzutreten. Da quäle ich mich dann schon ziemlich herum und versuche es erst mal mit Ablenkungsmanövern. Das heißt, mir fällt dann zum Beispiel plötzlich ein, dass ich vielleicht meine Schuhe putzen sollte, bevor es mit dem Schreiben losgeht. Oder dass der Müll herausgetragen werden müsste. Meine Frau lacht dann immer. Warum? Weil es mir sonst nie von alleine auffällt, dass der Müll herausgetragen werden müsste. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Frauen von Schriftstellern (und die Männer von Schriftstellerinnen, denke ich) die wahren Helden sind, weil ihnen ein beträchtliches Maß an Toleranz, Verständnis und Einfühlungsvermögen abverlangt wird?

 

Wie durchlebst du deine Geschichte in dem Moment, in dem du sie schreibst?

 

Beim Schreiben meiner Geschichte bin ich komplett in meiner erfundenen Parallelwelt. Das Problem dabei: Nicht nur beim Schreiben, sondern auch in den Zeiten dazwischen. Manchmal fällt es mir richtig schwer, wieder in meine reale, die »richtige« Welt einzutauchen. Und ab und zu erwische ich mich dabei, wie ich mich in ganz realen Situationen frage, wie sich jetzt wohl Arno Katz verhalten würde/hätte. Das ist eine Situation, die anhält, bis das Buch komplett fertig ist. Das kann zuweilen auch etwas anstrengend sein. Natürlich auch für die Angehörigen. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Frauen von Schriftstellern …. ?

 

Hast du Lieblingsautoren? Liest du selber viel?

 

Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, die ich sehr schätze, zum Teil sogar bewundere. John Irving zum Beispiel oder Jeffrey Eugenides, aber auch Paul Auster, Philip Roth, Richard Powers, Daniel Kehlmann, Mario Vargas Llosa, Gabriel Garcia Márquez (nur eine unvollständige Aufzählung der Autoren, die mir auf Anhieb einfallen). Und dann gibt es da noch die ganzen Klassiker wie Dostojewski, Kafka, Dickens, Flaubert, Hugo, und die vielleicht weniger bekannten, die sich aber (wieder zu) entdecken lohnen wie Friedrich Glauser oder Hugo Ball.

 

Es gab und gibt so viele tolle Autoren, dass es wirklich eine Freude ist, ihre Werke zu lesen. Was mich auf den zweiten Teil der Frage bringt: Klar lese ich viel! Oder ich versuche es zumindest. Ich denke nämlich, wer gut schreiben will, der sollte unbedingt viel lesen. Durch nichts kann man so viel über gutes Schreiben erfahren wie durchs Lesen!

 

Wie bist du denn auf das Schreiben gekommen und was hast du davor gemacht?

 

Fotografie oder Journalismus – diese beiden Sachen schwirrten nach der Schule in meinem Kopf als Berufswunsch herum. Deshalb habe ich zuerst in Köln Fotografie studiert, danach in einer Presseagentur in Hamburg als Bildjournalist gearbeitet, bin dann nach München gegangen und habe in einem Zeitschriftenverlag ein Volontariat als schreibender Journalist absolviert. Nach einer ganzen Reihe von Jahren in der Chefredaktion einer Publikumszeitschrift musste ich feststellen, dass mir der Beruf zu bürokratisch geworden war. Viel, viel Administration und nur noch zu wenig von dem, was mir an meinem Job eigentlich Spaß gemacht hatte. Deshalb beschloss ich, noch mal etwas ganz Anderes zu machen und mich dem Schreiben und Büchermachen zu widmen. Neben Auftragsarbeiten (Biografien, Firmenbiografien, die verschiedensten Bücher anderer Autoren zu den verschiedensten Anlässen) zuerst einen Krimi (unter Pseudonym) und dann »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine«.

 

An welchem Ort schreibst du am liebsten, hörst du Musik dabei?

