Lou Timisono – Centum Night posted by on 23. Februar 2016

Wenn die Teile der Erde gesplittet wären in Gesellschaftsformen der unterschiedlichsten Art – wie würde das wohl enden? Ein gutes Beispiel hierfür gibt uns Lou Timisono mit dem Dystopieroman „Centum Night“. Auch hier gibt es die drei verschiedenen Klassen, die verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören.

Autor: Lou Timisono
Titel: Centum Night
Genre: Thriller, Dystopie
Verlag: Balladine
Erscheinungsdatum: 06.07.2015
Preis: 16,95 €

Viele Länder schließen sich der Coastal Alliance an. Der Beitritt verhilft der dortigen Elite zu mehr Macht und Luxus, während die arme Bevölkerung in einer vom Verbrechen beherrschten Zone leben muss. Zwischen diesen Schichten befindet sich eine Hochsicherheitszone, deren Bewohner nicht einmal Gefühle und Freundschaft erfahren dürfen, noch eine Ablenkung in Form von Sex. Hier herrscht die Trockenheit hoch zehn. Die Wünsche nach emotionaler Nähe und sexueller Natur werden auf hohem technologischem Niveau kontrolliert abgebaut. Es gibt daher auch keine Gewalt in Solocity. Dann geschieht etwas, mit dem keiner gerechnet hat – es beginnt eine rätselhafte Mordserie – in Solocity! Der Agen Eddie Bellefleur erhält bei seinen Ermittlungen Hinweise auf ein Netz aus Verrat und verborgenen Leidenschaften, die bis hoch in die Regierung reicht, in die Gegend, in welcher der Luxus herrscht.

Die Einführung in den Roman war schnell und gut – man war sofort darin. Man fragt sich natürlich die ganze Zeit, wer hier die Fäden in der Hand hat und wieso man so ein gefühlsloses Land geschaffen hat. Eddie ist ein sympathischer Agent, der unterdrückt noch immer Gefühle hat, so auch sein Gefährte und Freund Blue. Leider dürfen sie diese nicht offen leben und müssen geheim damit umgehen. Sie gehen den komischen Machenschaften nach, welche die Mordserie angerichtet hat. Schnell wird dabei klar, dass es sich um Macht dreht.

Die Personen an sich hier im Roman sind wie von weiter Ferne, man kann sich nicht richtig in sie hineinfühlen und ich kann mich ehrlich gesagt mit keinem so recht anfreunden. Vielleicht ist das so gewollt, da ja keinerlei Gefühle und Freundschaft herrschen dürfen und das dem Leser so besser rübergebracht wird – wer weiß?

Der Schreibstil an sich ist leicht lesbar und man kommt schnell voran. Eine gewisse Spannung ist auch vorhanden, jedoch steigert diese sich nicht mehr ins Unermessliche und ich hab mich oft über die Zeilen hinweggekämpft und mich gefragt, ob noch etwas großes kommt. Es kommt zwar immer wieder etwas, aber so richtig überraschen tut es einen nicht.

Die meisten von uns wären wahrscheinlich bei der verarmten Bevölkerung – in Bonnieville – gelandet. Diese Gesellschaftsschicht ist zwar arm, aber reich an Gefühlen und Freundschaften. Ich selbst würde mich hier auch wohl fühlen anstatt in einer rauen, gefühlslosen kalten Welt. Mir erschließt sich nicht ganz, worauf der Autor hier hinaus wollte und ich kann mich mit dem Roman leider nicht ganz anfreunden.

Dennoch hält die Spannung den Leser bei und lässt ihn so ans Ende kommen. Ein Aha-Effekt stellt sich hier aber nicht ganz so ein, wie man es sich evtl. gewünscht hätte. Nichts desto trotz einmal eine andere Art von Thriller und Dystopie, was gelesen werden möchte! Ich kann es nur bedingt weiterempfehlen – es sind einfach einige Schwächen zu finden bzw. Durchhänger, die aber im Prinzip nicht das ganze Lesevergnügen ruinieren, sondern nur beiläufig etwas stören!

3 von 5 Punkten

Andreas Gruber – Todesurteil posted by on 7. Januar 2016

Wenn Kinder verschwinden, hört auch der Spaß für alle Ermittler auf. Keiner mag und will es verstehen, wie Menschen so etwas tun können – ganz davon abgesehen, dass so etwas überhaupt in allen möglichen Jahresgruppen passiert. Auch der bekannte Profiler Maarten S. Sneijder im zweiten Band von Andreas Gruber nimmt ungelöste Mordfälle an der Akademie des BKA mit seinen Schüern durch – und muss eingestehen, dass hier einiges zusammen hängt mit den Fällen verschwundener Kinder…

Autor: Andreas Gruber
Titel: Todesurteil
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 16.02.2015
Taschenbuch: 576 Seiten
Preis: 9,99 €

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara, seit über einem Jahr bereits. Dann taucht sie völlig verstört im Wald wieder auf und man findet auf ihrem Rücken Tattoos mit Dantes „Inferno“. Clara spricht zuerst keinerlei Worte, bis sie auf die Staatsanwältin Melanie Dietz und ihren Traumahund Sheila trifft, die sich dem Mädchen annimmt. Wie sich herausstellt, ist Clara die Tochter ihrer verstorbenen, ehemals besten Freundin Ingrid – und sie fängt an zu ermitteln. Gleichzeitig nimmt Sabine Nemez die Studien auf an der besagten Akademie in Wiesbaden und nimmt Ermittlungen in ungelösten Mordfällen auf, welche einen Zusammenhang haben mit mehreren Fällen sowie mit dem Fall in Wien. Hier ist Clara die Einzige, die den Mörder jemals gesehen hat und somit in großer Gefahr…

