Günther Klößinger – Blüten aus Babylon posted by on 19. September 2016

Ein Inspektor, der genug um die Ohren hat, um einen Fall zu lösen und gleichzeitig noch seine Tochter suchen muss. Es gibt nichts anstrengenderes zur gleichen Zeit – aber was, wenn beides zusammenhängt? Auf irgendeine Art und Weise? Als wäre es nicht schon verstrickt genug, hat Inspektor Prancock und seine Exfrau Else, welche ebenso Kriminalbeamtin war, allerhand zu tun damit. Wie er allem gerecht wird, erzählt der Autor Günther Klößinger in seinem Krimi „Blüten aus Babylon“.

Autor: Günther Klößinger
Titel: Blüten aus Babylon
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: 12.04.2016
Taschenbuch: 416 Seiten
Preis: 24,95 €

Prancock muss sich einem Fall des „Bund der Asketen“ annehmen. Auf dem Dachboden von Mitgliedern findet sich eine Leiche. Gleichzeitig ist auch Prancocks Tochter verschwunden, schickt ihre Eltern auf Schnitzeljagd. Der Tote auf dem Dachboden war ein Mitglied des Bundes, welcher Verzucht und Bescheidenheit predigt. Es stellt sich heraus, dass das Opfer vor seinem Tod noch Gänsebraten gegessen hat, was ja gar nicht zusammenpasst. In seinen Nachforschungen erfährt Prancock noch mehr Ungereimtheiten und gerät in Gefahr. Seine Tochter derweil hat genug von ihren Eltern, immer nur die zweite Geige zu spielen, daher haut sie ab. Sie gibt ihren Eltern ein Krimirätsel auf, nach welchem sie sie finden sollten. Doch sie befördert sich damit selbst in Lebensgefahr. Die Familie hat also allerhand zu tun, es geht hierbei um Leben und Tod. Ganz nebenbei muss Prancock sich noch entscheiden, ob ihm Familie oder Karriere wichtiger ist.

Zwar ist der zweite Teil der Reihe vor dem ersten erschienen und steht bereits im Regal, glücklicherweise habe ich ihn aber noch nicht gelesen und habe so den ersten davor lesen können. Die Personen, allen voran Prancock, sind so detailgetreu gezeichnet, dass man sie direkt vor Augen hat und das Gefühl lässt einen nicht los, mittendrin im Geschehen zu sein. Man versteht sie alle – Prancock, der gehetzt durch den Job geht, da er eine Beförderung anstrebt, aber mit seinem Partner konkurrieren muss. Else, die sich ganz zurückgezogen hat, sich ein neues Leben aufgebaut hat – ausgerechnet mit dem Mathelehrer der Tochter Jasmin! Und auch Jasmin, die die Schnauze voll hat und den Eltern mal eine Lektion erteilt mithilfe ihres Freundes – sie haut ab und führt ihre Eltern in die Irre. Prancock hat bei der Suche Unterstützung der netten Reporterin Ilka Trebes, die beiden scheinen auf gleicher Wellenlänge zu sein und aus dem Rüpel Prancock wird ein schüchterner Gentleman. Gemeinsam mit der Ex und anderen machen sie sich auf die Suche nach der Tochter und auch gleichzeitig an die Lösung des Falles.

Was mir hier so wunderbar aufgefallen ist und mir sehr gefallen hat, ist die alltägliche Sprache der Charaktere, welche der Autor gewählt hat. Nicht hochgestochen, nicht abgedriftet und auch nicht „geschichtlich“ – sondern einfach stinknormal, als wären wir unter uns. Findet man nicht so oft und liest sich super.

Auch der Humor, welcher immer wieder zwischen den Zeilen durchblitzt und wie er seine Figuren darstellt, herrlich! Der Schreibstil lässt einen nahtlos weiterlesen, die Spannung hält sich und das macht einen guten Roman aus meiner Meinung. Die Figuren sind einem nah und man kann sich richtig in sie hineinfühlen.

Alles in Allem gibt es hier rein gar nichts zu meckern und ich freue mich schon auf den zweiten Band, welcher bereits im Regal ist! Empfehlenswert an die Krimileser unter uns, die auch gerne mal ins Alltägliche eines Inspektors abtauchen möchten und offen für Neues sind!

5 von 5 Punkten

T.R. Richmond – Wer war Alice posted by on 15. August 2016

Fragen wir uns nicht manchmal, wer genau die Person war, die gestorben ist? Was in ihr vorging? Ob sie, wenn es so war, wirklich Selbstmord beging? Im Grunde wissen wir doch eigentlich gar nicht, was in anderen Menschen genau vorgeht, was ihr Beweggründe sind etc. Der alte Professor Cooke will ein „Bild“ zeichnen über die tote Alice, die sich scheinbar in die Fluten gestürzt hat. Was er damit alles lostritt, erzählt das Buch…

Autor: T.R. Richmond
Titel: Wer war Alice
Genre: Roman, Thriller
Verlag: Goldmann
Taschenbuch: 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 29.02.2016
Preis: 14,99 €

Alice Salmon wurde gerade mal 25 Jahre alt – dann wurde sie morgens leblos im Fluss gefunden. Eigentlich war sie am Abend davor mit Freunden am feiern. Wie ist das passiert? Hat sie zuviel getrunken, sich gar selbst reingestürzt? Oder hat da jemand nachgeholfen? Die Polizei vermutet, sie sei reingestürzt, da zu besoffen. Es werden überall Vermutungen angestellt, unter Verwandten, Freunden und auch von ihrem ehemaligen Professor Jeremy Cooke. Er ist erschüttert und will ein Buch über sie schreiben. So macht er sich daran, alles über diese rätselhafte Nacht zusammenzutragen und das Rätsel zu lösen, was wirklich passiert ist. Aber was hat er zu verbergen?