 

Der Ort, an dem ich schreibe, ist für mich eigentlich gar nicht so wichtig. Wenn ich im Schreibfluss drin bin, dann könnte man mich mitsamt Computer mitten auf der Startbahn West des Frankfurter Flughafens aussetzen. Würde mich gar nicht stören, wahrscheinlich würde ich es noch nicht mal bemerken. In diesen Momenten ist das Schreiben die schönste Tätigkeit, die man sich vorstellen kann. Aber es gibt natürlich auch die Tage, an denen es einfach nicht laufen will. Da könnte ich dann … ach, reden wir lieber nicht davon! Übrigens: Musik höre ich beim Schreiben nie.

 

Wolltest du schon immer Schriftsteller werden?

 

Um einen dieser beliebten Mythen gleich vorweg zu zerstören: Ich habe nicht schon als kleines Kind auf dem Töpfchen davon geträumt, später einmal Schriftsteller zu werden. Und es gibt auch keine Aufzeichnungen über mich aus dem Kindergarten, die beweisen, dass ich schon damals nichts lieber gemacht habe, als Geschichten zu erfinden. Fehlanzeige. Aber ich konnte es nicht abwarten, bis ich endlich lesen konnte, habe es deshalb auch in Rekordzeit gelernt, sämtliche Art von Büchern, die ich nur kriegen konnte, verschlungen und alle diejenigen bewundert, die diese tollen Bücher geschrieben haben. Wenn ich es mir recht überlege: Vielleicht wollte ich doch schon immer heimlich Schriftsteller werden? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

 

 Liest du selbst auch E-Books oder nimmst du die Bücher doch lieber in die Hand?

 

Es gibt im Moment eine Diskussion über »eBooks – ja oder nein«, die ich, ehrlich gesagt, etwas abstrus finde. Ich bin viel unterwegs, und da sind eBooks für mich ein wahrer Segen. Ich kann ständig die Bücher, die mir etwas bedeuten, bei mir haben, und der kleine Reader wiegt trotzdem immer dasselbe. In Papierform müsste ich dazu ständig eine Schubkarre bei mir haben und für Übergepäck das Mehrfache des Flugpreises berappen. Außerdem ist das Lesen auf den gängigen eReadern wirklich angenehm. Anderseits bin ich mit Papier groß geworden. Ich liebe die Haptik und den Geruch von bedrucktem Papier! Deshalb versuche ich, beide »Welten« für mich zu nutzen: Ich vergrabe mich am Wochenende sehr gerne unter den bedruckten Papierbergen meiner Sonntagszeitung und informiere mich in der Woche durch das Angebot im Internet; ich ziehe mich gerne mit einem gedruckten Buch auf das gemütliche Sofa zurück und möchte trotzdem meinen eReader um nichts in der Welt missen. Ich finde es einfach toll, dass es beides gibt. Und außerdem: Ich habe noch von keinem Gesetz gehört, das das Lesen eines gedruckten Buches verbietet, sobald man sich einen eReader angeschafft hat. Und umgekehrt auch nicht.

 

 Wie kommen dir die Ideen zu deinen Büchern?

 

Da gibt es kein Muster: Beim Zeitunglesen, unter der Dusche, Sonntag nachmittags auf dem Sofa, beim Einkaufen, beim Warten, dass die Ampel endlich grün wird, im Café und – zum Leidwesen aller Beteiligten – manchmal mitten in der Nacht, wenn alle denken, ich würde schon längst schlafen.

 

Wie ist das Gefühl, wenn du das Buch zu Ende geschrieben hast?

 

Das ist eine seltsame Mischung aus Freude, Erleichterung, Stolz und einer gehörigen Prise Melancholie. Ich freue mich dann, das Projekt tatsächlich wie geplant zu Ende gebracht zu haben und bin gleichzeitig traurig darüber, meine Romanfiguren nicht mehr um mich zu haben. Auf der anderen Seite geht zu diesem Zeitpunkt die Arbeit eigentlich erst richtig los, denn als Autor, der keinen bekannten Namen und auch keinen bekannten Verlag im Rücken hat, muss ich jetzt die gesamte Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache erledigen. Und das ist eine Menge Holz. Ich bin überhaupt kein neidischer Mensch und ich beneide auch meine berühmten Kollegen, die von großen Verlagen vertreten werden, weder um ihren Erfolg noch um das Geld, das sie verdienen. Aber um eine Sache beneide ich sie doch, nämlich dass sie sich im Wesentlichen auf das konzentrieren können, was Autoren am liebsten tun: schreiben.

