Melanie Hinz – Nie genug posted by on 24. Juli 2012

In Erotikromanen wird die Handlung zumeist nur obszön und pervers dargestellt, es dreht sich nur um eine Sache – nicht jedoch im Roman „Nie genug“ von Melanie Hinz. Hier geht es auch noch um die Protagonisten Emma und Sam, deren Geschichte…

 

Als die etwas mollige Emma in den Laden geht, um sich etwas Schokolade zu holen, rennt sie wahrhaftig den Traummann über den Haufen. Erst fällt ihr dies zwar nicht auf, aber er kreuzt ihr wieder auf im Gang des Ladens. Nicht nur das, sie hat auch noch ihre Gammelerscheinung an, grad so als wäre sie aus dem Bett gekommen. Es kommt noch besser – genau dieser Typ stellt sich als der beste Freund einer ihrer ehemaligen besten Freundinnen heraus, mit der sie nun wieder regen Kontakt hat. Es kommt, wie es kommen muss – er findet Emma sexy, doch diese findet dies alles andere als lustig, dass er sie verarschen will. Oder hat er das gar nicht vor und sieht sie tatsächlich als Sexbombe?

Melanie Hinz hat mit ihrem Roman einen besonderen Erotikroman geschaffen. Hier wird nicht nur das Thema Erotik aufgegriffen, um das es sich eigentlich handelt – sondern eine Frau wird bildlich dargestellt. Eine Frau wie jede es sein kann, die unter vielen nicht wirklich auffällt oder so denkt, dass sie unscheinbar ist. Gegenüber Sam, der hier als wahrer Traumkerl dargestellt wird. Es klingt fast wie ein Klischee – Traumtyp trifft graues Mäuschen, sie werden ein Paar und keiner kann es fassen. Doch die Autorin hat die Geschichte mit weitaus mehr als nur Klischees gespickt, man kann die Gefühle richtiggehend durch die Zeilen merken, fast wie ein stetiges Knistern zwischen den beiden. In die Geschichte selbst findet man ohne Holpern hinein, die Protagonistin  Emma macht es einem leicht durch ihre zurückhaltende und doch sehr neugierige, liebenswerte Art. Auch als Sam beschrieben wird, hat man direkt einen Traummann vor sich – obwohl, das ist ja bekanntlich Geschmackssache, aber Kopfkino macht es! Wahrscheinlich würde jede Frau wie Emma reagieren, erst einmal auf Distanz gehen und sich insgeheim fragen, was denn so einer von einem will. Die Autorin hat ein Händchen dafür, die Sätze und auch ganze Kapitel mit viel Gefühl zu schreiben, so dass es direkt unter die Haut geht. Es ist klar, dass es in einem Erotikroman auch einmal heiß hergeht, hier ist das aber sehr geschmackvoll beschrieben und der Kopf geht wieder auf Fahrt ins Kino! Solche Ausdrücke wie „guter Fick“ gehören wohl zu einem Erotikroman, etwas anstößiges muss ja enthalten sein, damit die heiße Szene veranschaulicht werden kann. Wer mit so etwas nicht klar kommt, sollte lieber keinen Erotikroman lesen, sondern nur Liebesgeschichten, wobei es in solchen ja auch so zugehen kann stellenweise. Dies hier ist aber in keinster Weise ein „Schmuddelroman“, so wie es bei vielen Erotikromanen dargestellt wird bzw. so herüberkommt. Das Buch spricht wohl hauptsächlich Frauen an, da diese sich sehr gut mit Emma identifizieren können größtenteils. Ich selbst habe mich an manchen Stellen wiedererkannt, jede wird schon einmal so gedacht haben in manchen Situationen. Ein sehr gut eingearbeitetes Detail ist auch, dass Emma selbst Erotikautorin ist, ihr dies aber peinlich ist. Wem wäre das im ersten Moment nicht peinlich? Man stelle sich mal vor, man müsste auf Lesungen und genau so etwas vorlesen, genau so eine Stelle, in der es heiß zugeht. Auch Emma ist dies peinlich, weshalb sie dies vor allen verheimlicht. Doch Sam inspiriert sie wirklich in ihren Büchern und sie hat nur noch einen Schreibfluss. Das kann man sich sehr gut vor Augen führen, dass man hier auf den Geschmack kommt. Nichts desto trotz gibt es einen kleinen Minuspunkt in dem tollen Roman der Autorin – Emmas Selbstmitleid nimmt irgendwann überhand und man kann es irgendwann nicht mehr hören, an manchen Stellen war dies dann doch etwas übertrieben.

Das Buch eignet sich für Leser, die zwar etwas heißes suchen – aber auch gerne Handlung dabeihaben, eine nette Liebesgeschichte mit dabei! Mit dieser Geschichte lässt es sich echt gemütlich auf der Couch in den Abend hineinbegleiten. Ein kleiner Tipp am Rande: Das Buch nicht auf der Arbeit in der Pause lesen! =)

4 von 5 Punkten

Vielen Dank an die Autorin Melanie Hinz, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat an dieser Stelle.

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