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht so recht, was ich von diesem Buch halten soll. Es ist anders, es ist außergewöhnlich – aber richtig packend dann doch nicht. An was es liegt? Ich kann es nicht genau sagen. Die Idee ist spitze, der Lesefluss bricht nicht ab, da sehr gut geschrieben – ich mag die Erzählform, ehrlich. Das hat mich die ganze Zeit mitgerissen. Man merkt hier auch richtig, wenn jemand anders am Zug ist. Der Autor hat hier gut gewechselt im Schreibstil von Person zu Person.

Doch leider sind hier fast alle Personen nicht wirklich dem Leser realitätsnah. Damit will ich sagen, sie sind eigentlich alle irgendwie unsympathisch. Der Professor hat etwas mit einem Pädo gemein und viel Gefühle hat er eigentlich auch nicht, wenn man es genau sieht, die falschen wohl eher. Die beste Freundin ist auch etwas distanziert, der Freund etwas gaga im Kopf und die Mutter so überbemuttert. Vom Vater bekommt man nicht allzu viel mit, der scheint aber ein Bilderbuchvater zu sein und der erste im Buch, der richtig sympathisch erscheint. Alice selbst war eigentlich ein normales Mädel, dass sein Leben auskostet. Depressionen? Haben heutzutage so viele, da fällt das kaum auf. Leider wahr.

Die Idee zu dem Thriller hat mich angesprochen und es hat mich auch unterhalten, der Schreibstil allen voran. Das war es auch, was mich am Buch gehalten hat – ein paar mal habe ich überlegt, es wegzulegen. Dann hat aber doch die Neugier gesiegt und der angenehme Schreibstil. Es ist auch nicht schlecht, nur machen es die Charaktere eben nicht besser.

Weiterempfehlen würde ich es schon, aber nur beding. An Vielleser, die eine Tiefe erwarten, nicht so sehr – eher an welche, die eine spannende, gut geschriebene Geschichte zwischendurch möchten und hierbei nicht ganz so viel Wert auf die Sympathie der Charaktere legen!

3 von 5 Punkten

Michael Tsokos – Zersetzt posted by on 21. Juni 2016

Als Rechtsmediziner hat man oftmals schon sehr kranke Fälle auf dem Tisch, von kranken Menschen ausgeführt. Sowas mag man sich eigentlich gar nicht vorstellen, doch der Autor dieses Buches hat ein sehr genaues Bild davon, denn er selbst ist Rechtsmediziner und die Story rund um Abel auch nicht ganz frei erfunden. Er selbst hat dies in abgewandelter Form so erlebt.

Autor: Michael Tsokos
Titel: Zersetzt
Genre: Thriller
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 01.04.2016
Taschenbuch: 432 Seiten
Preis: 14,99 €

BKA-Rechtsmediziner Fred Abel arbeitet an einem großen Fall. Einer der gefährlichsten Killer der letzten Zeit treibt noch immer sein Unwesen – das erkennt Abel an einem Einstich in der Kniekehle des Opfers. Bevor Abel ihn aber stoppen kann, muss er in den osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien und dort zwei Mordopfer identifizieren. Diese wurden in Kalkfässern gelagert und wurden fast vollständig zersetzt. Auf einmal bekommt Abel es aber auch noch mit der dortigen Politik zu tun und wird verfolgt. Gleichzeit kämpft in Deutschland ein Opfer in einem fensterlosen Kellerraum um das nackte Überleben…

Fabelhaft spinnt der Autor hier wieder zwei gemeingefährliche Fälle ineinander – Abel hat es richtig mit etwas zu tun. Es muss gesagt werden, dass der zweite Band der Trilogie noch vor dem ersten spielt, es aber keine Rolle spielt, da man die auch getrennt lesen könnte. Wer den ersten gelesen hat, kennt den sympathischen Rechtsmediziner Abel und kann sich auch gut in ihn hineinversetzen. Von der Handlung muss hier nicht mehr viel gesagt werden, ohne zuviel zu verraten – die Kapitel sind aufgeteilt in die Ermittlungsstränge von Abel und aus der Sicht des Opfers im Kellerraum sowie auch des Mörders, der es gefangen hält.
Wer gerne Rechtsmedizinthriller liest, wird hier über die Spannung begeistert sein. Auch etwas Politthriller fließt mit hinein. Der Autor selbst hat einen wunderbar flüssigen Schreibstil, so dass man nirgendwo hackt und einfach weiterlesen kann, was bei der Spannung auch ohne Mühe geht. Man trifft viele der Personen wieder, die man im ersten Band gelesen hat, aber auch neue. Angst, dass es langweilig wird, weil der zweite Teil vor dem ersten spielt, muss man nicht haben, denn man merkt es der Geschichte kaum an. Man könnte also auch erst mit dem zweiten Teil beginnen, unabhängig voneinander lesen.
Auch hier wird wieder nicht gespart mit blutigen Details, wer also schwache Nerven hat, lässt es lieber sein. Wer aber gern richtig spannende Thrillerlektüre liest und wem so etwas nichts ausmacht, dem sei das Buch wärmstens empfohlen! Den dritten Teil kann ich selbst kaum abwarten und der Autor hat in mir einen sehr großen Fan!
5 von 5 Punkten
Stephen King – Mr. Mercedes posted by on 6. Mai 2016