 

 Stehst du viel in Kontakt mit deinen Lesern?

 

So oft und so viel wie nur möglich. Ich freue mich über jede Resonanz und jeden Leserkontakt. Ich meine, die Leserinnen und Leser sind doch das Wichtigste, was ein Autor hat, oder? Von meinen Lesern erfahre ich, was sie mögen und was nicht, was funktioniert und was nicht. Die Leser investieren ihre Zeit und ihre Fantasie, wenn sie meine Texte lesen. Und da sollte ich nicht den Kontakt zu ihnen suchen? Wäre doch ein Wahnsinn! Ich bin fest überzeugt: Ein Schriftsteller, für den nicht seine Leser der absolute Mittelpunkt sind, wird über kurz oder lang seinen Erfolg verlieren. Oder gar nicht erst welchen haben.

 

 Bestimmt erwarten viele schon neuen Lesestoff nach Arno – ist da schon etwas geplant?

 

Arno Katz macht erst mal eine kleine, wohlverdiente Pause. Hat ja schließlich einen anstrengenden Job. Währenddessen arbeite ich an einer Reihe von Erzählungen. Diese Form reizt mich sehr, weil man eben nicht den Umfang eines Romans hat, um seine Geschichte »in Ruhe zu entwickeln und auszubreiten«, sondern doch alles sehr viel mehr auf den Punkt bringen muss. Finde ich sehr spannend! Natürlich wird der Leser – was den Schreibstil, die Figuren und den Humor anbelangt – auch in diesen Erzählungen einiges von dem wiederfinden, was ihm an »KATZ oder Lügen haben schlanke Beine« gut gefallen hat. Danach werde ich mich mit Arno zusammensetzen. Könnte mir vorstellen, dass er in der Zwischenzeit durchaus einige skurrile Fälle zu lösen hat. Und vielleicht engagiert er mich ja wieder, um diese Geschichten zu erzählen. Wer weiß!

 

 Wie würdest du dich selbst anderen gegenüber beschreiben?

 

Uff, das ist mir immer schon schwergefallen. Mich selber zu beschreiben, meine ich. Aber gut, versuchen wir‘s: Ich bin ein guter Beobachter, dem sofort die entscheidenden, typischen Eigenheiten einer Situation oder einer Person auffallen, ich kann diese Beobachtungen sehr gut in anderen Zusammenhängen wieder zusammensetzen und – was noch viel wichtiger ist – so pointiert und charakteristisch beschreiben, wie ich sie erlebt habe. Schon mal eine ganz gute Sache für einen Schriftsteller. Ich bin ziemlich harmoniebedürftig (was mich manchmal selber stört), dafür überhaupt nicht eitel, und nehme mich selber nicht so furchtbar wichtig. Und das ist für meine Arbeit sehr gut. Warum? Ganz einfach: Ich finde, wenn du ein (gutes) Buch liest, dann ist zwischen dir und dem Buch kein Platz für einen Dritten. Oder willst du da zwischen jeder zweiten Zeile den Autor rufen hören: »Schau mal, wie toll! Habe ich geschrieben! Genial was?« Wohl kaum! Deshalb finde ich es ganz gut, wenn der Autor sich selbst zurücknimmt. Schließlich geht es im Grunde nicht um ihn, sondern um seine Geschichte, oder?

 

 And the Last: Möchtest du noch etwas an uns treue Leser loswerden?