Nachdem ich bereits den ersten Teil „Todesfrist“ gelesen habe, der nur vor Spannung strotzte, war für mich klar, dass ich den Folgeband auch lesen muss. Nemez und Sneijder sind genau so, wie man es von ihnen kennt und auch erwartet. Es dauerte bei mir persönlich etwas, bis ich diese wieder im Gedächtnis hatte, aber dann ging es umso schneller. Nemez kann es einfach nicht lassen, Alleingänge zu machen und zu ermitteln, in den ungelösten Mordfällen, die die Studenten mit Sneijder besprechen. Er selbst ist der perfektionierte „Arsch“ schlechthin, wie gewohnt. Aber wie auch immer – in einem harten Gehäuse steckt auch ein weicher Kern, was hier voll zutrifft, er drückt es nur anders aus!

Der Autor hat den Leser somit sogleich wieder in den Fängen, die Spannung wird mit jeder Zeile und Seite mehr geladen. Ich hatte echt Probleme damit, das Buch wieder aus den Händen zu legen. Die Abtrennung der Kapitel macht es einem hier auch einfach, schön weiterzulesen und gar nicht mehr aufzuhören. Man liest aus Wien, aus Wiesbaden, einmal aus den Protokollen und immer wieder von den verschiedenen Charakteren, wie der Verlauf gerade ist. Ich muss sagen, die Spannung lässt echt gar nicht nach, sie steigert sich nur noch mehr, selbst wenn man denkt, das geht ja gar nicht – geht wohl!

Da Sneijder wie auch Nemez die Gabe haben, sich total in die Täter hineinzuversetzen, werden die Leser auch mit fast jedem Kapitel mit weiteren Leckerlis belohnt und somit an der Stange gehalten. Wenn man denkt, sie sind auf der richtigen Spur, gibt es aber doch immer wieder eine andere und man kommt selbst ins Grübeln, wieso man das tut und wie hier wohl alles zusammenhängen vermag.

Gegen Ende wird man aber mit der Auflösung belohnt und die gespinnten Fäden werden gekonnt zusammengeführt – es lassen sich keine Fragen offen und man ist befriedigt mit der Auflösung. Mit diesem Werk über 500 Seiten hat Gruber eine grandiose Fortsetzung geschaffen, die mit wirklich allem gespickt ist und an welcher es an nichts fehlt. Das zweite Buch kann es ohne Wenn und Aber mit dem ersten Band aufnehmen und man kann auf eine tolle Weiterspinnung der Geschichte freuen! Wer aber etwas schwache Nerven hat, sollte doch die Finger davon lassen, denn es sind schon etwas derbe Szenen vorhanden, die sich ins Kopfkino einbrennen! Von mir aber eine klare Leseempfehlung an alle eingefleischten Thrillerfans, die es gerne etwas „härter“ mögen und auf den Nervenkitzel aus sind!

5 von 5 Punkten

Charlotte Link – Die Betrogene posted by on 7. Dezember 2015
Es ist Tatsache – wird ein Polizist ermordet, wird diesem Mord mehr Aufmerksamkeit zugeschrieben. Ist die Tochter auch noch Polizistin, wird auch sie darin „ermitteln“ auf eigene Faust. Genau das macht die Protagonistin Kate Linville aus dem neuen Roman von Charlotte Link.

Autor: Charlotte Link
Titel: Die Betrogene
Genre: Krimi
Verlag: Blanvalet
Erscheinungsdatum: 02.09.2015
Taschenbuch: 640 Seiten
Preis: 9,99 €