Ein Killer, der keinerlei Gefühle außer Hass hat und den niemand stoppen kann – oder doch? King zeigt uns wieder auf, was für kranke Hirne es doch gibt…

Autor: Stephen King
Titel: Mr. Mercedes
Genre: Thriller
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 08.09.2014
eBook: 608 Seiten
Preis: 11,99 €

Ein Mercedes S 600 fährt in eine Menschenmenge vor dem Arbeitsamt und nimmt so 8 Leute mit in den Tod. Der Fahrer entkommt und wird nicht gefasst, der Wagen aber wird gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Clownsmaske und auf dem Lenkrad ist ein Smiley. Monate später meldet sich der Mörder bei dem pensionierten Detective Bill Hodges. Dieser sieht nun eine neue Aufgabe, diesen Mörder endgültig dingfest zu machen…
Anders als wir es vom Meister des Horros gewohnt sind, ist das hier kein Horror, sondern eher ein Krimi/Thriller. Natürlich erkennt man den Stil zweifellos und es ist auch erschreckend, was ihm wieder für Szenarien einfallen. Wahrlich erkennt man den King darin, ob nun Horror oder nicht. King hat sich hier weniger auf die Horrorszenen oder auch Gemetzel konzentriert, sondern vielmehr auf die Personen an sich. Es werden einem menschliche Abgründe gezeigt, der Ekel kommt auch hier zwischen den Zeilen nicht zu kurz, wenn auch nicht in Form von abgetrennten Körperteilen etc.
Bill Hodges ist einem eigentlich sofort sympathisch – er ist der typische in Rente gegangene Cop, der mit dem Revolverlauf auf sich zeigend vor der Glotze sitzt, da er keinen Sinn mehr im Herumsitzen sieht. Da haben wir auf der anderen Seite den kaltblütigen Mörder Brady Hartsfield, der dem Detective auf einmal wieder einen Sinn im Leben gibt – die Suche nach ihm! Er hat zwar nicht damit gerechnet, aber der Cop blüht richtig in seiner Aufgabe auf und macht sogar nochmal die Begegnung der Liebe seines Lebens.
King hat hier wieder sein Meisterwerk gezeigt – wenn auch nicht in Form von Horror! Meiner Meinung nach kann er genauso gut Krimis und Thriller schreiben wie seine Horrormeisterwerke. Die Spannung fehlt so gut wie nie und man kann sich mitreissen lassen, auf den Spuren des Mercedes-Killers. Es ist interessant, die Entwicklung auf beiden Seiten zu lesen, da hier die Kapitel zwischen der Sicht des Mörders und des Detectives gewechselt wird.
Der Schreibstil ist wie gewohnt rund und flüssig, man kann lesen ohne zu stocken. Die viele wörtliche Rede und auch die spannenden Wendungen bereiten einem hier den Lesegenuss eines guten Thrillers! Man fragt sich doch immer wieder, was im Kopf des Mörders vorgehen muss, ich z.B. habe mich einige Male erwischt beim Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Es ist doch erschreckend, was so in einem Menschen vorgehen kann. Und wie vor allem kommen die Autoren auf solche Ideen? Ein wahres Werk der Fantasie!
Fans des Meisters müssen den Roman unbeding lesen, anderen sei er auch ans Herz gelegt – eine gute Unterhaltung mit viel Spannung, aber auch etwas Ekel und Surrealem. Ich bin gespannt auf den weiteren Teil, den Detective habe ich schon lange ins Herz geschlossen!
5 von 5 Punkten
Klaus Schuker – Engelsspiel posted by on 14. April 2016

Wie man vom Polizeibeamten zum Schriftsteller wird, zeigt uns der Autor Klaus Schuker. Er hat einen perfiden Krimi mit „Engelsspiel“ geschaffen und man sieht den Polizisten durchscheinen.