 

Ich finde, dass wir Leser (ich sage »wir«, weil ich ja auch einer bin) eigentlich sehr viel Einfluss haben, diesen aber viel zu defensiv ausüben. Ich finde die ganze Thematik »eBooks« – und damit die neuen Möglichkeiten für Autoren, auch ohne Verlag im Rücken ihre Arbeiten veröffentlichen zu können – ungeheuer faszinierend. Als Autor natürlich, aber eben auch als Leser, denn dabei gibt es viele interessante Texte und Talente zu entdecken! Natürlich auch viel Mist, zugegeben. Aber seien wir doch mal ganz ehrlich: Gibt es den nicht auch in den Bestsellerlisten? Deshalb hätte ich folgende Wünsche an alle anderen Leser: Nicht immer nur lesen, was irgendwelche Institutionen schon für gut befunden haben; nicht immer nur lesen, was geschäftstüchtige Verlage zu vermarkten wünschen; nicht immer nur die Bestsellerlisten herauf- und herunterlesen; nicht von vornherein ablehnen, was nicht in gedruckter Form, sondern als eBook daherkommt (zumal hier sowieso die Zukunft des Buches liegen wird); offen sein für Neues, das noch nicht den Erfolgsstempel trägt. Vielleicht vergeudet man als Leser dabei manchmal auch seine Zeit, kann sein. Aber am Ende wird selbst das mehr Gewinn als Verlust sein.

Interview mit der Autorin Birgit Böckli posted by on 12. Oktober 2011

Vor ein paar Tagen hatte ich das Vergnügen mit dem Leseexemplar von Sonnenthal. Meine Rezension dazu findet ihr hier. Auch ist schon ein neues Buch in Veröffentlichung und zwar Friesensturm, den es im März 2012 als Taschenbuch zu kaufen gibt – welchen ich mir auf keinen Fall entgehen lassen werde, denn bin ich doch schon ein großer Fan der Autorin, allein der Kurzthriller Sonnenthal hat mich schon überzeugt! Birgit war so nett und hat mir einige Fragen beantwortet, hier einmal einen ganz, ganz großen Dank an die liebe Autorin! Aber zuerst einmal möchte ich euch die Autorin kurz vorstellen: Sie wurde 1972 in Rheydt bei Mönchengladbach geboren. Nun lebt sie im Norden Baden-Württembergs, wo sie seit kurz nach ihrer Einschulung lebt.

Nun möchte ich euch aber die Fragen & Antworten nicht vorenthalten, seht hier:

 

Wie kamst du zum Schreiben und was hast du davor gemacht? 

Ich kann mich eigentlich gar nicht an eine Zeit erinnern, in der ich nicht den Kopf voller Geschichten hatte. Das fing schon im Kindergarten an, wo ich allen mit meinen Ideen auf die Nerven gegangen bin. In der Grundschule hab ich dann angefangen, erste Texte zu schreiben, Kurzgeschichten, später auch längere Erzählungen. Ernsthaft mit Techniken und Stilfragen habe ich mich erst sehr viel später beschäftigt, wobei ich eigentlich noch immer am liebsten aus dem Bauch heraus schreibe. Beruflich habe ich schon alles mögliche gemacht, vom Einzelhandel bis zur Pflege in einer psychiatrischen Einrichtung, aber das Schreiben hat mich immer begleitet.

 

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Da ich nach wie vor am liebsten mit der Hand schreibe, bin ich da ziemlich ungebunden. Das kann zu Hause im Sessel oder in einem Park sein oder auch im Bus, wenn es nicht allzu sehr holpert. Am liebsten schreibe ich aber zu Hause im Wohnzimmer.

 

Liest du in deiner Freizeit selber gerne und welches Genre bevorzugt?

Ich lese sehr gerne, auch wenn ich mich aus zeitlichen Gründen leider oft einschränken muß. Am liebsten Spannungsromane, Horror, Psychothriller, aber auch Krimis und Kurzgeschichten. Aber ich bin da sehr offen, wenn ein Text gut ist und der Autor mich mit nimmt, darf es beinahe jedes Genre sein.

 

Wer sind deine Idole?

Idole wäre zu viel gesagt, doch es gibt schon einige Autoren, die mich sehr beeindruckt haben. Stephen King, Shirley Jackson, Orson Wells, aber auch deutsche Autoren wie Sebastian Fitzek oder Tanja Kinkel.

 

 Wie sehr bist du mit deinen Charakteren verbunden wenn du am Schreiben bist?