Kate Linville ist die Tochter eines Polizisten und selbst Polizistin bei Scotland Yard. Eigentlich sollte sie ein glückliches Leben haben, einen tollen Job hat sie ja scheinbar schon. Doch sie fühlt sich um ein glückliches leben betrogen – kontaktscheu und einsam ist sie und es gibt nur einen Menschen in ihrem Leben, der ihr Halt gibt – ihr Vater. Als dieser aber grausam in seinem Haus ermordet wird, wird ihr auch noch dieser entrissen und ihre Welt bricht zusammen. Kurzerhand fährt sie in den Ort und in sein Haus und fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln, denn dem ortsansässigen, alkoholkranken Ermittler traut sie nicht so ganz. Sie entlarvt immer mehr Vergangenheit ihres Vaters, auf welche sie am liebsten gar nicht gestoßen wäre…
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich von diesem Buch halten soll geschweige denn groß darüber schreiben. Es lässt mich verwirrt zurück und etwas enttäuscht. Eigentlich hätte man aus diesem Buch zwei schreiben können, da hier zwei Handlungen nebeneinanderher laufen ohne etwas miteinander zu tun zu haben.
Auf der einen Seite haben wir hier Kate – eine Polizistin bei Scotland Yard – die ihren Vater auf tragische Weise verliert. Selbst Polizist, wurde dieser in seinem eigenen Heim ermordet. Daraufhin geht Kate in sein Haus und ermittelt auf eigene Faust. Zwischendurch blitzt immer wieder ihr kaputtes Selbstwertgefühl durch und eigentlich denkt sie, sie bekommt gar nichts auf die Reihe. Mir persönlich war das irgendwann zuviel des Guten – man fragt sich irgendwann, was die gute Frau bei Scotland Yard macht, wenn ihr kaputtes Selbstwertgefühl echt alles einnimmt, was ihr Denken und Handeln bestimmt. Im Grunde müsste man hier ja Mitleid mit ihr haben, aber mich hat das irgendwann nur noch genervt und ich konnte mich nicht so recht mit ihr anfreunden. Natürlich ist es nicht schön, den Vater zu verlieren und das auf solche Weise, aber wenn die Autorin in jedem Satz, welcher sich um die Progatonistin dreht, eine niederschmetternde Denkweise darlegt, drückt das die Lesestimmung ganz schön runter.
Auf der anderen Seite haben wir die Familie Crane, die sich eine Auszeit aus dem Leben nimmt und an einen abgelegenen Ort fährt, um dort ohne Internet, Telefon usw. eine Zeit lang auszukommen und zu sich zurückzufinden. Hier erwartet sie jedoch dann ein schlimmeres Grauen als das heutige vernetzte Zeitalter.
Die Abschnitte mit den Cranes fand ich fast spannender als die eigentliche Geschichte rund um Kates Vater, bei welchem der Mord ja noch immer nicht aufgedeckt wurde. Was die beiden Geschichten miteinander zu tun haben, sei dahingestellt, am Ende führt nichts zusammen was man sich hier herausspinnt.
Als man dann tatsächlich auf die Spur des Mörders kommt, ist es doch wieder etwas interessanter, was hier die Beweggründe waren und wie es abgelaufen ist. Auch der Schreibstil ist sehr gut gewählt und lässt einen eigentlich gut lesen, wäre die Story an sich nicht etwas lang und zäh. Ich denke, hätte man aus den beiden Geschichten jeweils ein Buch gemacht, wäre etwas besseres daraus geworden.
So ganz mag ich das Buch ja nicht empfehlen, denn wer Link kennt und auch schon von ihr gelesen hat, wird sie hier nicht ganz zu ihren Spitzenzeiten wieder erkennen. Dennoch ist eine gewisse Spannung enthalten und als Fan ist ja sowieso jedes Buch ein Must-Have!
2,5 von 5 Punkten
Rudi Jagusch – Mordsommer posted by on 4. November 2015

Frühere Freunde in einem verlassenen Dorf im Wald, weitab von Zivilisation, kein Handyempfang und eine stürmische Nacht – dann passieren unheimliche Dinge. So etwas lässt stark nach einem Horrorfilm bzw. Thriller vermuten, den man nicht gerne selbst erleben möchte, oder? Aber genau das passiert den früheren besten Freunden aus Jaguschs Thriller „Mordsommer“.

Autor: Rudi Jagusch
Titel: Mordsommer
Genre: Thriller
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 09.03.2015
Taschenbuch: 464 Seiten
Preis: 9,99 €

Die angehende Oberstaatsanwältin Nina Lehmann hat eigentlich alles, was sie sich erträumt hatte. Sie wird bald zur Oberstaatsanwältin befördert, hat ein geordnetes Leben und fühlt sich wohl. An was sie da am wenigsten denkt, ist ihre Vergangenheit – doch diese kommt schneller wieder hervor, als sie denkt. Ein anonymer Brief erreicht sie, welcher ihr mitteilt, dass die Enthüllung eines streng gehüteten Geheimnisses ihre Karriere ruinieren würde. Sie soll an einen abgelegenen Ort in der Eifel kommen. Da sie sich nicht einschüchtern lässt, fährt sie kurzerhand dorthin. Zu ihrer Überraschung wurden auch die anderen aus ihrer Jugendclique dorthin bestellt. Es beginnt ein grauenhaftes Psychospiel…

Der Thriller lässt einen stark versinken, wie als würde man einen Thriller im Fernsehen ansehen. Der Autor fackelt gar nicht so lange herum, er stellt Nina vor und dann geht es auch gleich los in die Eifel. Immer mehr erfährt man von ihrer Vergangenheit und dass sie ja doch nicht so ein feines Mädel war – denn hier sind einige krumme Dinge gelaufen. In ihrer jetzigen Zeit ist sie eine erfolgreiche Staatsanwältin, die bereits bald zur Oberstaatsanwältin befördert wird. Eigentlich will sie das ja feiern, jedoch kommt ihr da der anonyme Brief in die Quere, der sie in die Eifel einlädt, nein wohl eher dahin „befiehlt“. Ohne zu wissen, was sie eigentlich genau erwartet, macht sie sich los. Dort trifft sie ihre alten Freunde aus der Jugendclique wieder, außer einem. Alle müssen erkennen, dass sie zu einem perfiden Spiel eingeladen wurden. Einer sinnt auf Rache, doch wer? Es könnte eigentlich jeder sein aus dem Team oder aber doch jemand anders?

Der Schreibtil lässt einen von Zeile zu Zeile springen und auch die Spannung wird immer wieder angehoben. Man rätselt selbstverständlich mit, wer hier der Bösewicht ist und alle zu einem Psychospiel einlädt. Ist es hier der fehlende Mann der Truppe? Oder aber doch jemand ganz anders? Im Prinzip kann es hier jeder sein, da wird der Leser viel auf die falsche Fährt gezogen. Ich muss persönlich jedoch sagen, ich hatte ab einem gewissen Zeitraum einen im Visier und lag damit nicht falsch. Vielleicht kommt es auch darauf an, ob man so etwas gerne und oft liest, oder aber eher selten.