Autor: Klaus Schuker
Titel: Engelsspiel
Genre: Krimi
Verlag: Fabulus Verlag
Erscheinungsdatum: 09.03.2016
Taschenbuch: 420 Seiten
Preis: 14,95 €

Daniel Schönwind führt eigentlich ein schönes Leben. Nur daheim mit Karin, seiner Lebenspartnerin und Mutter ihres gemeinsamen Kindes Ramona, läuft es schon lange nicht mehr rund. Aber es funktioniert, warum dann in den Wind hauen? Daher verabredet er sich auch ab und zu mit anderen Frauen. So sagt er auch nicht nein, als die schöne Anhalterin Janina ihn in ein Techtelmechtel hineinzieht. Was er aber nicht ahnen kann – mit dieser Handlung gerät sein ganzes Leben aus den Fugen, denn Janina hat es sich zur Aufgabe gemacht, Daniel als Alibi herzuhalten und ihn der sexuellen Nötigung zu bezichtigen. Dann passiert alles Schlag auf Schlag: Seine Partnerin Karin zieht mit der Tochter aus, er verliert seinen Job und hat eine Anklage am Hals, obwohl er diese nicht begangen hat. Geächtet von allen Leuten, plant Daniel seine Rache gegen Janina. Er stellt ihr eine Falle und sie liefert ihm nichtsahnend den Beweis, auf den er gewartet hat…

Also eins vornweg – die Personen sind durch die Reihe eher unsympathisch als anziehend. Ob das vom Autor so gewollt ist? Ich kann es nicht sagen, konnte mich aber mit rein niemanden anfreunden. Dennoch taten mir einige Mitspieler hier leid, unter anderem auch Daniel. Dieser ist ein egoistischer, von sich selbst überzeugter Kerl, der sich nimmt, was er will und auf andere keine Rücksicht nimmt. Janina ist ihm eigentlich nicht mal so unähnlich – sie nimmt sich auch, das was sie will und nimmt keinerlei Rücksicht auf Verluste, ein durchtriebenes Ding. Die ganzen Nebencharaktere sind zwar gut ausgefeilt, aber irgendwie wird man auch mit ihnen nicht so warm.
Man kann zwar sehr gut hineinfühlen, wie es Daniel mit der falschen Anklage gehen muss, nachdem alles in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Trotzdem führt er sich in meinen Augen immer unsympathischer auf, als er es hätte tun müssen. Ist es nicht schon schlimm genug, macht er es immer noch um eine Sache schlimmer.
Man merkt hier dem Autor an, dass er sich mit der Marterie sehr gut auskennt. Er hat hier ein ganz perfides System ausgeklügelt, er zieht die Fäden des Spinnennetzes immer weiter zu und hält den Leser so mit dieser Spannung auf der Lauer. Man kann gar nicht anders, als gespannt weiterzulesen, was wohl als nächstes passieren mag. Den Protagonisten lässt er von einem Fettnäpfchen ins andere trampeln, aber auch Janina scheint Fehler zu machen, auch wenn sie erst den Anschein macht, als sei sie mit allen Wassern gewaschen und so durchtrieben, dass sie mit allem durchkommt.
Die Handlungen und Situationen in diesem Buch sind keineswegs langweilig, die Sprache und der Schreibstil lassen einen tief in den Krimi blicken und sich ganz der Geschichte hingeben. Dass hier alle Personen durch die Bank etwas unsympathisch erscheinen, trübt das ganze Geschehen vielleicht ein kleines bisschen und nimmt das ganz große Mitfiebern aus den Segeln. Auch von Daniels Bezeichnung „Engelchen“ für seine Tochter ist man gleich mal genervt, da er das in jedem Satz, in welchem sie vorkommt, benutzt.
Das Ende ist nicht ganz überraschend, aber auch nicht so sehr vorhersehbar. Es ist gut gewählt und schließt den Krimi als solchen gut ab.
Ich kann das Buch ohne schlechten Gewissens den Krimifans weiterempfehlen, die mal eine andere Art Sicht auf das Geschehen lesen möchten aus der Feder eines Polizisten!
3 von 5 Punkten
Lou Timisono – Centum Night posted by on 23. Februar 2016

Wenn die Teile der Erde gesplittet wären in Gesellschaftsformen der unterschiedlichsten Art – wie würde das wohl enden? Ein gutes Beispiel hierfür gibt uns Lou Timisono mit dem Dystopieroman „Centum Night“. Auch hier gibt es die drei verschiedenen Klassen, die verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören.

Autor: Lou Timisono
Titel: Centum Night
Genre: Thriller, Dystopie
Verlag: Balladine
Erscheinungsdatum: 06.07.2015
Preis: 16,95 €

Viele Länder schließen sich der Coastal Alliance an. Der Beitritt verhilft der dortigen Elite zu mehr Macht und Luxus, während die arme Bevölkerung in einer vom Verbrechen beherrschten Zone leben muss. Zwischen diesen Schichten befindet sich eine Hochsicherheitszone, deren Bewohner nicht einmal Gefühle und Freundschaft erfahren dürfen, noch eine Ablenkung in Form von Sex. Hier herrscht die Trockenheit hoch zehn. Die Wünsche nach emotionaler Nähe und sexueller Natur werden auf hohem technologischem Niveau kontrolliert abgebaut. Es gibt daher auch keine Gewalt in Solocity. Dann geschieht etwas, mit dem keiner gerechnet hat – es beginnt eine rätselhafte Mordserie – in Solocity! Der Agen Eddie Bellefleur erhält bei seinen Ermittlungen Hinweise auf ein Netz aus Verrat und verborgenen Leidenschaften, die bis hoch in die Regierung reicht, in die Gegend, in welcher der Luxus herrscht.

