James Oswald – Asche zu Asche, Blut zu Blut posted by on 22. September 2015

Es ist schon erschreckend genug, eine entstellte Frauenleiche im Wasser zu finden – noch schlimmer, wenn der Fall an den Mord der Verlobten erinnert. So ist es der Fall bei Protagonist Mc Lean im Thriler von James Oswald. Dies ist bereits sein zweiter Fall und auch hier spitzt sich die Lage zu..

Autor: James Oswald
Titel: Asche zu Asche, Blut zu Blut
Genre: Thriller
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 16.03.2015
eBook: 444 Seiten
Preis: 8,99 €

An einem eisigen Wintertag wird in Edinburgh eine Frauenleiche im Wasser treibend gefunden. DI McLeand erlebt ein schmerzliches Déjà-vu: Das Opfer ist genau wie seine Verlobte vor 12 Jahren getötet worden und auch andere Opfer vor ihr. Doch ihr Mörder wurde eigentlich verhaftet und ist vor kurzem gestorben. Was kann er hierbei übersehen haben, war es gar nicht der besagte Mörder? Mit allen gemischten Gefühlen rollt McLean nochmals den Fall von früher auf und untersucht die Ergebnisse, immer auf der Spur der Wahrheit. Doch muss er sich beeilen, denn es gibt bereits neue Opfer…

Auch im weiteren Teil hat es McLean immernoch schwer auf der Wache – Duguid macht ihm noch immer das Leben schwer. Es war wohl Hass auf den ersten Blick bei den beiden. Neben den gewohnten ständigen Kabbeleien spitzt sich hier McLeans Fall zu und er fällt immer tiefer in die Vergangenheit. Er muss oft an seine ermordete Verlobte Kirsty denken, denn der neue Fall hat viel mit den alten zu tun. Nebenbei hat er auch noch ernsthafte private Probleme, als sein Heim abgefackelt wird. So ganz wird man hier nicht schlau draus, was das alles miteinander zu tun haben soll. Wenn man gehofft hat, dass zwischen ihm und Emma eine Lovestory entfacht, muss man sich wohl etwas gedulden, bis es richtig zur Sache geht.
Im zweiten Teil findet man auch die gleiche Spannung wieder wie im ersten Teil. Man findet sich im Sog der Zeilen wieder, man begleitet das Team rund um McLean und ist mit ihm traurig, wütend und offen für die Ergebnisse. Es ist schwer erkennbar, ob der Täter der Mörder von früher ist und dass dieser hier nur falsch gefasst wurde oder ob es sich hier um einen Nachahmer handelt. Doch, wer kann es sein? Dieses Rätsel bleibt zumindest bis zum Schluss unaufgedeckt und lässt den Leser viel raten und gemeinsam mit dem Team ermitteln.
Auch die zwischenmenschlichen Szenen sind hier gut in Sprache gebracht. Die guten alten Charaktere aus dem ersten Band dürfen natürlich nicht fehlen und begleiten den Inspector auch hier seelisch und moralisch bei den Fällen. Sie stehen auf seiner Seite und unterstützen ihn tatkräftig. Anders Duguid – dieser kann wieder nur zünden und sticheln und sich so auch beim Leser unbeliebt machen.
Der Einstieg in Oswalds Thriller sind immer etwas holprig, nehmen aber mit der Zeit Fahrt auf und lassen einen nicht mehr los. Die Spannung sowie der Aha-Effekt am Ende machen das Buch lesenswert, so dass ich es gewissenlos allen Lesern des Genres empfehlen kann! Hier sollte man aber dennoch zuerst den ersten Band lesen, um die ganzen Charaktere besser zu verstehen und kennenzulernen. Rein theoretisch könnte man aber auch ohne das erste Buch gelesen zu haben, beginnen.
4 von 5 Punkten
Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße posted by on 7. September 2015

Eine Entführung in die magische Fantasiewelt – jedes Kind hatte eine, jedes Kind hatte einen Ort, an welchem es sich mit fabelhaften Kreaturen oder dergleichen getroffen hat und vieles erlebt hat. Auch der Protagonist in Gaimans Roman „Der Ozean am Ende der Straße“ hatte ein solches Erlebnis…

Autor: Neil Gaimann
Titel: Der Ozean am Ende der Straße
Genre: Jugendbuch, Fantasy
Verlag: Eichborn
Erscheinungsdatum: 08.10.2014
Hardcover: 238 Seiten
Preis: 18,00 €

„Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen…“
Die Erzählweise des Autors packt den Leser sofort bei der Stange – man ist gefangen in der mystischen Welt, die der nun etwas ältere Protagonist erzählt. Er fährt in seine Heimat zurück wegen einer Beerdigung und erinnert sich zurück an die Zeit, als er hier mit 7 Jahren gelebt hat – und auch Lettie Hempstock, die Freundin mit ihrem Ententeich, welcher ein Ozean sei, wie sie behauptet.
Die Begegnung mit den Hempstock-Frauen ist einzigartig und man fühlt sich in Märchen versetzt, sobald sie anfangen zu erzählen. Sie sind die Weisheit an sich und die Beschützerinnen – sie meistern alles und bringen alles ins Lot, wie es sein soll. Lettie ist da auch keine Ausnahme – sie zeigt dem Protagonisten den Teich, ihren Ozean. Dort passieren die unglaublichsten Dinge und der Protagonist macht Bekanntschaft mit schönen Dingen, aber auch mit Monstern.
Der Schreibstil des Autors ist poetisch, idyllisch mit den Erinnerungen des Ich-Erzählers. Die Mystik sickert hier schön durch, hat der Autor doch schon immer eine Schwäche für solches und auch zu den Göttern, wie in anderen seiner Werke erkennbar. Die fantastischen Monster im Roman haben tatsächlich Ähnlichkeit mit den wahren Monstern des Lebens – sei es hier die Angst vor dem Alleinsein, des Erwachsenwerdens und das Drumherum eines Kindes. Geschickt verwebt der Autor diese Eigenschaften sowie auch die wichtigen Dinge wie Freundschaft und Vertrauen in einen Roman, der nur von fantastischen Elementen strotzt.
Als Leser lässt man sich gern in diese märchenhaft Welt zurückversetzen und lernt gemeinsam mit dem jungen Protagoisten die wahren Monster der Realität kennen – in seiner Denkweise noch in Form von fantasievollen Gestalten. Es wird ein Märchen erzählt, das leider wahr ist – nur in anderer Form. Es wird verschönt aufgetischt, so dass man neben dem Geschriebenen auch zwischen den Zeilen lesen muss, um alles wahrzunehmen.
Der Protagonist hat in jungen Jahren so wahrlich schon mit einigen Monstern zu kämpfen, die er aberz ohne Selbstmitleid und ohne Nörgeln anerkennt und etwas daraus macht. Er lernt schnell und kann sich selbst helfen und versucht auf seine ganz eigene Weise in der realen Welt zurechtzukommen. Begleitet man ihn so, fühlt man sich einerseits in eine märchenhafte, wenn auch etwas gespenstische Welt zurückversetzt, hat hier aber auch einen sehr mutigen, kleinen, jungen Mann an seiner Seite, den man nur bewundern kann.
Ein weiteres Meisterwerk des Autoren -welches keineswegs zu ignorieren ist. Als Gernleser des Autors und auch des Genres sollte man dieses Werk unbedingt in die Hände nehmen und eintauchen. Meinerseits gibt es hier eine uneingeschränkte Leseempfehlung, für mich ein Topbuch des Autors!
5 von 5 Punkten