Einige Details sind echt grauenhaft aus der Vergangenheit der Charaktere und man will sie sich nicht genauer vorstellen. Schon gar nicht, wenn man sich deutlich macht, dass es wirklich solche Menschen gibt und diese als ganz normal von uns wahrgenommen werden. Man erkennt kleine Psychopathen eben nicht immer gleich.

Dennoch reisst die Story einen so mit, dass man kaum aufhören mag zu lesen. Natürlich läuft der Film auch vor eigenen Augen ab und man mag sich gar nicht vorstellen, wie es sein könnte, wäre man selber an Ort und Stelle. Alleine schon im Dunkeln und kein Handyempfang und dann diese düstere Atmosphäre…Der Autor erzeugt auf jeden Fall eine gruslige Situation, die das Kopfkino ankurbelt – und welche einen nicht weiter darüber nachdenken lassen möchte, was wäre wenn das echt wäre usw.

Für solche, die gerne etwas Spannendes in einem Rutsch lesen möchten, ist das genau die richtige Lektüre. Wer aber oft und gerne Thriller liest, wird evtl. gleich auf den Bösewicht stoßen. Die Spannung geht hiervon aber nicht verloren – denn es könnte immernoch jeder sein, was man erst gegen Ende richtig erfährt!

4 von 5 Punkten

Max Rhode – Die Blutschule posted by on 20. Oktober 2015

Steckt in allen von uns das Böse, von grundauf? Kann dieses nach außen gekehrt werden durch einen Spiegel, der das Selbst spiegelt? Was passiert dann mit uns? Die Brüder Simon und Mark dürfen das am eigenen Leib erfahren und lernen die Blutschule kennen…

Autor: Max Rhode (bzw. Sebastian Fitzek)
Titel: Die Blutschule
Genre: Thriller, Horror
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 08.10.2015
eBook: 255 Seiten
Preis: 9,99 €

Die Brüder Simon und Mark ziehen mit ihren Eltern von Berlin in eine Einöde Brandenburgs. Das Einzige, worauf sie sich momentan freuen können, sind die Sommerferien. Doch auch hier hat der Vater sich etwas anderes ausgedacht – er nimmt sie mit auf einen Ausflug auf eine Insel. Dort gibt es eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer, eine Schule der besonderen Art – Fallen stellen, Opfer jagen und Menschen töten. Simon und Mark fühlen sich wie im falschen Film und fragen sich, wie sie hier wieder heile rauskommen.

Ich muss gleich zu Anfang sagen – ich bin an das Buch gegangen, als wäre es ein typischer Fitzek, denn böse Zungen munkelten, es sei er unter dem Pseudonym Max Rhode – was mittlerweile bestätigt ist, siehe Aufdruck Buch =) Ganz anders als sein typischer Stil ist er hier mehr auf die Horrorschiene gerutscht und man hätte fast gedacht, er wäre es doch nicht – tóuche Herr Fitzek! Dennoch erkennt man als Fan seinen Schreibstil, der immer wieder durchrutscht.

Simon und Mark werden einem vorgestellt als sehr aufgeweckte und neugierige Teenager. So neugierig auf die Blutschule sind sie dann doch nicht, was ihren Vater aber nicht stört. Er will sie das Jagen und Töten lehren. Seit sie in die Einöde gezogen sind, scheint ihnen sowieso alles negativ entgegenzusehen. Keiner mag die Familie wirklich, ein vermeintlich Pädophiler lebt im Wald und Simon wird von einer Clique geärgert. Und dann wird auch noch ihr Vater auf einmal ganz komisch und macht mit ihnen den Ausflug zur Insel.

Es sei gleich gesagt, der Thriller weicht total von Fitzeks Norm ab. Er ist abscheulich und driftet eigentlich eher in das Genre Horror ab, was ja auch nicht ganz Fitzeks Sparte ist. Dennoch muss man hier beachten, dass Fitzek es so geschrieben hat, als wäre es ein Erstlingswerk aus einer anderen Autorenfeder und hierfür hat er volle Punktzahl verdient – denn man kann es eigentlich fast nicht besser machen! Trotzdem ist es erstaunlich, was für eine Fantasie dieser Mann hat und wie er sogar so seinen Schreibstil verändern kann, dass man ihn glatt für einen anderen Autor halten könnte, wenn man es nicht besser wüsste.

Wer also eine etwas zu lebhafte Fantasie hat und sich die Greueltaten in diesem Buch detailgetreu vor Augen zeigen lassen kann, dem sei gesagt, dass es eklig wird. So viel Fantasie der liebe Herr Fitzek hier einspinnt, so viel Kopfkino der ekligen Art ist dies auch. Es ist abartig und eklig in einem, eben gar nicht so richtig Fitzek-typisch.

Auch wer hier einen Topseller Fitzekart erwartet, sollte hier vielleicht eher mit weniger großen Erwartungen herangehen, denn die vielen Rezensionen zeigen, dass die Fans einen detailgetreuen Fitzek erwarten, nicht einen nachempfundenen Neuroman eines Erstlingsautors. Das aber liebe Leute will der Hr. Fitzek genau bezwecken, abweichend von seinen Werken, ausgegeben als Erstlingswerk eines anderen Autors – und genau das ist ihm super gelungen meiner Meinung nach!