Die Einführung in den Roman war schnell und gut – man war sofort darin. Man fragt sich natürlich die ganze Zeit, wer hier die Fäden in der Hand hat und wieso man so ein gefühlsloses Land geschaffen hat. Eddie ist ein sympathischer Agent, der unterdrückt noch immer Gefühle hat, so auch sein Gefährte und Freund Blue. Leider dürfen sie diese nicht offen leben und müssen geheim damit umgehen. Sie gehen den komischen Machenschaften nach, welche die Mordserie angerichtet hat. Schnell wird dabei klar, dass es sich um Macht dreht.

Die Personen an sich hier im Roman sind wie von weiter Ferne, man kann sich nicht richtig in sie hineinfühlen und ich kann mich ehrlich gesagt mit keinem so recht anfreunden. Vielleicht ist das so gewollt, da ja keinerlei Gefühle und Freundschaft herrschen dürfen und das dem Leser so besser rübergebracht wird – wer weiß?

Der Schreibstil an sich ist leicht lesbar und man kommt schnell voran. Eine gewisse Spannung ist auch vorhanden, jedoch steigert diese sich nicht mehr ins Unermessliche und ich hab mich oft über die Zeilen hinweggekämpft und mich gefragt, ob noch etwas großes kommt. Es kommt zwar immer wieder etwas, aber so richtig überraschen tut es einen nicht.

Die meisten von uns wären wahrscheinlich bei der verarmten Bevölkerung – in Bonnieville – gelandet. Diese Gesellschaftsschicht ist zwar arm, aber reich an Gefühlen und Freundschaften. Ich selbst würde mich hier auch wohl fühlen anstatt in einer rauen, gefühlslosen kalten Welt. Mir erschließt sich nicht ganz, worauf der Autor hier hinaus wollte und ich kann mich mit dem Roman leider nicht ganz anfreunden.

Dennoch hält die Spannung den Leser bei und lässt ihn so ans Ende kommen. Ein Aha-Effekt stellt sich hier aber nicht ganz so ein, wie man es sich evtl. gewünscht hätte. Nichts desto trotz einmal eine andere Art von Thriller und Dystopie, was gelesen werden möchte! Ich kann es nur bedingt weiterempfehlen – es sind einfach einige Schwächen zu finden bzw. Durchhänger, die aber im Prinzip nicht das ganze Lesevergnügen ruinieren, sondern nur beiläufig etwas stören!

3 von 5 Punkten

Andreas Gruber – Todesurteil posted by on 7. Januar 2016

Wenn Kinder verschwinden, hört auch der Spaß für alle Ermittler auf. Keiner mag und will es verstehen, wie Menschen so etwas tun können – ganz davon abgesehen, dass so etwas überhaupt in allen möglichen Jahresgruppen passiert. Auch der bekannte Profiler Maarten S. Sneijder im zweiten Band von Andreas Gruber nimmt ungelöste Mordfälle an der Akademie des BKA mit seinen Schüern durch – und muss eingestehen, dass hier einiges zusammen hängt mit den Fällen verschwundener Kinder…

Autor: Andreas Gruber
Titel: Todesurteil
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 16.02.2015
Taschenbuch: 576 Seiten
Preis: 9,99 €

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara, seit über einem Jahr bereits. Dann taucht sie völlig verstört im Wald wieder auf und man findet auf ihrem Rücken Tattoos mit Dantes „Inferno“. Clara spricht zuerst keinerlei Worte, bis sie auf die Staatsanwältin Melanie Dietz und ihren Traumahund Sheila trifft, die sich dem Mädchen annimmt. Wie sich herausstellt, ist Clara die Tochter ihrer verstorbenen, ehemals besten Freundin Ingrid – und sie fängt an zu ermitteln. Gleichzeitig nimmt Sabine Nemez die Studien auf an der besagten Akademie in Wiesbaden und nimmt Ermittlungen in ungelösten Mordfällen auf, welche einen Zusammenhang haben mit mehreren Fällen sowie mit dem Fall in Wien. Hier ist Clara die Einzige, die den Mörder jemals gesehen hat und somit in großer Gefahr…

Nachdem ich bereits den ersten Teil „Todesfrist“ gelesen habe, der nur vor Spannung strotzte, war für mich klar, dass ich den Folgeband auch lesen muss. Nemez und Sneijder sind genau so, wie man es von ihnen kennt und auch erwartet. Es dauerte bei mir persönlich etwas, bis ich diese wieder im Gedächtnis hatte, aber dann ging es umso schneller. Nemez kann es einfach nicht lassen, Alleingänge zu machen und zu ermitteln, in den ungelösten Mordfällen, die die Studenten mit Sneijder besprechen. Er selbst ist der perfektionierte „Arsch“ schlechthin, wie gewohnt. Aber wie auch immer – in einem harten Gehäuse steckt auch ein weicher Kern, was hier voll zutrifft, er drückt es nur anders aus!

