Interview mit Erik Kellen posted by on 17. Mai 2013

Letzten Monat habe ich das Buch „Gezeitenzauber“ von Erik Kellen lesen dürfen – und es hat mich echt begeistert, da muss ich auf jeden Fall auch den weiteren Teil lesen, der bald erscheinen wird.  Natürlich war ich daraufhin neugierig, wer sich hinter dem Autor versteckt und so musste er einige neugierige Fragen über sich ergehen lassen =)

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Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war schon immer eine Leseratte. Dank meiner Eltern habe ich auch schon früh Bücher gelesen. Mit dem Schreiben angefangen habe ich als Musiker. Ich war Sänger einer Band und habe die Texte geschrieben, aber auch schon vorher in der Schule waren meine Aufsätze berüchtigt. Später waren es Gedichte und Kurzgeschichten. Schließlich habe ich für meinen Neffen ein Kinderbuch verfasst. Danach ist das Schreiben zur Leidenschaft geworden. Erst sollte es ein Thriller werden, der in Hamburg spielt, doch dann entdeckte ich die Fantasy für mich. Da kann man mit nur einem Satz die ganze Welt aus den Angeln heben, das hat mir gefallen.

Wie kam die Idee zu deinem Roman „Gezeitenzauber“?

So abgedroschen es auch klingen mag, ich habe eine Szene aus dem Buch geträumt. Danach gab es kein Halten mehr.

Wie hast du diese umgesetzt? Gleich losgeschrieben oder erst einmal Stichpunkte gemacht, die Charaktere gezeichnet?

Als ich morgens aufwachte, verrauchten die Bilder nicht wie sonst, sondern blieben. Ich setzte mich an meinen Laptop und schrieb in einem Rutsch die ersten zwanzig Seiten. Alle waren sie bereits da: Nilah, Liran, Tok und natürlich Sunabru. Ich musste ihnen nur noch folgen auf ihrem abenteuerlichen Weg. Nach und nach ergaben sich auch die Hintergründe, aber eher intuitiv, als dass ich daran herumgebastelt hätte. Wie gesagt, alles war da, ich musste es nur noch ins rechte Licht rücken.

In welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Schreiben kann ich überall, solange man mich dabei halbwegs in Ruhe lässt. Aber am liebsten schreibe ich abends bis in die Nacht hinein. Dabei hilft mir eine beleuchtete Tastatur, so dass ich nur noch eine Kerze brennen lasse. Dann komme ich mir vor wie diese alten Geschichtenerzähler, die beim Licht einer alten Funzel die Feder ins Tintenfässchen tauchten und ihre Geschichten auf verblichenes Pergament bannten.

Außerdem suche ich für die wichtigen Szenen ein ganz bestimmtes Musikstück aus. Kopfhörer auf und das kann dann, solange die Szene eben dauert, locker vierzig Mal hintereinander das gleiche Lied sein.

Erzähle uns doch einmal etwas über dich, aus deinem Alltag, Leben! Was machst du in deiner Freizeit? Was in der Berufswelt?

Ich lese viel, das ist wohl der größte Teil meiner Freizeit, wenn ich nicht schreibe. Mit dabei ist aber immer ein Notizblock, denn dabei notiere ich mir jede Idee, die mir in den Kopf kommt.

Da ich zur Zeit ausschließlich schreibe, besteht der Tag aus Sekretärsarbeit wie Mails beantworten, Bloggern schreiben, Werbung versenden und und und. Damit ich wieder einen freien Kopf für meine Geschichten bekomme, laufe ich so etwa eine Stunde durch den Hamburger Stadtpark, meist um den See herum. Doch bräuchte ich eigentlich jemanden der mit Fahrrad, Zettel und Stift dabei ist, denn beim Laufen habe ich oft die besten Ideen.

Das nächste Ablenkungsmanöver besteht im Kochen, und man mag es glauben oder nicht, ich wasche den Krempel danach auch noch gern ab. Das ist sehr entspannend. Dann vielleicht noch eine Folge The Big Bang Theorie oder einen Film und Zack ist auch schon wieder Schreibzeit.

Also ein ziemlich langweiliges Dasein 🙂

 Welches Genre bevorzugst du selbst bei Büchern, wer sind deine Lieblingsautoren?