Ich schreibe am liebsten in der personalen Perspektive, wo ich komplett mit einer Figur verschmelzen kann. Wenn ich mich intensiv mit einer einzelnen Geschichte befasse, gehe ich darin auf und empfinde alles hautnah mit, und ich denke, so sollte es auch sein. Wie sollte ich sonst Emotionen aufs Papier übertragen können. Für mich wäre das undenkbar.

 

 Ist es für einen Autor selber auch schwer loszulassen, wenn das Buch zu Ende ist?

Für mich ist es oft eine Erleichterung, denn auf die Schreibphase folgen ja zuerst einmal mehrere Überarbeitungen, die nicht immer nur Spaß machen. Da ist es eher die vorangehende Planungszeit, in der ich die Handlung nicht aus dem Kopf bekomme, vor allem wenn, wie bei mir häufig der Fall, die Geschichte erst nach und nach entsteht und nicht von vornherein alles klar ist. Da können mich die Figuren schon mal bis in den Schlaf hinein verfolgen.

 

 Wie fallen dir deine Handlungen ein für ein Buch und wie setzt du sie dann gleich um?

Ich arbeite immer an mehreren Sachen gleichzeitig. Die Texte befinden sich dabei meist in verschiedenen Stadien, nebenbei sammle ich einfach nur Ideen, mache mir ab und zu auch einfach Notizen, aber das meiste speichere ich nach wie vor im Kopf ab. Daß ich eine Idee direkt umsetze, kommt eher selten vor, sie brauchen ja auch Zeit, um sich zu entwickeln, oft einige Wochen bis Monate, manchmal verwerfe ich sie auch wieder, weil aus dem Chaos in meinen Gedanken einfach kein logischer Plot entstehen will.

Woher die Handlungen kommen, weiß ich nicht, sie kommen einfach, sind plötzlich da, ohne daß ich einen Zusammenhang zu tatsächlichen Ereignissen feststellen kann. Das war schon immer so.

 

 War es für dich gleich klar, dass du mal Schriftstellerin wirst und deine Bücher an einen Verlag schickst?

Ich habe das Schreiben immer als meine Aufgabe im Leben gesehen, einfach weil ich gar nicht anders konnte und ich schon in der Schule bemerkt habe, daß es da Leute gab, die an meinen Texten Freude hatten. Ich wäre unglücklich, wenn ich nicht schreiben dürfte, es ist ein großer Teil meines Lebens. Die typische Odyssee, von der so viele Autoren berichten, habe ich aber nicht durchgemacht. Ich habe erst relativ spät angefangen, ein paar Leseproben an Verlage zu schicken und da auch nicht allzu viele Versuche unternommen. Als ich mich dann wirklich dahinter geklemmt habe und gesagt habe, jetzt bin ich soweit, ich möchte unbedingt verlegt werden, hat es glücklicherweise auch relativ schnell geklappt.

 

 Hast du viel Kontakt zu deinen Lesern und wie wichtig ist dir dieser?

Ich stehe ja noch ziemlich am Anfang. Über die kindle edition bei Amazon habe ich einige Erzählungen hochgeladen, mein Krimi Friesensturm, mein erstes Buch, das über einen Verlag erscheint, hat gerade das Licht der Welt erblickt. Erste Kontakte zu meinen Lesern habe ich über meine Testleserunden bekommen, da kamen ein paar sehr nette Gespräche zustande. Inzwischen haben mich auch einige Leute schon von sich aus angeschrieben, einfach um mir mitzuteilen, daß ihnen meine Geschichten gefallen haben. Das sind so die Sternstunden des Autorendaseins, und ich freue mich unheimlich über solche Mitteilungen. Ich schreibe schließlich nicht für mich selbst, in jedem meiner Texte steckt sehr viel Arbeit und ich möchte, daß die Leute, die meine Bücher kaufen, auch etwas für ihr Geld bekommen und Freude daran haben.

Und nicht zuletzt wird es den Friesensturm ja im Frühjahr auch als Taschenbuch zu kaufen geben. Da hoffe ich natürlich, auf meinen Lesungen auch noch viele meiner Leser persönlich kennen zu lernen. Ich freue mich schon sehr darauf.