Der Autor hat den Leser somit sogleich wieder in den Fängen, die Spannung wird mit jeder Zeile und Seite mehr geladen. Ich hatte echt Probleme damit, das Buch wieder aus den Händen zu legen. Die Abtrennung der Kapitel macht es einem hier auch einfach, schön weiterzulesen und gar nicht mehr aufzuhören. Man liest aus Wien, aus Wiesbaden, einmal aus den Protokollen und immer wieder von den verschiedenen Charakteren, wie der Verlauf gerade ist. Ich muss sagen, die Spannung lässt echt gar nicht nach, sie steigert sich nur noch mehr, selbst wenn man denkt, das geht ja gar nicht – geht wohl!

Da Sneijder wie auch Nemez die Gabe haben, sich total in die Täter hineinzuversetzen, werden die Leser auch mit fast jedem Kapitel mit weiteren Leckerlis belohnt und somit an der Stange gehalten. Wenn man denkt, sie sind auf der richtigen Spur, gibt es aber doch immer wieder eine andere und man kommt selbst ins Grübeln, wieso man das tut und wie hier wohl alles zusammenhängen vermag.

Gegen Ende wird man aber mit der Auflösung belohnt und die gespinnten Fäden werden gekonnt zusammengeführt – es lassen sich keine Fragen offen und man ist befriedigt mit der Auflösung. Mit diesem Werk über 500 Seiten hat Gruber eine grandiose Fortsetzung geschaffen, die mit wirklich allem gespickt ist und an welcher es an nichts fehlt. Das zweite Buch kann es ohne Wenn und Aber mit dem ersten Band aufnehmen und man kann auf eine tolle Weiterspinnung der Geschichte freuen! Wer aber etwas schwache Nerven hat, sollte doch die Finger davon lassen, denn es sind schon etwas derbe Szenen vorhanden, die sich ins Kopfkino einbrennen! Von mir aber eine klare Leseempfehlung an alle eingefleischten Thrillerfans, die es gerne etwas „härter“ mögen und auf den Nervenkitzel aus sind!

5 von 5 Punkten

Charlotte Link – Die Betrogene posted by on 7. Dezember 2015
Es ist Tatsache – wird ein Polizist ermordet, wird diesem Mord mehr Aufmerksamkeit zugeschrieben. Ist die Tochter auch noch Polizistin, wird auch sie darin „ermitteln“ auf eigene Faust. Genau das macht die Protagonistin Kate Linville aus dem neuen Roman von Charlotte Link.

Autor: Charlotte Link
Titel: Die Betrogene
Genre: Krimi
Verlag: Blanvalet
Erscheinungsdatum: 02.09.2015
Taschenbuch: 640 Seiten
Preis: 9,99 €

Kate Linville ist die Tochter eines Polizisten und selbst Polizistin bei Scotland Yard. Eigentlich sollte sie ein glückliches Leben haben, einen tollen Job hat sie ja scheinbar schon. Doch sie fühlt sich um ein glückliches leben betrogen – kontaktscheu und einsam ist sie und es gibt nur einen Menschen in ihrem Leben, der ihr Halt gibt – ihr Vater. Als dieser aber grausam in seinem Haus ermordet wird, wird ihr auch noch dieser entrissen und ihre Welt bricht zusammen. Kurzerhand fährt sie in den Ort und in sein Haus und fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln, denn dem ortsansässigen, alkoholkranken Ermittler traut sie nicht so ganz. Sie entlarvt immer mehr Vergangenheit ihres Vaters, auf welche sie am liebsten gar nicht gestoßen wäre…
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Buch halten soll geschweige denn groß darüber schreiben. Es lässt mich verwirrt zurück und etwas enttäuscht. Eigentlich hätte man aus diesem Buch zwei schreiben können, da hier zwei Handlungen nebeneinanderher laufen ohne etwas miteinander zu tun zu haben.
Auf der einen Seite haben wir hier Kate – eine Polizistin bei Scotland Yard – die ihren Vater auf tragische Weise verliert. Selbst Polizist, wurde dieser in seinem eigenen Heim ermordet. Daraufhin geht Kate in sein Haus und ermittelt auf eigene Faust. Zwischendurch blitzt immer wieder ihr kaputtes Selbstwertgefühl durch und eigentlich denkt sie, sie bekommt gar nichts auf die Reihe. Mir persönlich war das irgendwann zuviel des Guten – man fragt sich irgendwann, was die gute Frau bei Scotland Yard macht, wenn ihr kaputtes Selbstwertgefühl echt alles einnimmt, was ihr Denken und Handeln bestimmt. Im Grunde müsste man hier ja Mitleid mit ihr haben, aber mich hat das irgendwann nur noch genervt und ich konnte mich nicht so recht mit ihr anfreunden. Natürlich ist es nicht schön, den Vater zu verlieren und das auf solche Weise, aber wenn die Autorin in jedem Satz, welcher sich um die Progatonistin dreht, eine niederschmetternde Denkweise darlegt, drückt das die Lesestimmung ganz schön runter.
Auf der anderen Seite haben wir die Familie Crane, die sich eine Auszeit aus dem Leben nimmt und an einen abgelegenen Ort fährt, um dort ohne Internet, Telefon usw. eine Zeit lang auszukommen und zu sich zurückzufinden. Hier erwartet sie jedoch dann ein schlimmeres Grauen als das heutige vernetzte Zeitalter.
Die Abschnitte mit den Cranes fand ich fast spannender als die eigentliche Geschichte rund um Kates Vater, bei welchem der Mord ja noch immer nicht aufgedeckt wurde. Was die beiden Geschichten miteinander zu tun haben, sei dahingestellt, am Ende führt nichts zusammen was man sich hier herausspinnt.
Als man dann tatsächlich auf die Spur des Mörders kommt, ist es doch wieder etwas interessanter, was hier die Beweggründe waren und wie es abgelaufen ist. Auch der Schreibstil ist sehr gut gewählt und lässt einen eigentlich gut lesen, wäre die Story an sich nicht etwas lang und zäh. Ich denke, hätte man aus den beiden Geschichten jeweils ein Buch gemacht, wäre etwas besseres daraus geworden.
So ganz mag ich das Buch ja nicht empfehlen, denn wer Link kennt und auch schon von ihr gelesen hat, wird sie hier nicht ganz zu ihren Spitzenzeiten wieder erkennen. Dennoch ist eine gewisse Spannung enthalten und als Fan ist ja sowieso jedes Buch ein Must-Have!
2,5 von 5 Punkten
Rudi Jagusch – Mordsommer posted by on 4. November 2015