Ich lese fast alles. Historie, Thriller, Gesellschaft, Geschichte, Comics, aber seit einigen Jahren überwiegt doch die Fantasy. Da lese ich seit Jahren begeistert Joe Abercrombie, Patrick Rothfuss oder Michelle Pavers tolle Serie über die dunklen Wälder. Früher, und heute auch noch manchmal, Jules Verne, Edgar Alan Poe, Shakespeare und natürlich Herman Melvilles Moby Dick.

Magst du eher eBooks oder Bücher aus Papier, wie siehst du das Ganze?

Bisher bin ich noch ein echter Papier­fe­ti­schis­t. Aber ich sehe auch die Veränderungen, die längst auf einen Wandel hindeuten. Ich habe auch schon auf dem Kindle gelesen, aber noch gefällt mir so ne dicke Schwarte in der Hand besser.

Welches Gefühl hast du beim Abschluss einer Geschichte/eines Buches?

Das ist sehr unterschiedlich. Zum einen pure Freude, weil es vollendet ist. Ein wenig später ein Gefühl des Verlustes, weil etwas vorüber ist, beendet. Dann vermisse ich meine Figuren, als wäre es echte Freunde, die mal eben nach Neuseeland ausgewandert sind. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich wirklich loslassen kann. Aber sie werden immer ein Teil meiner Seele sein.

Hast du bereits ein neues Buch in Planung, über welches du uns etwas erzählen magst?

Ja, habe ich. Da vieles mit dem zweiten Band von GezeitenZauber nicht so gelaufen ist wie ich es geplant hatte, musste ich die Geschichte oft beiseite legen, denn es gab Verzögerungen, auf die ich keinen Einfluss nehmen konnte. Aber so ist das Leben. Zu meinem Schrecken passierte mir etwas , das jeder Autor fürchtet: Die weiße Seite. Ich saß davor und war wie abgeschnitten von meiner eigenen Geschichte, meiner Welt, die ich so gut kenne. Es war zum Haare raufen und echte Verzweiflung machte sich breit.

Also nahm ich eine Auszeit und nahm ein Projekt aus der Schublade, dass eigentlich erst später beginnen sollte. In dieser „neuen“ Umgebung ruckte der Schreibmotor wieder an, hustete ein paar Mal und ich schrieb in wenigen Monaten die neue Story nieder. Es ist der Beginn einer tollen, und wie ich finde, sehr außergewöhnlichen Reihe. Fantasy, Dystopie (alternative Zeitlinie) und sogar einigen Steampunk-Elementen. Der erste Band wird: DAS LIED VON ANEVAY & ROBERT heißen. Man kann Cover und Klappentext auf meiner Homepage finden.

Aber natürlich kommt SeelenZauber bald! Die Schwierigkeiten haben sich endlich aufgelöst und so wird es wohl im Sommer / Herbst endlich so weit sein. Dann werden Nilah und Liran in ein spannendes Finale schlittern, das so, glaube ich, noch nie geschrieben wurde. Es wir ein leidvoller Weg.

Was möchtest du am liebsten einmal an deine Leser loswerden oder an welche, die es noch werden? =)

Hm? Ich finde es einfach wunderbar, dass es trotz vierundzwanzigstündiger Dauerberieselung durch das Fernsehen noch so viele Menschen gibt, die gerne Geschichten lesen. Ohne sie wäre ich gar nichts.

Ich würde mir manchmal wünschen, dass Leser verstehen, wie viel Kraft, Energie und Herzblut in solch ein Projekt fließen. Als Autor möchte ich eine Geschichte abliefern, die ungewöhnlich ist, die verzaubert, die alle Leser auf eine Reise mitnimmt. Dass braucht vor allem Zeit. Ich möchte niemals zu jenen Schriftstellern gehören, die ein paar Ideen aus den Bestsellerlisten rupfen und nur ein paar Namen und Orte austauschen, oder die ein bekanntes Thema zum 300sten Mal, nun aber mit Strähnchen, verwenden. Nein! Ich will, dass meine Leser auf etwas treffen, dass sie so noch nie gelesen haben.

Lieber Erik – vielen Dank für deine Zeit, die Fragen zu beantworten und uns so einen Einblick hinter die Kulisse des Autors zu Gezeitenzauber werfen zu lassen!

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