Für Fans von Fitzek sicher ein Must-have, auch wenn viele wg. oben beschriebenen eher enttäuscht sein werden. Dennoch eine kurze, spannende Unterhaltung so kurz vor Erscheinen des neuen Fitzeks, in welchem der Autor Max Rhode vorkommt =)

4 von 5 Punkten

Clive/Dirk Cussler – Unterdruck posted by on 15. Oktober 2015

Für den Vater ist es immer schön, wenn der Sohn seine Serie fortsetzt – so setzt auch Dirk Cussler die erfolgreiche Serie rund um Dirk Pitt fort. Mittlerweile sind es 22 Bände rund um diesen Mann, um die Meereswelt und die U-Boote.

Autor: Clive/Dirk Cussler
Titel: Unterdruck
Genre: Abenteuerthriller
Verlag: blanvalet
Erscheinungsdatum: 16.03.2015
Taschenbuch: 512 Seiten
Preis: 8,99 €

Das schnellste U-Boot, die „Sea Arrow“, wurde im Geheimen entwickelt. Nun ist das Schlüsselelement des Prototypen verschwunden und der Entwickler tot. Zur selben Zeit verschwinden mehrere Schiffe auf dem Meer, welche nicht mehr wieder gefunden werden. Wenn doch, dann befinden sich an Bord verbrannte Leichen. Was ist hier geschehen? Nur Dirk Pitt, der Direktor der NUMA ist in der Lage, die Zusammenhänge aufzudecken. Sollte er versagen, bedeutet das das Ende der Welt.

Gleich vorneweg muss ich sagen, dass ich keinerlei Buch des Autoren Clive Cussler kenne und mitten in einer Reihe angefangen habe zu lesen. Ich denke, das tut der Serie aber keinen Abbruch und behindert den Lesefluss auch nicht. Man lernt hier den Protagonisten auch direkt kennen und muss meiner Meinung nach keine Vorkenntnisse zum Roman haben.

Es ist ein Abenteuerthriller – und so wird auch der Protagonist und seine Freunde von einem Abenteuer ins nächste geworfen. Das erstaunliche daran ist, wie er jedes Mal die Situation aufs Neue meistert und immer als Held hervorgeht. Scheinbar geht Dirk Pitt nichts daneben, er schafft es immer, die Situation so zu meistern, als würde ihm kein Fehler unterkommen. Die Charaktere rund um ihn und auch er selbst sind sehr detailgetreu gezeichnet und es macht Spaß deren Konversationen zu verfolgen – dennoch ist es unwahrscheinlich, dass einem die Glückssträhne so derartig begleitet.

Die Spannung nimmt in diesem Roman keinesfalls ab und auch der Schreibstil ist so gehalten, dass man ohne zu Stoppen weiterlesen kann. Die Sprache und die Ideen des Autors lassen den Leser schnell vorankommen und einige spannende Stunden verbringen.

Ich persönlich muss leider sagen, dass ich mit der Materie an sich, den U-Booten etc., nicht viel anfangen kann und so herausgefunden habe, dass Bücher mit diesen Themen nicht gut in mein Lesegenre passen. So spannend das Buch auch ist, für mich war es manchmal etwas anstrengend weiterzulesen, da ich mich nicht gut hineinfinden konnte in die Materie.  Für Fans des Genres sowie der gesamten Reihe ist dieses Buch aber sicherlich ein Muss – so kann ich dieses gewissenlos weiterempfehlen, selbst wenn es mich persönlich nicht direkt vom Hocker gehauen hat! Mit dem Schreibstil und der aufgebauten Spannung konnte aber auch ich mich sehr gut anfreunden und lese gerne mehr von diesem Autor – wenn es um ein anderes Thema geht!

3 von 5 Punkten

Michael Tsokos – Zerschunden posted by on 13. Oktober 2015

Niemand kann besser etwas zu den Machenschaften eines Mörders erzählen als ein Gerichtsmediziner – so auch Tsokos. Sein erster Thriller ist ein True-Crime-Thriller und handelt von einer Bestie, einem Mörder, wie man ihn nicht kennenlernen möchte…

Autor: Michael Tsokos
Titel: Zerschunden
Genre: Thriller
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 01.10.2015
Paperback: 432 Seiten
Preis: 14,99 €

Ein Serienkiller ist am Werk, immer in der Nähe von Flughäfen, europaweit. Er ist schnell und unberechenbar und er ist einfach nicht zu kriegen. Er sieht es auf alleinstehende ältere Frauen ab, nimmt ihr Geld mit und hinterlässt eine ganz persönliche Signatur auf deren Körper. Der Rechtsmediziner Fred Abel vom BKA ist plötzlich ganz tief in dem Fall involviert, da dieser ihm persönlich wird. Sein alter Freund aus Soldatenzeiten wird unschuldigerweise für die Taten des Killers eingesperrt. Und währenddessen stirbt ihm seine Tochter im Krankenhaus weg. So setzt Abel alles daran, um Moewigs Unschuld zu beweien und reist dem Mörder hinterher, immer auf der Spur….

Das ganze Buch besteht aus einem Rätsel und man merkt auch gleich, dass der Autor eine Menge Ahnung von der Materie hat. Er selbst ist Rechtsmediziner und lässt seine Fertigkeiten gekonnt in den Thriller einfließen. Man ist von der ersten Seite gebannt dabei, schaut Abel über die Schulter und lernt dabei alle umstehenden Charaktere in diesem Fall kennen. Abel ist einem gleich von Anfang an sympathisch, er ist ein Realist und ein sehr liebenswürdiger Mensch. Er hat aber auch seine harten Seiten und setzt das durch, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Hat er einmal ein Ziel, wird dieses auch angepeilt und durchgesetzt. Für seinen Freund Moewig, der unschuldig in Haft sitzt, tut er alles, damit er hier wieder herauskommt und seiner dem Tod geweihten Tochter noch Lebewohl sagen kann, bevor es zu spät ist.