Frühere Freunde in einem verlassenen Dorf im Wald, weitab von Zivilisation, kein Handyempfang und eine stürmische Nacht – dann passieren unheimliche Dinge. So etwas lässt stark nach einem Horrorfilm bzw. Thriller vermuten, den man nicht gerne selbst erleben möchte, oder? Aber genau das passiert den früheren besten Freunden aus Jaguschs Thriller „Mordsommer“.

Autor: Rudi Jagusch
Titel: Mordsommer
Genre: Thriller
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09.03.2015
Taschenbuch: 464 Seiten
Preis: 9,99 €

Die angehende Oberstaatsanwältin Nina Lehmann hat eigentlich alles, was sie sich erträumt hatte. Sie wird bald zur Oberstaatsanwältin befördert, hat ein geordnetes Leben und fühlt sich wohl. An was sie da am wenigsten denkt, ist ihre Vergangenheit – doch diese kommt schneller wieder hervor, als sie denkt. Ein anonymer Brief erreicht sie, welcher ihr mitteilt, dass die Enthüllung eines streng gehüteten Geheimnisses ihre Karriere ruinieren würde. Sie soll an einen abgelegenen Ort in der Eifel kommen. Da sie sich nicht einschüchtern lässt, fährt sie kurzerhand dorthin. Zu ihrer Überraschung wurden auch die anderen aus ihrer Jugendclique dorthin bestellt. Es beginnt ein grauenhaftes Psychospiel…

Der Thriller lässt einen stark versinken, wie als würde man einen Thriller im Fernsehen ansehen. Der Autor fackelt gar nicht so lange herum, er stellt Nina vor und dann geht es auch gleich los in die Eifel. Immer mehr erfährt man von ihrer Vergangenheit und dass sie ja doch nicht so ein feines Mädel war – denn hier sind einige krumme Dinge gelaufen. In ihrer jetzigen Zeit ist sie eine erfolgreiche Staatsanwältin, die bereits bald zur Oberstaatsanwältin befördert wird. Eigentlich will sie das ja feiern, jedoch kommt ihr da der anonyme Brief in die Quere, der sie in die Eifel einlädt, nein wohl eher dahin „befiehlt“. Ohne zu wissen, was sie eigentlich genau erwartet, macht sie sich los. Dort trifft sie ihre alten Freunde aus der Jugendclique wieder, außer einem. Alle müssen erkennen, dass sie zu einem perfiden Spiel eingeladen wurden. Einer sinnt auf Rache, doch wer? Es könnte eigentlich jeder sein aus dem Team oder aber doch jemand anders?

Der Schreibtil lässt einen von Zeile zu Zeile springen und auch die Spannung wird immer wieder angehoben. Man rätselt selbstverständlich mit, wer hier der Bösewicht ist und alle zu einem Psychospiel einlädt. Ist es hier der fehlende Mann der Truppe? Oder aber doch jemand ganz anders? Im Prinzip kann es hier jeder sein, da wird der Leser viel auf die falsche Fährt gezogen. Ich muss persönlich jedoch sagen, ich hatte ab einem gewissen Zeitraum einen im Visier und lag damit nicht falsch. Vielleicht kommt es auch darauf an, ob man so etwas gerne und oft liest, oder aber eher selten.

Einige Details sind echt grauenhaft aus der Vergangenheit der Charaktere und man will sie sich nicht genauer vorstellen. Schon gar nicht, wenn man sich deutlich macht, dass es wirklich solche Menschen gibt und diese als ganz normal von uns wahrgenommen werden. Man erkennt kleine Psychopathen eben nicht immer gleich.