 

 Da viele ja E-Books noch ablehnen – wie stehst du dazu?

Ich mag das eBook, ganz ehrlich. Ich finde es eine tolle Erfindung, es bietet eben viele Vorteile dem gedruckten Buch gegenüber, und ich bin überzeugt, daß es in den nächsten Jahren auch hier bei uns einen gleichwertigen Platz neben seinen papiernen Geschwistern einnehmen wird. Das Problem liegt meiner Meinung nach vor allem noch in einer mangelhaften Aufklärung auch außerhalb des Internet. Viele Leute, denen ich auf der Straße begegne, wissen können mit dem Begriff noch überhaupt nichts anfangen. Da gibt es sicherlich noch einiges an Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.

 

Macht es dir mehr Spaß Kurzgeschichten zu schreiben oder doch ein ganzes Buch?

Oh, das kann man schwer vergleichen. Beides hat seinen Reiz. In einem Roman oder einer längeren Erzählung habe ich Gelegenheit, mich ausführlicher mit meinen Protagonisten zu befassen, die Handlung komplexer zu gestalten. Eine Kurzgeschichte erfordert dagegen ein Erzählen auf den Punkt, was eine schöne Herausforderung sein kann, außerdem läßt sich mit kurzen Texten herrlich experimentieren. Da fällt es mir wirklich schwer, mich zu entscheiden.

 

 Was für ein Gefühl ist das, endlich sein eigenes Buch in Händen zu halten bzw. es im Verkauf (z. B. auf Amazon) zu sehen?

Das ist ein sehr schönes Gefühl. Man hat etwas geschaffen, hat daran gefeilt, es so gut wie möglich werden lassen, und endlich ist es fertig. Das gibt eine innere Befriedigung, die mir sehr wichtig ist, aber gleichzeitig auch den Antrieb schafft, sobald wie möglich mit etwas Neuem zu beginnen.

 

 Ist dein erster Krimiroman „Friesensturm“ ein Band aus einer Reihe oder abgeschlossen? Und dürfen wir bald auf noch mehr guten Lesestoff hoffen?

Der Friesensturm enthält einen abgeschlossenen Kriminalfall, allerdings könnte ich mir durchaus eine Fortsetzung vorstellen, Ideen hätte ich genug.

Im Moment arbeite ich vorrangig an einem Mysterythriller, der diesen Winter noch erscheinen soll. Dazu wird es voraussichtlich auch eine Aktion im Internet geben, aber darüber möchte ich noch nichts Näheres verraten. Zuerst will die Geschichte einmal fertig geschrieben sein.

 

 Wie würdest du dich in drei kurzen Sätzen selber beschreiben? 

Zunächst einmal bin ich sehr kreativ, manchmal habe ich soviele Ideen gleichzeitig im Kopf, daß ich sie kaum sortieren kann.

Dann bin ich in meiner Arbeit ziemlich chaotisch, komme aber trotzdem meist auf Umwegen zum gewünschten Ergebnis.

Und ich bin schüchtern, es fällt mir häufig schwer, mich durchzusetzen.

 

 Und zu guter Letzt: Was würdest du deinen Lesern mit auf den Weg geben wollen?

Ich schreibe, um die Leser mit meinen Texten zu unterhalten, möglichst gut zu unterhalten, und ich hoffe, daß mir das gelingt. Daß die Menschen Freude an meinen Geschichten haben, vielleicht der ein oder andere für ein paar Stunden seine Sorgen vergessen kann, während er oder sie eines meiner Bücher liest.

Ich schätze meine Leser sehr. Ich freue mich über jeden einzelnen, der sich unter all den vielen Angeboten ausgerechnet für mein Buch entscheidet, und wenn sich dann noch jemand die Mühe macht, mir eine persönliche Rückmeldung zu geben, ist das eine wunderschöne Bestätigung für mich. Also, wenn ich hier schon einmal die Gelegenheit habe, dann möchte ich all meine Leser grüßen und ihnen herzlich danken. Ich hoffe, ihr habt auch weiterhin Spaß an meinen Geschichten.