Durch die Zeilen durch stößt Abel immer wieder auf Hindernisse, nicht selten auch aus den eigenen Reihen der Justiz. Ich denke mir, dass dies oft auch in der Realität vorkommt, diese Machtkämpfe und Neidigkeiten. Wer am längeren Hebel sitzt, hat am Ende auch das Sagen. Tsokos bringt die Materie dem Leser auf alle Fälle ein Stück näher und so erfährt man auch von der Haplo-Typ-Methode, bei welcher zwar nicht der Täter direkt ausfindig gemacht werden kann, aber der Typ hiervon, über welche Wurzeln er auch immer verwandt ist. Mehr hierzu erklärt er auch im Nachwort. So finden Abel und seine Leute auch den ersten Verdächtigen: Lars Moewig. Trotz vieler komischer Zufälle und seines Verhaltens, ist dieser aber sicher nicht der Mörder und Abel versucht dies zu beweisen. Es ist aber auch ein Spiel des Zweifelns, denn auch Abel fragt sich des Öfteren, ob er es wirklich nicht war oder doch. Die Freundschaft und das Vertrauen wird so auf das Spiel gesetzt – doch Abel vertraut seinem gesunden Menschenverstand und sucht so weiter.

Durchweg wird die Spannung gehalten und sogar noch gehoben. Trifft man auf Passagen des Mörders, kann es ganz schön blutig werden. Wer also etwas schwächere Nerven hat, sollte hier lieber die Finger davon lassen. Bis Abel um die ganze Welt gereist ist und den Mörder ausfindig gemacht hat, vergeht in der Geschichte zwar einige Zeit, für den Leser ist die Hürde aber in Null komma nichts überwunden und man fragt sich, wo die ganzen Zeilen hin sind.

Wenn man sich hier vor Augen führt, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte basiert, ist es noch umso erschreckender, aber nicht weniger spannend. Auch wenn man gleich am Ende angelangt ist, muss man nicht traurig um den Abschluss der Geschichte sein, denn das ist ein Auftakt zu einer Reihe rund um Abel.

Als eingefleischte Thrillerleserin kann ich den True-Crime-Thriller nur allen Thrillerfans ans Herz legen, vor allen denjenigen, die es rasant und spannend mögen, aber auch nichts gegen etwas brutalere Szenen darin haben. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände der Serie rund um Abel!

5 von 5 Punkten

James Oswald – Asche zu Asche, Blut zu Blut posted by on 22. September 2015

Es ist schon erschreckend genug, eine entstellte Frauenleiche im Wasser zu finden – noch schlimmer, wenn der Fall an den Mord der Verlobten erinnert. So ist es der Fall bei Protagonist Mc Lean im Thriler von James Oswald. Dies ist bereits sein zweiter Fall und auch hier spitzt sich die Lage zu..

Autor: James Oswald
Titel: Asche zu Asche, Blut zu Blut
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 16.03.2015
eBook: 444 Seiten
Preis: 8,99 €

An einem eisigen Wintertag wird in Edinburgh eine Frauenleiche im Wasser treibend gefunden. DI McLeand erlebt ein schmerzliches Déjà-vu: Das Opfer ist genau wie seine Verlobte vor 12 Jahren getötet worden und auch andere Opfer vor ihr. Doch ihr Mörder wurde eigentlich verhaftet und ist vor kurzem gestorben. Was kann er hierbei übersehen haben, war es gar nicht der besagte Mörder? Mit allen gemischten Gefühlen rollt McLean nochmals den Fall von früher auf und untersucht die Ergebnisse, immer auf der Spur der Wahrheit. Doch muss er sich beeilen, denn es gibt bereits neue Opfer…

Auch im weiteren Teil hat es McLean immernoch schwer auf der Wache – Duguid macht ihm noch immer das Leben schwer. Es war wohl Hass auf den ersten Blick bei den beiden. Neben den gewohnten ständigen Kabbeleien spitzt sich hier McLeans Fall zu und er fällt immer tiefer in die Vergangenheit. Er muss oft an seine ermordete Verlobte Kirsty denken, denn der neue Fall hat viel mit den alten zu tun. Nebenbei hat er auch noch ernsthafte private Probleme, als sein Heim abgefackelt wird. So ganz wird man hier nicht schlau draus, was das alles miteinander zu tun haben soll. Wenn man gehofft hat, dass zwischen ihm und Emma eine Lovestory entfacht, muss man sich wohl etwas gedulden, bis es richtig zur Sache geht.
Im zweiten Teil findet man auch die gleiche Spannung wieder wie im ersten Teil. Man findet sich im Sog der Zeilen wieder, man begleitet das Team rund um McLean und ist mit ihm traurig, wütend und offen für die Ergebnisse. Es ist schwer erkennbar, ob der Täter der Mörder von früher ist und dass dieser hier nur falsch gefasst wurde oder ob es sich hier um einen Nachahmer handelt. Doch, wer kann es sein? Dieses Rätsel bleibt zumindest bis zum Schluss unaufgedeckt und lässt den Leser viel raten und gemeinsam mit dem Team ermitteln.
Auch die zwischenmenschlichen Szenen sind hier gut in Sprache gebracht. Die guten alten Charaktere aus dem ersten Band dürfen natürlich nicht fehlen und begleiten den Inspector auch hier seelisch und moralisch bei den Fällen. Sie stehen auf seiner Seite und unterstützen ihn tatkräftig. Anders Duguid – dieser kann wieder nur zünden und sticheln und sich so auch beim Leser unbeliebt machen.
Der Einstieg in Oswalds Thriller sind immer etwas holprig, nehmen aber mit der Zeit Fahrt auf und lassen einen nicht mehr los. Die Spannung sowie der Aha-Effekt am Ende machen das Buch lesenswert, so dass ich es gewissenlos allen Lesern des Genres empfehlen kann! Hier sollte man aber dennoch zuerst den ersten Band lesen, um die ganzen Charaktere besser zu verstehen und kennenzulernen. Rein theoretisch könnte man aber auch ohne das erste Buch gelesen zu haben, beginnen.
4 von 5 Punkten
Carol O´Connell – Kreidemädchen posted by on 27. August 2015