Dennoch reisst die Story einen so mit, dass man kaum aufhören mag zu lesen. Natürlich läuft der Film auch vor eigenen Augen ab und man mag sich gar nicht vorstellen, wie es sein könnte, wäre man selber an Ort und Stelle. Alleine schon im Dunkeln und kein Handyempfang und dann diese düstere Atmosphäre…Der Autor erzeugt auf jeden Fall eine gruslige Situation, die das Kopfkino ankurbelt – und welche einen nicht weiter darüber nachdenken lassen möchte, was wäre wenn das echt wäre usw.

Für solche, die gerne etwas Spannendes in einem Rutsch lesen möchten, ist das genau die richtige Lektüre. Wer aber oft und gerne Thriller liest, wird evtl. gleich auf den Bösewicht stoßen. Die Spannung geht hiervon aber nicht verloren – denn es könnte immernoch jeder sein, was man erst gegen Ende richtig erfährt!

4 von 5 Punkten

Max Rhode – Die Blutschule posted by on 20. Oktober 2015

Steckt in allen von uns das Böse, von grundauf? Kann dieses nach außen gekehrt werden durch einen Spiegel, der das Selbst spiegelt? Was passiert dann mit uns? Die Brüder Simon und Mark dürfen das am eigenen Leib erfahren und lernen die Blutschule kennen…

Autor: Max Rhode (bzw. Sebastian Fitzek)
Titel: Die Blutschule
Genre: Thriller, Horror
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 08.10.2015
eBook: 255 Seiten
Preis: 9,99 €

Die Brüder Simon und Mark ziehen mit ihren Eltern von Berlin in eine Einöde Brandenburgs. Das Einzige, worauf sie sich momentan freuen können, sind die Sommerferien. Doch auch hier hat der Vater sich etwas anderes ausgedacht – er nimmt sie mit auf einen Ausflug auf eine Insel. Dort gibt es eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer, eine Schule der besonderen Art – Fallen stellen, Opfer jagen und Menschen töten. Simon und Mark fühlen sich wie im falschen Film und fragen sich, wie sie hier wieder heile rauskommen.

Ich muss gleich zu Anfang sagen – ich bin an das Buch gegangen, als wäre es ein typischer Fitzek, denn böse Zungen munkelten, es sei er unter dem Pseudonym Max Rhode – was mittlerweile bestätigt ist, siehe Aufdruck Buch =) Ganz anders als sein typischer Stil ist er hier mehr auf die Horrorschiene gerutscht und man hätte fast gedacht, er wäre es doch nicht – tóuche Herr Fitzek! Dennoch erkennt man als Fan seinen Schreibstil, der immer wieder durchrutscht.

Simon und Mark werden einem vorgestellt als sehr aufgeweckte und neugierige Teenager. So neugierig auf die Blutschule sind sie dann doch nicht, was ihren Vater aber nicht stört. Er will sie das Jagen und Töten lehren. Seit sie in die Einöde gezogen sind, scheint ihnen sowieso alles negativ entgegenzusehen. Keiner mag die Familie wirklich, ein vermeintlich Pädophiler lebt im Wald und Simon wird von einer Clique geärgert. Und dann wird auch noch ihr Vater auf einmal ganz komisch und macht mit ihnen den Ausflug zur Insel.

Es sei gleich gesagt, der Thriller weicht total von Fitzeks Norm ab. Er ist abscheulich und driftet eigentlich eher in das Genre Horror ab, was ja auch nicht ganz Fitzeks Sparte ist. Dennoch muss man hier beachten, dass Fitzek es so geschrieben hat, als wäre es ein Erstlingswerk aus einer anderen Autorenfeder und hierfür hat er volle Punktzahl verdient – denn man kann es eigentlich fast nicht besser machen! Trotzdem ist es erstaunlich, was für eine Fantasie dieser Mann hat und wie er sogar so seinen Schreibstil verändern kann, dass man ihn glatt für einen anderen Autor halten könnte, wenn man es nicht besser wüsste.

Wer also eine etwas zu lebhafte Fantasie hat und sich die Greueltaten in diesem Buch detailgetreu vor Augen zeigen lassen kann, dem sei gesagt, dass es eklig wird. So viel Fantasie der liebe Herr Fitzek hier einspinnt, so viel Kopfkino der ekligen Art ist dies auch. Es ist abartig und eklig in einem, eben gar nicht so richtig Fitzek-typisch.

Auch wer hier einen Topseller Fitzekart erwartet, sollte hier vielleicht eher mit weniger großen Erwartungen herangehen, denn die vielen Rezensionen zeigen, dass die Fans einen detailgetreuen Fitzek erwarten, nicht einen nachempfundenen Neuroman eines Erstlingsautors. Das aber liebe Leute will der Hr. Fitzek genau bezwecken, abweichend von seinen Werken, ausgegeben als Erstlingswerk eines anderen Autors – und genau das ist ihm super gelungen meiner Meinung nach!

Für Fans von Fitzek sicher ein Must-have, auch wenn viele wg. oben beschriebenen eher enttäuscht sein werden. Dennoch eine kurze, spannende Unterhaltung so kurz vor Erscheinen des neuen Fitzeks, in welchem der Autor Max Rhode vorkommt =)

4 von 5 Punkten