Seit wann müssen Polizisten immer sympathisch sein, um ihre Arbeit genau zu machen? Bei einer Ermittlung gegen einen skrupellosen Mörder hilft die ganze Sympathie nichts – sondern der Erfolg bei der Ermittlung! Auch die etwas verhaltensgestörte Polizistin Mallory muss dringend einen Mörder finden und ihre wichtigeste Zeugin ist ein kleines Mädchen…

Autor: Carol O´Connell
Titel: Kreidemädchen
Genre: Thriller/Krimi
Verlag: btb
Erscheinungsdatum: 12.01.2015
Taschenbuch: 544 Seiten
Preis: 9,99 €

Die Polizei findet im Central Park ein kleines rothaariges Mädchen, es sieht aus wie eine Elfe. Das Mädchen hat Blutspuren auf den Schultern und erklärt den Polizisten, das Blut sei aus dem Himmel gekommen, als sie nach ihrem Onkel Red gesucht hat im Park. Die Polzei geht von einem armen verwirrten Kind aus, doch dann entdecken sie die Leiche im Baum. Detective Mallory nimmt sich den Fall an und erkennt in dem Mädchen eine verletzte Seele, wie sie selbst eine war. Das verwirrte Mädchen scheint mehr erlebt zu haben, als es den Schein hat. Mallory ermittelt ohne Wenn und Aber in einem dichten Dickicht aus Gewalt, Geheimnissen und psychischer Abhängigkeit.

Der Einstieg war zwar leicht in diese Lektüre, aber der Leser fragt sich natürlich schon, was die Rattenplage mit dem Geschehen an sich zu tun hat. Dennoch wird man auf den richtigen Weg geführt. Nach und nach bekommt man die ermittlenden Detectives vorgestellt, darunter auch die taffe Mallory. Diese wurde zuerst zu einer Bürotätigkeit abgestempelt, da sie sich einmal einfachso aus dem Staub gemacht hat. Doch ihr Partner Riker holt sie mit einem Trick zurück in die Ermittlung. Man lernt sie als zurückgezogene, sehr unsympathische Person kennen. Nichts desto trotz versteht sie ihre Arbeit und erzielt auch gute Ergebnisse damit. Sie eckt überall an und scheint keinerlei Gefühl zu haben – bis sie auf das Mädchen aus dem Park trifft, Coco. Das Mädchen scheint es ihr irgendwie angetan zu haben, vielleicht erinnert es sie an sie selbst? Dennoch ist es ihre wichtigste Zeugin und sie zieht die Strippen, wie sie es bei dem etwas „behinderten“ Mädchen nicht tun sollte.

Man begleitet die Detectives auf spannenden Wegen – der Schreibstil erleichtert es einem, ungezwungen drauflos lesen zu können und auch die Spannung kommt hier nicht zu kurz. Die Handlung driftet immer von einer zur anderen, so dass man manchmal etwas Probleme haben könnte, mitzukommen. Man bewegt sich in einem Strudel aus Gewalt, Abhängigkeit, alten ungelösten Fällen und auch in der höheren Politik.

Es ist erstaunlich, wie sich vieles löst, was sich aber gar nicht löst, sind die Augen auf den Zeilen – man kann einfach nicht aufhören! Das ist mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht das letzte – das Einzige, was manchmal aufstößt, ist das barsche Verhalten der Polizistin Mallory. Man versteht ihr Vorgehen nicht immer ganz, aber es hat seinen Zweck. Die Autorin versteht es, die Charaktere detailgetreu zu zeichnen, so dass man ein genaus Bild von ihnen hat und einen Film vor Augen abspielen kann.

Was wirklich nie nachlässt, ist die Spannung. Man stößt zwar von einer Handlung auf die nächste, aber das lässt den Lesefluss nicht abreissen, im Gegenteil. Man kann gar nicht anders, als immer weiter zu lesen, um mehr zu erfahren.

Für die Krimileser, die sich gern in politische und gräßliche Machenschaften hinabbegeben, ein gelungenes Lesefutter! Man sollte nur etwas klarkommen mit dem ungewöhnlichen Charakter Mallorys, der es einem manchmal etwas schwermacht!

4 von 5 Punkten

Henriette Clara Herborn – Schmerz – Malmingers letzter Fall posted by on 11. August 2015

Ein Mörder, der nach Vorlage „arbeitet“ – einem Fall, der viel Aufsehen erregte. Doch was will er damit bezwecken? Was geht in solchen Menschen vor? Genau so etwas widerfährt dem Kommissar Malminger in seinem aktuellen Fall im Krimi „Schmerz“ von Henriette Clara Herborn.

Autor: Henriette Clara Herborn
Titel: Schmerz – Malmingers letzter Fall
Genre: Krimi
Verlag: Leinpfad Verlag
Erscheinungsdatum: 03.06.2014
Taschenbuch: 356 Seiten
Preis: 14,90 €

Im Jahr 2017 wird in Mainz eine nackte, entstellte Frauenleiche auf dem Geländer der Alten Ziegelei gefunden. Hauptkommissar Ernst-August Malminger erkennt hier sofort, dass der Täter einen der größten Mordfälle vor 70 Jahren kopiert hat; der der Elizabeth Short, die Schwarze Dahlie. Ist das Zufall? Denn Malminger selbst ist größter Fanatiker des Falls und hat bereits ein Buch hierüber geschrieben. Er begibt sich auf eine Reise in die menschlichen Abgründe, auch seiner eigenen…
Währenddessen hat sein Kollege Lübke nur ein Ziel, er will verhindern, dass Malminger hier Erfolg hat, so dass er in seinen Rang aufsteigt. Auch die junge Polizistin Namiko ermittelt hier auf eigene Faust, denn eigentlich ist sie beim Sittendezernat und hat damit nichts zu tun. Ihr Ziel – ebenfalls aufzusteigen. Neben diesen Machtkämpfen ist der Mörder wie sein Komplize noch auf freien Fuß und die Ermittlungen führen ins Rotlichtmilieu, in welchem sich Lou, Castro und die beste Freundin des Mordopfers herumschlagen. Wer ist die Tote und wer der Mörder?

In diesem Krimi tauchen zahlreiche Charaktere auf und jeder ist detailliert beschrieben. Hier haben wir den Kommissar Malminger, der richtig viel eigene Pakete mit sich schleppt und eigentlich nur noch deprimiert ist. Seine Frau ist ihm davongelaufen mit Tochter und er ertränkt seine Sorgen in Alkohol. Zudem ist er noch ein richtiges Ekelpaket gegenüber anderen und denkt eigentlich nur an sich. Richtig sympathisch macht es diesen also nicht für den Leser und er ist hier der Protagonist. Ihm zur Seite gestellt ist der Kommissar Lübke, den er eingelernt hat und der ihn nun ausbooten will, damit er seinen Platz haben kann. Dabei ist dieser ein richtiger Feigling und handelt oftmals unüberlegt ohne über seine weiteren Taten und Handlungen nachzudenken. Nebenbei gibt es hier noch Namiko, die auf eigene Faust zu schnüffeln beginnt. Eigentlich fragt man sich hier die ganze Zeit, wann alle aufeinander treffen und sich in die Wolle bekommen, was aber nie passiert. Namiko steckt ihre Nase in Dinge, die sie nichts angehen und keiner bekommt es mit, also Alleingang. Es soll ihre Karriere unterstützen, da sie beim Sittendezernat ist, gerne aber zur Mordkommission gehören will und so zeigen will, was sie auf dem Kasten hat.
In wechselnden Kapiteln lernen wir hier auch noch das Opfer sowie deren Zuhälert, ihre beste Freundin sowie das Rotlichtmilieu kennen. Sobald es in diese Kapitel wechselt, wird die Sprache obszön und einfach nur primitiv. Mich persönlich hat das ganz schön gestrauchelt beim Lesen, ich konnte mich einfach nicht damit anfreunden. Vor allem, was Lou immer von sich gegeben hat, ganz schöner Quark. Bei diesem merkt man gleich, dass er nicht gerade der Hellste ist, aber auch bei den anderen. Außer dem Opfer selbst, welches als schönstes und eigentlich gescheitestes Mädchen in der Szene galt.
Das Ganze und auch Malminger selbst, tragen nicht gerade zum Lesevergnügen hinzu. Es ist, als würde man jemanden Unsympathischen bei der Arbeit zuschauen, der es sich selbst vergeigt. Nicht der ständige Wechsel der Charaktere und deren Sicht ist hierbei störend, sondern das Niveau, auf welchem diese sich begeben. Vielleicht ist das aber genau der Zweck, den die Autorin hiermit verfolgt, mir hat es leider nicht so zugesagt. Der Täter an sich war hier das detailgetreuste gezeichnete Werk, man kann richtig hineinfühlen, wie verstört seine Seele ist.
Trotz dieser Mankos bleibt die Spannung nicht zurück, man möchte wissen, wie es sich auflöst und was hier alle mit ihren Mitteln verfolgen. Die Autorin hat einen Krimi geschaffen, der nichts für schwache Nerven ist und hat zahlreiche Zeichnungen der Charaktere zwischen die Zeilen eingebaut sowie realitätsnahe Beschreibungen der Verbrechen.
So ganz weiterempfehlen kann ich das Buch leider nicht, kann aber auch an meiner persönlichen Sicht daran liegen, wie die Sprache in diesem Buch gewählt wurde und dass es meines Erachtens etwas zuviel Leidtragendes bei den Charakteren an sich gibt. Trotzdem ist der Schreibstil und die Zusammenstellung gut gewählt, so dass man wie durch einen schnellen Tunnel fliegt und sich schon bald am Ende findet. Auch der Fall der Schwarzen Dahlie, den es ja tatsächlich gab, eine gelungene Idee, diesen hiermit zu verweben.
2,5 von 5 Punkten